*+* Ruben Laurin: „Die Kathedrale des Lichts“ *+*

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Dieser Roman über den Neubau des Magdeburger Doms erzählt neben der beeindruckenden Erschaffung des Gottesdenkmals die Geschichten der Hauptfiguren. Neben einigen fiktiven Charakteren gab es Baumeister Bohnsack und auch Mystikerin Mechthild wirklich. Obwohl alle Protagonisten intensiv ausgearbeitet sind und sich der Autor allen ausführlich gewidmet hat, erschienen mir die beiden historischen Figuren am glaubhaftesten und überzeugendsten. Mechthild, von vielen als verrückt abgestempelt, konnte mich mit ihrer Gottesfürchtigkeit, ihrer Unbestechlichkeit, ihrer Klarheit und Unbeugsamkeit sehr beeindrucken. Auch Meister Bohnsack mochte ich sehr. Sein Lebenselixier war schon immer der beseelte Wunsch, eine Kathedrale zu bauen, und so nimmt er gerne die Gelegenheit wahr, nach Magdeburg zu gehen, um sich dort für den Rest seines Lebens dem Bau des Magdeburger Doms zu verdingen, der „Kathedrale des Lichts“. Seine Begeisterung, seine Berufung waren manchmal greifbar. Seine Tochter hat jedoch nicht immer Verständnis dafür. Sie fügt sich schließlich, wohl wissend, dass sie bald ein eigenes Leben führen wird. Um ihre Gunst buhlen Ansgar, ein siegessicherer, sehr von sich überzeugter Ritter, Moritz, der im Kindesalter seine Familie verloren hat und Hitzkopf Gotthard, ein französischer Bildhauer, dem ich nicht recht über den Weg traute. Und wenn drei sich um eine holde Maid streiten, kann es nicht lange friedlich bleiben.

Zu Beginn war ich ganz verzaubert von der Atmosphäre, die der Autor um jeden Charakter webte, von dem leichten Wechsel zwischen den einzelnen Erzählsträngen, die schon bald zu einer Haupthandlung zusammenfinden. Hin und wieder wirft Ruben Laurin einen Blick zurück und flicht so die Hintergrundgeschichte des Heiligen Mauritius ein, dem einst der Magdeburger Dom gewidmet war. Die gemächliche, ausladende Erzählweise, die gut zur Langsamkeit und Weitläufigkeit des Doms passt, machte das Lesen leicht, zog nach einiger Zeit jedoch auch kleinere Längen nach sich. So nimmt sich der Autor nicht nur für die Handlungsebenen sondern auch für die Zeichnung seiner Charaktere viel Zeit, sodass man sich schnell in sie hineinfühlen kann. Mit der Zeit habe ich sie allerdings zum Teil als überzeichnet empfunden, ebenso waren die Handlungen zunehmend übertrieben und wirkten oft zu gewollt, um nach dem überzeugenden Beginn auch weiterhin glaubhaft zu sein.

Ruben Laurin hat die zwischenmenschlichen Stimmungen, die zunehmend durch Liebe, Verrat, Neid und Intrigen durchsetzt waren, sowie die gesellschaftlichen und politischen Hintergründe der damaligen Zeit gut eingefangen. Dabei tauchte er nicht sehr intensiv ein, sondern blieb eher oberflächlich, sodass es mir als historischem Laien leicht fiel, dem Geschehen zu folgen. Gut gefiel mir auch der Beginn des Buchs, denn zur besseren Orientierung werden dem Leser ein Personenverzeichnis (Dramatis personae) sowie eine Zeittafel an die Hand gegeben.
Sehr schön waren immer wieder die gewährten Einblicke in die Baukunst, die wie von Zauberhand ein solch gigantische Werk wie einen Dom erschafft, mit allen Tätigkeiten, die dieses Tun vorantreibt.

Trotz meiner Kritikpunkte habe ich das Buch gerne gelesen. Es gibt interessante Einblicke in das Treiben des dreizehnten Jahrhunderts, ohne dabei zu kompliziert zu werden. „Die Kathedrale des Lichts“ ist eine schöne, leichte Lektüre für zwischendurch.

Inhalt
Eine Kathedrale, die zum Himmel wächst. Ein Steinmetz, der seiner Bestimmung folgt. Und eine Liebe, die nicht sein darf.
Anno 1215. Dem Waisenjungen Moritz widerfährt großes Leid. Nur, wenn er Skulpturen aus dem Stein haut, vergisst er alle Schmerzen. Jahre später erkennt ein reisender Baumeister Moritz‘ Talent und nimmt ihn mit nach Magdeburg, wo eine Kathedrale gebaut wird. Rasch macht sich Moritz einen Namen unter den Steinmetzen. Doch nicht jeder auf der riesigen Baustelle bewundert den jungen Künstler. Vor allem Gotthart, ein bekannter Bildhauer, neidet Moritz den Erfolg. Als Moritz sich ausgerechnet in die Frau verliebt, um die auch Gotthart wirbt, verfolgt dieser nur noch ein Ziel: die Vernichtung seines Rivalen, um jeden Preis.

Autor
Ruben Laurin ist das Pseudonym eines preisgekrönten Autors, der vor allem phantastische und historische Romane verfasst. Seine Faszination für die Geschichte der Stadt Magdeburg und die mittelalterliche Kirchenarchitektur brachten ihn auf die Idee, einen Roman über den Bau des Magdeburger Doms zu schreiben: Die Kathedrale des Lichts. Ruben Laurin lebt in der Nähe von Wismar.
Quelle: Bastei Lübbe Verlag

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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3 Antworten zu *+* Ruben Laurin: „Die Kathedrale des Lichts“ *+*

  1. Das habe ich doch jetzt direkt meiner Mutter empfohlen 😊

  2. Moni2506 schreibt:

    Hallo Heike,

    eine schöne und ausführliche Rezension zum Buch. Ich überarbeite gerade meine Rezensionen und würde dich gerne bei mir verlinken. Als ich das Buch Mitte Februar beendet habe, gab es noch keine weiteren Rezensionen.

    LG, Moni

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