*+* Patricia Koelle: „Der Horizont in deinen Augen“ *+*

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Der Horizont in deinen Augen
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Drei Bernsteinschiffe waren einst das unsichtbare Band, das die Freunde Henny, Nicholas und Myra zusammenhielt. Doch nach einer schicksalhaften Begebenheit trennten sich die Freunde – und mit ihnen die Schiffe. Doch das Band riss nie wirklich. So fand in „Das Meer in deinem Namen“ Hennys Bernsteinschiff zurück in seinen Hafen. Und nicht nur das. Im Laufe des Romans lernten die Leser die nette Frau und ihr vergangenes Leben sowie ihre Nachkommen kennen. „Das Licht in deiner Stimme“ war dann Nicholas, seiner Vergangenheit und Familie gewidmet – auch sein Schiff erreichte Naurulokki mitsamt seiner Passagiere.

„In ein Leben passt eine Menge hinein, wenn man neugierig genug ist.“

In diesem finalen Teil lernen wir Myra kennen und verstehen. Sie war schon immer die kühlste und am wenigsten emotionale der drei Freunde. In „Der Horizont in deinen Augen“ erfahren wir, warum sie so geworden ist. Aber ebenfalls machen wir Bekanntschaft mit ihren Nachkommen, die mit denen von Henny und Nicholas zu einer zauberhaften Familie zusammenwachsen. So sind nun auch die Bernsteinschiffe wieder vereint und gemeinsam schaffen sie es, der Magie des Lebens und der Kraft der Erinnerungen neuen Antrieb zu geben. Nicht nur Myra setzt sich mit ihrer Vergangenheit und ihrem Schicksal auseinander, auch ihre Nachfahren räumen in ihrem Leben auf.

„Die Wahrheit zu kennen ist eine Sache. Wem man sie wann mitteilt und ob das besser für denjenigen ist, ist eine völlig andere Geschichte.“

Diese beiden Damen, Ylvi und ihre Tochter Remy, habe ich sofort in mein Herz geschlossen. Remy, die in der Nacht der Wiedervereinigung entstand – und so dem Leser den Zauber und den Frieden dieses Highlights deutscher Geschichte in Erinnerung ruft – und so eine liebenswürdige und pragmatische junge Frau ist, dass man sie einfach mögen muss. Aber auch Ylvi mit ihrer Liebe zum Bauen von Luftschlössern, die man kurioserweise anfassen kann und sich danach wunderbar geerdet fühlt, ist ein ganz wundervoller Charakter. Die beiden passen einfach perfekt nach Ahrenshoop! Dort treffen sie auf die Nachkommen von Henny und auch Nicholas sowie auf die Dörfler und wachsen ganz großartig und recht problemlos mit ihnen zusammen. Nur Myra hält sich wie üblich zurück…. bis sie es schafft, sich zu öffnen und mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.

„Es ist schon seltsam, wie durch manche Begegnungen die Menschen einander auf einen anderen Weg leiten.“

Die Figuren sind durch die Reihe so liebevoll geschnitzt, dass ich sie schon wie im Auftaktband einfach nur in mein Herz schließen konnte. So verschieden sie auch in ihren Ansichten, Überzeugungen und Plänen sein mögen, sie vereint ihre Warmherzigkeit und das Harmonievermögen – eine Eigenschaft, die man heutzutage leider immer weniger findet.

Ahrenshoop – zumindest so wie es in der Trilogie geschildert wird – ist und bleibt eines meiner Lieblingsdörfer. Wenn die Protagonisten dort wirklich lebten, sprich: Die Bücher „Reality-Romane“ wären, würde ich dem Ort gerne einen kleinen Besuch abstatten und mich in Ruhe dort umsehen, die netten Bewohner kennenlernen und mich an den herrlichen Gärten erfreuen. Auch dem Meer würde ich Zeit schenken, um seine Kraft, seinen Zauber zu begreifen.

