*+* Jasmin Jülicher: „Stadt der Tiefe – Der Hüter“ *+*

Herzlich willkommen in Biota, das man nach dem großen Krieg, der die Welt zu einem äußerst unwirtlichen und unfreundlichen Ort gemacht hat, eigentlich auch „Die Stadt des Friedens“ nennen könnte. Bevor die Menschen sie bevölkern durften, wurde ihnen aus Sicherheitsgründen jeglicher Gewalttrieb genommen. Zumindest lautete so der Plan – ein Plan, der aber scheinbar doch nicht wie erwünscht umgesetzt werden konnte. Nun ist in Biota ein Mord geschehen und da Straftaten nicht vorgesehen waren, es folglich auch keine Polizei in der Stadt gibt, bleibt diese unliebsame und undankbare Aufgabe der Ermittlungen nun an Alexander, dem obersten Hüter, hängen.
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Zunächst überfordert, findet er sich recht schnell in sein neues Aufgabengebiet hinein. Unterstützung bekommt er glücklicherweise von der Botania Nic, einer Biologin, die standesgemäß über ihm steht. Dadurch erhalten die Treffen der beiden über die gefährlichen Mordermittlungen hinaus noch weitere Brisanz. Auch sonst gilt es in der Stadt einige Regeln zu beachten. Ganz so einfach, unkompliziert und vor allem ungefährlich, wie Biota zunächst erscheint, ist es nämlich dort bei Weitem nicht, wie Alexander im Laufe seiner Nachforschungen feststellen muss….

Jasmin Jülicher hat einen kompakten, runden Fantasy-Krimi, gewürzt mit Steam-Punk-Elementen, erschaffen, der mich von Beginn an in seinen Bann gezogen hat und zudem noch kontinuierlich an Spannung zunahm. In einem ausführlichen Prolog wird erklärt, wie es sich zum großen Krieg hochschaukeln konnte und wie es zur Gründung der Unterwasserstadt kam. Später lernt der Leser dann Biota recht ausführlich kennen, und ich war begeistert, dass die Autorin wirklich an alles gedacht hat! Die Ausführlichkeit, mit der sie alles schildert, ließ unwillkürlich ein Bild dieser Stadt vor meinem inneren Auge erscheinen. Noch ganz beseelt von diesem Rundgang durch Biota traf mich ebenso wie den obersten Hüter der bestialische Mord umso härter. Nicht nur an dieser Stelle bringen starke Wenden Spannung und neue Aspekte über die Stadt, seine Bewohner und ihre Regeln ins Spiel, was das Lesen zu einem sehr kurzweiligen Vergnügen machte.

„Wo ist die Grenze? Was ist Recht und was ist Unrecht? Ist nicht alles, was wir Wissenschaftler tun, im Grunde gegen die Natur? Wir mischen uns ein, verändern die Tiere, die Pflanzen und sogar den Menschen. Wer kann denn schon entscheiden, wo die Grenze verläuft?“

Während der Ermittlungen werden Alexander die Augen geöffnet, dass das Biota, das er kennt, nur die Spitze des Eisbergs ist – die Stadt der Tiefe weist viel mehr facettenreiche Tiefe auf, als er und die Allgemeinheit ursprünglich gedacht hatten. Manche Bewohner der Stadt sind „gleicher“, sie wissen mehr und haben größere Einflüsse, Rechte und Fähigkeiten als die gewöhnlichen Bewohner, die sie jedoch nicht nur für gute Zwecke einsetzen. Das Leben in Biota wird für Alexander und Nic immer gefährlicher und sie fassen einen kühnen Plan, dessen Umsetzung einen tollen Cliffhanger für die Fortsetzung markiert.

„Stadt der Tiefe“ begeisterte mich durchgehend von der ersten bis zur letzten Seite! Biota, Schauplatz des ersten Teils der Quadralogie, ist offenbar nur ein Teil der Erzählwelt, deren Komplexizität sich bisher nur erahnen lässt. In diesem Auftaktband ist die Saat für so viele Handlungsstränge und die Ausarbeitung noch viel umfangreicherer Hintergrundinformationen als dem Leser bisher an die Hand gegeben wurden, gelegt. Die Autorin lässt viele Bemerkungen fallen, bei denen man fast sicher sein kann, dass sie in einem der Folgebände aufgegriffen werden – zumindest hoffe ich das. Mich interessiert sehr, wie es mit der Geschichte weitergeht, aber auch, welche Vergangenheit Nic, Alexander und die anderen Protagonisten haben, denn es gab ja ein Leben vor Biota, zumindest für einige von ihnen.

Die Charaktere sind je nach ihrer Wichtigkeit mehr oder weniger stark ausgearbeitet. Um ihr Handeln zu verstehen und ihre Entscheidungen nachvollziehen zu können, hat Jasmin Jülicher aber definitiv allen von ihnen genug Farbe gegeben und Leben eingehaucht. Besonders schön finde ich die Liebe zum Detail, mit der hier ans Werk gegangen wurde. Es beginnt schon mit dem edel anmutenden Cover, das in seiner gut gewählten Komposition die Geschichte sehr gut zusammenfasst – ein Mikroskop vor einem „Bullauge“, das einen Blick aus der Stadt in die Weite des Meeres gewährt. Egal ob es sich um die Vorgeschichte rund um den großen Krieg handelt, die Beschreibung der Stadt, die vielen klug miteinander verwobenen Fäden, die die Haupt- und Nebenhandlungen miteinander verbinden, oder auch die Namensgebung einiger bedeutender Bewohner Biotas. Die Affinität der Autorin zu den Naturwissenschaften lässt sich ebenso wenig verleugnen wie ihre Sorge um deren manchmal moralisch und ethisch fragwürdigen Anwendungsmöglichkeiten. Natur- und Umweltschutzaspekte sprechen ebenfalls immer wieder aus den Zeilen.

Kurz gesagt: „Stadt der Tiefe“ ist ein Buch ganz nach meinem Geschmack. Die erschaffene Erzählwelt ist rund und wird sowohl von einem guten Spannungsbogen, dem flüssigen, lebhaften Erzählstil als auch vielen interessanten Charakteren und einer gewissen Tiefgründigkeit getragen. Ich freue mich sehr auf die Fortsetzung!

Inhalt
Biota – Die Stadt, die nach dem großen Krieg auf dem Meeresboden gebaut worden ist. Für die Bewohner ist sie eine sichere Heimat, denn die Oberen haben dafür gesorgt, dass jede gewalttätige Tendenz in den Menschen ausgelöscht wurde.
Doch dann taucht eine grausam zugerichtete Leiche auf , die es nie hätte geben dürfen. Alexander, oberster Hüter der Stadt, und die Biologin Nic ermitteln und stellen bald fest, dass dieser Mord erst der Anfang war. Denn Biota ist längst nicht die sichere Zuflucht, die sie zu sein scheint …
Sie müssen sich entscheiden: Ist die Wahrheit es wert, dass sie dafür ihr eigenes Leben und die Existenz der gesamten Stadt aufs Spiel setzen?
Quelle: Amazon

Autorin
„Obwohl schon seit ihrer frühesten Kindheit ein begeisterter Bücherwurm, entstand die Idee zum ersten eigenen Roman erst während ihres Masterstudiums der „Biological Sciences“ in einem aus Neugier besuchten Krimi-Seminar.
Die darin entwickelten Ideen und das Schreiben selbst ließen sie nicht mehr los und so arbeitet sie seitdem an Romanen und Kurzgeschichten, in denen sich Realität und Fantasy miteinander verbinden.“

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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