*+* Jennifer B. Wind: „Als Gott schlief“ *+*

Als-Gott-schlief--Thriller-9783955204945_mJennifer B. Wind: „Als Gott schlief“
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Inhaltsangabe:
Meine Hände rutschten zum wiederholten Male von der Wand ab. Ich pochte gegen die Tür, die sich Sekunden vorher geschlossen hatte. Ich wollte schreien: »Lasst mich hier raus!«
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München und Wien: Eine Serie brutaler Morde an katholischen Geistlichen schockiert die Öffentlichkeit. Die Opfer werden auf grausame Weise gefoltert und getötet. Am Tatort werden mysteriöse Hinweise gefunden, die jedoch niemand entschlüsseln kann. Kriminalbeamtin Jutta Stern und ihr Partner Thomas Neumann stehen vor einem Rätsel. Was hat die Opfer verbunden? Was treibt den Mörder an? Bei ihren Ermittlungen stößt Jutta auf eine Mauer aus Angst und Schweigen – doch dann entdeckt sie eine Spur, die weit in die Vergangenheit zurückreicht …
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Eine junge Kriminalbeamtin, ein sadistischer Mörder und eine schreckliche Wahrheit …

(Quelle: dotbooks)
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Das Cover:
Im Fokus steht bzw. liegt ein Jesus-Kreuz. Es liegt im erhellten Bereich des Covers, alles herum ist sehr dunkel gehalten, verschwommen. Diese Gestaltung finde ich zum Inhalt des Thrillers sehr gelungen, denn auch die Autorin bringt Licht ins Dunkel….

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Meine Meinung:
Schon mit den ersten Seiten hatte das Buch mich völlig fasziniert. Nicht weil der Inhalt so schön ist sondern weil die Autorin die Gabe hat, mit wenigen prägnanten Sätzen eine weitreichende Gefühlslawine in mir auszulösen.
Das begann schon im ersten Kapitel, als sie anfing, die Protagonisten vorzustellen. Jutta hatte ihren Mann bei einem Einsatz verloren, hat sich längst noch nicht gefangen und steht schon wieder mitten im Berufsleben. Sie erlebt gerade den wohl emotional schwersten Fall ihrer Karriere.
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Auch mir ging noch nie ein Thriller so nahe wie dieser hier.
Kein Wunder, dass dieses Buch von vielen Verlagen abgelehnt wurde. Er beruht auf wahren Begebenheiten und die Kirche bzw. die „Diener des Herrn“ kommen dabei äußerst schlecht weg.
Es geht um Kindesmissbrauch. Man liest und hört ja immer wieder davon. Und Hand aufs Herz, ich fühle mich jedes Mal schlecht, wenn neue Negativschlagzeilen auftauchen, aber bei der nächsten Meldung in den Nachrichten ist dieses Thema dann schon wieder weg.
Verdrängen geht hier nicht. Zu eindringlich wird der Leser immer wieder mit dem Thema konfrontiert. Mit wenigen Worten, kurzen und knappen Schilderungen, Andeutungen versprüht Jennifer B. Wind immer wieder die Funken des Missbrauchs und dessen Folgen.
Schon schnell schlugen die Flammen in mir hoch, Flammen des Entsetzens und des besseren Verstehens, der Wut und der Verzweiflung und auch der Hiflosigkeit.
Denn was man sonst medienwirksam mitgeteilt bekommt, ist nichts gegen die Tiefe der Gefühle, die mich bei diesem Thriller begleitet haben. Manchmal musste ich das Buch einfach weglegen und die Tränen konnte ich spätestens dann nicht mehr zurückhalten, als es darum ging, welche langfristigen Folgen das schändliche Tun der Gottesmenschen an den Kindern bewirkte. Eine Gräueltat reicht und die Seele ist tot, nur wenige der Kinder waren mental so stark um ein annähernd erfülltes Leben führen zu können.
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Auch der Autorin fielen vor allem diese Passagen sehr schwer: „Ja, die Recherchen waren sehr schwierig und auch zermürbend, die Schicksale gingen mir sehr nahe, und auch später beim Schreiben gab es immer wieder Phasen wo ich pausieren musste und Abstand brauchte.
Das war keine leichte Arbeit.“