„Besondere Musik wird nur aus Stille geboren. Sie kann nur aus den Tiefen in dir aufsteigen. Das braucht Zeit. Und du musst die Töne zulassen. Sie müssen dir willkommen sein, sonst kannst du sie nicht hören.“

Das Meer, das manchmal mystisch-magisch anmutet. Diese Szenen im Roman waren mir die wertvollsten. Wenn man begreift, dass man nicht nur im Hier und Jetzt lebt, sondern seine Wurzeln in der Vergangenheit hat und die Erinnerungen und das Wissen um die alten Vorfahren manchmal wahre Mutmacher und Kraftspender sein können, ist das eine sehr schöne Erkenntnis.

Der Roman besticht durch seinen flüssigen Stil und die warmherzige Atmosphäre. Aber auch die vielen kleinen Cliffhanger, die immer wieder eingebaut sind, lassen „Der Horizont in deinen Augen“ zu einem wahren Pageturner werden. Zudem werden an einigen Stellen Rezepte für im Roman erwähnte Speisen zwischen die Kapitel geschoben, was mir den lebendigen Eindruck noch unterstrich und Lust macht, sich dem Buch auch mit den anderen Sinnen zu nähern.

„Die Musik ist die Strömung der Seele, und sie trägt uns und hält uns zusammen ebenso wie die Strömung des Meeres.“

Der Roman ist passagenweise sehr romantisch, aber er driftet nie ins Kitschige ab – da hat die Autorin ein gutes Händchen bewiesen. Ebenso bei der Einflechtung der magischen und mystischen Elemente. Sie sind ganz fein und sehr passend in die liebevolle Geschichte eingewoben und verleihen dem Buch ein weiteres „gewisses Etwas“. Wohlfühlgänsehautschauer sind garantiert.

Diesen Abschlussband kann man so wie die beiden Vorgänger-Romane auch eigenständig lesen. Jedoch möchte ich darauf hinweisen, dass die aus diesen vorherigen Teilen stammenden Charaktere nur relativ kurz eingeführt werden. Das führt anfangs eventuell zu leichten Irritationen, aber im Verlauf der Geschichte erschließen sich dann die Zusammenhänge immer mehr, sodass dieser kleine Kritikpunkt kein Grund ist, dieses Buch als Quereinsteiger nicht zu lesen.

„Der Horizont in deinen Augen“ ist ein großartiger und überzeugender Abschluss der Naurulokki-Trilogie!

Inhalt
Drei Frauen auf der Suche nach ihrer Vergangenheit

In Ahrenshoop an der Ostsee kreuzen sich die Wege ihres Schicksals

Dritter Band der großen Ostsee-Trilogie

Berlin, 1989: Die junge Architektin Ylvi lernt in der Mauerfallnacht den Gärtner Theo kennen. Eine Begegnung, die ihr Leben auf den Kopf stellt, denn sie ist verheiratet – und jetzt ist sie schwanger. Als ihre Mutter, die auf Teneriffa lebt, stirbt, findet sie in deren Hinterlassenschaft einen Brief ihres Vaters. Er ist eine Beichte und eine Bitte. Ylvi reist nach Ahrenshoop an der Ostsee, um endlich zu erfahren, wer sie wirklich ist…

Die Romane der Berliner Autorin Patricia Koelle sind Wellness pur – wie ein wunderbarer Tag am Strand, ein erfrischendes Bad im Meer oder ein entspannender Spaziergang in den Dünen.

»Der Horizont in deinen Augen« ist der dritte Teil der Ostseetrilogie der Autorin. Der Roman schließt die Handlung von »Das Meer in deinem Namen« und »Das Licht in deiner Stimme« ab. Alle drei Bücher können jedoch auch einzeln gelesen werden.

Autorin
Patricia Koelle ist eine Berliner Autorin mit Leidenschaft fürs Meer – und fürs Schreiben, in dem sie ihr immerwährendes Staunen über das Leben, die Menschen und unseren sagenhaften, unwahrscheinlichen Planeten zum Ausdruck bringt.
Quelle: Fischer Verlage

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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