*+* Lilja Sigurðardóttir: „Das Netz“ *+*

Wer ist die attraktive Frau, die regelmäßig den Zoll am Flughafen von Reykjavík passiert? Je aufmerksamer der Zollbeamte Bragi sie beobachtet, desto sicherer ist er sich: Diese Frau hat etwas zu verbergen.

Die junge Mutter Sonja hat bei einer schmutzigen Scheidung das Sorgerecht für ihren Sohn verloren. Sie setzt alles daran, ihn zurückzubekommen, kann sich aber nicht mal einen Anwalt leisten. Verzweifelt lässt sie sich darauf ein, Kokain nach Island zu schmuggeln. Nur ein paarmal, sagt sie sich.
Agla, einst eine hochrangige Bankerin, hat ganz andere Probleme: Sie muss sich nach dem isländischen Finanzcrash unbequeme Fragen zu ihrer Rolle in einigen dubiosen Deals gefallen lassen. Kein Grund, nervös zu werden – denkt sie.
Als sich Bragis, Sonjas und Aglas Wege kreuzen, entspinnt sich ein komplexes Netz der Kriminalität. Und bei jedem Versuch, sich daraus zu befreien, verstricken sie sich nur noch tiefer …“

So lautet die Inhaltsangabe des Verlags, wodurch dieser Krimi perfekt in mein Lese-Beuteschema zu passen schien – was er letztendlich aber so gar nicht tat. Denn „Das Netz“ habe ich als lediglich mäßig spannenden Roman empfunden, der nicht Fisch, nicht Fleisch ist. Die Autorin vermengt Elemente aus Schicksals-, Kriminal- und Erotikroman zu einer Geschichte, die eher an der Oberfläche bleibt und schnell vorhersehbar wird. Auch die vermeintlich überraschenden Elemente sind leicht zu erahnen, sodass die anfangs ohnehin nicht allzu große Spannung leider permanent abnimmt.

Auch mit ihren Figuren konnte die Autorin nicht wirklich bei mir punkten. Einzig Bragi, der empathische Zollbeamte, und Scheidungskind Tomás konnten meine Sympathien gewinnen. Die beiden weiblichen Hauptfiguren waren mir furchtbar unsympathisch. Sonja schon allein dadurch, wie sie ihren Sohn in seine aktuelle Lage gebracht hat, aber auch, wie sie sich in einigen Situationen verhält. Agla, ewig zaudernd- und das nicht nur weil sie aus aktuellem Anlass mit dem Rücken zur Wand steht – und ebenfalls ohne jeglichen Charme, fand ich noch abschreckender.

Für einen Krimi war mir der Anteil persönlicher Befindlichkeiten viel zu groß. So wurde der Fokus von der ohnehin geringen Spannung noch mehr weggelenkt. Schade, dass in der Inhaltsangabe die heftige Liebesbeziehung, oder sollte ich sie besser als heiße Affäre bezeichnen? – nicht erwähnt wird. Dann hätte ich vermutlich gar nicht erst zu diesem Roman gegriffen, denn die Kombination „Spannung und Liebe“ mag ich so gar nicht in Krimis und Thrillern. Wer da nicht so pingelig ist wie ich und gerne tief in die Privatsphäre und persönlichen Befindlichkeiten der Figuren eintaucht, könnte jedoch mit diesem Kriminalroman goldrichtig liegen.

Das Ende ist wie abgeschnitten, viele Fragen bleiben offen, aber da „Das Netz“ der Auftakt eines Mehrteilers ist, werden sie sicher im Lauf der nächsten Bände aufgeklärt.

Autorin
Lilja Sigurðardóttir wurde 1972 in der isländischen Kleinstadt Akranes geboren und wuchs in Mexiko, Spanien und Island auf. Bereits mehrfach ausgezeichnet für ihre Theaterstücke, wurde sie mit ihrer Reykjavík-Trilogie auch einem internationalen Publikum bekannt. Der erste Band der Reihe, ›Das Netz‹, erschien im Frühjahr 2020 bei DuMont. Eine Verfilmung ist in Planung.
Quelle: Dumont Buchverlage

 

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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