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Diesen Schicksale der verlorenen Kinder verarbeitete Jennifer B. Wind zu einem mehr als spannenden Thriller. Ich hielt nicht nur ob der Schicksale der Kinder die Luft an, auch die Konstruktion dieser Geschichte ist grandios gelungen. Die Spannung wird konstant aufgebaut, sie unterliegt zwar kleineren Schwankungen, liegt aber ständig auf hohem Niveau.
Einige kleine Holzwege sind eingebaut, es gibt überraschende Wendungen.
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Zum Glück schafft die Autorin es, die deprimierende Stimmung an geeigneten Stellen durch leichtere, heitere Passagen aufzulockern, sodass sie meiner Gefühlswelt immer wieder eine kleine Verschnaufpause verschaffte.
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Die Handlungsträger sind sehr gut herausgearbeitet. Jutta, die kürzlich ihren Mann verloren hatte, Tom den Tausendsassa, Hanna, die kranke Journalistin und alle anderen. Sie waren detailreich gezeichnet und allesamt interessante Charaktere für mich.
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Der Schreibstil war mir sehr angenehm. Flüssig, präzise, aufs Wesentliche beschränkt. Langatmige oder gar langweilige Passagen konnte ich nicht ausmachen.

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Toll gelungen war für mich die Kombination der beiden Erzählstränge. Jener der Zeit der Morde und Aufklärung des Falls und derjenige, der mir bedeutend mehr unter die Haut ging. Eines der missbrauchten Mädchen hatte ihre schreckliche Zeit in einem Buch verarbeitet. Aus diesem werden immer wieder Teile in den Gegenwarts-Strang eingeflochten, sodass man ganz nah dran war am Leiden der Kinder und mitfühlen konnte, wie es ihnen erging. Es war emotional sehr hart, davon zu lesen und verstörend, aber es ist sehr wichtig, mal „richtig“ hinzuschauen. Nur so kann man annähernd erfassen, dass nicht nur Missbrauch an den Kinderkörpern begangen wurde sondern wie leicht man die kleinen Seele töten kann. Und obgleich wir in „Als Gott schlief“ sehr tief eintauchen, sehen wir wohl nur die Spitze des mörderischen Eisbergs.

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Mein Fazit:
Ein Thriller, der unter die Haut geht. Besonders deshalb, weil die Grundlagen des Buches auf wahren Begebenheiten beruhen. Dazu die brillante schriftstellerische Umsetzung! Ich vergebe 5 von 5 möglichen Sternen und finde, dass dieser Thriller damit nicht ausreichend bewertet ist!
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Infos zum Buch:
„Als Gott schlief“ von Jennifer B. Wind ist im Mai 2014 unter der ISBN-Nr. 978-3-95520-494-5 im dotbooks-Verlag erschienen. Das Ebook umfasst umgerechnet ca. 403 Seiten und ist der Auftaktband einer Thriller-Serie.
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Infos zur Autorin:
Jennifer B. Wind wurde 1973 in Leoben geboren und wuchs in Wien auf. Sie absolvierte eine Klavier-, Gesangs- und Schauspielausbildung und arbeitete viele Jahre als Flugbegleiterin. Sie schreibt bereits seit ihrer Jugend und veröffentlichte bisher zahlreiche Krimis und Kurzgeschichten. Jennifer B. Wind ist Mitglied im Krimiautorinnen-Netzwerk ‚Mörderische Schwestern‘ und führt den Blog ‚Lies und (p)lausch‘ auf mywoman.at. Heute lebt sie mit ihrer Familie in der Nähe von Wien.
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Bei dotbooks erschien Jennifer B. Winds Thriller „Als Gott schlief“.

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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