*+* Christopher Kloeble: „Das Museum der Welt“ (Hörbuch) *+*

Bartholomäus ist „mindestens zwölf Jahre alt“ und wächst in einem Waisenhaus unter der Obhut von Vater Fuchs auf. Dieser Mann hat den Jungen zeit seines Lebens geprägt. So ist Bartholomäus für sein Alter unglaublich gebildet, aber auch klug, was sein Verhalten in bestimmten Situationen zeigt. Denn er scheint in die Menschen hinein blicken zu können, sieht mit den Augen, aber auch mit dem Herzen.

Sein Traum ist es, das größte Museum Indiens zu erschaffen. Vater Fuchs ermutigt ihn dabei und kitzelt damit die Phantasie des Jungen. Denn wer sagt denn, dass ein Museum unbedingt in einem großen Gebäude untergebracht sein muss? So sammelt der Junge bemerkenswerte Objekte in seiner Schachtel und lässt sich von Rückschlägen nicht unterkriegen. Ganz im Gegenteil, diese bekräftigen seinen Willen erst recht. Zunächst sammelt Bartholomöus seine Objekte rund ums Waisenhaus. Später, als er die Brüder Schlagintweit auf deren Forschungsreisen begleitet – er ist durch die Kenntnis mehrerer Sprachen prädistiniert, um sie als Übersetzer zu unterstützen -, kann er seinen Radius erweitern und findet dabei viele weitere solcher Dinge oder Tatsachen, die sein Kästchen, aber auch seinen Geist füllen.

Die Kapitel sind durch die Nummerierung der bemerkenswerten Objekte gekennzeichnet. Der Hörer erfährt die geschichtlichen und kulturellen Geschichten, die deren Hintergründe bilden – ein ganz großes Thema ist der Kolonialismus – und warum sie für Bartholomäus derart bemerkenswert waren, dass sie einen Platz in dem ganz besonderen Museum finden konnten. Dabei schlägt der Autor einen weiten Bogen, indem er Kleines und Großes vereint.

Während der Waisenjunge auf der Reise zum Mann reift, findet er zu sich selbst. Er geht mit offenen Augen durch das Leben und pariert dessen (Un-)Möglichkeiten par excellence. Er ist schlagfertig, nicht auf den Kopf gefallen, dabei oft vom Mut der Verzweiflung getrieben, ungeheuer klug und gebildet und ganz und gar bemerkenswert für sein Alter.

Der Erzählstil recht einfach gehalten, was Bartholomäus´ gesellschaftlichen Stand gut widerspiegelt, aber niemals primitiv sondern viel mehr gehaltvoll. Interessant finde ich die Vermischung der Sichtweisen der erwachsenen Brüder und ihres fast noch kindlichen Übersetzers, der bei Schlagabtäuschen immer ein gutes Bild macht und mit seinen Standpunkten gelegentlich die gesetzten Herren aufmischt.

Trotz des interessanten Tons und der geschmeidigen Melodie der Geschichte gibt es für meinen Geschmack einige Längen. Dann nämlich, wenn bei den Gedankengängen zu sehr abgeschweift wurde, oder sie zu philosophierend und ausufernd wurden. An diesen Stellen war das Hörbuch für mich vergleichbar mit den anstrengenden Reisepassagen der Schlagintweits und Bartholomäus. Hat man diese beschwerlichen Abschnitte gemeistert, ging es anschließend jedes Mal wieder beschwingter und flotter voran.

Der Sprecher Torben Kessler hielt mich an solch zähen Stellen bei der Stange. Er liest unglaublich empathisch und erweckte die Geschichte so zum Leben, sodass ich stellenweise richtig gut in sie hineinfallen konnte.

Inhalt
Im Jahr 1854 brachen die bayerischen Brüder Hermann, Adolf und Robert Schlagintweit zu einer Forschungsexpedition durch Indien, Hochasien und das Himalaya-Gebirge auf. Sie untersuchten Flora und Fauna, dokumentierten das Leben der Einheimischen und erforschten im Auftrag der Britischen East India Company den Erdmagnetismus. Diese eindrucksvolle Reise diente Christopher Kloeble als Inspiration, um in »Das Museum der Welt« die Geschichte des Waisenjungen Bartholomäus zu erzählen, der gemeinsam mit den Gebrüdern Schlagintweit zum größten Abenteuer seines Lebens aufbricht. Lebendig vertont von Torben Kessler wird der Text zum fesselnden Hörerlebnis – ein Muss für Fans von Abenteuerromanen!

Sprecher
Als Schauspieler ist Torben Kessler auf den großen deutschen Theaterbühnen sowie in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen, unter anderem auch im »Tatort«, zu sehen. Für DAV vertonte er unter anderem die Hörbücher zu Pierre Lemaitres »Die Farben des Feuers« und Ulrich Alexander Boschwitz’ »Der Reisende«. Christopher Kloebles »Das Museum der Welt« erweckt er ausdrucksvoll und voller Leichtigkeit zum Leben und lässt damit die Vielfalt Hochasiens hör- und spürbar werden.
Quelle: Der Audio Verlag

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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