*+* Sebastian Fitzek: „PLAYLIST“ *+*

PLAYLISTEin bisschen Bedenken hatte ich schon, dieses Buch zu lesen, denn ich kenne weder den „Augenjäger“, noch den „Augensammler“, deren Fortführung dieser Psychothriller ist. Aber lediglich der Anfang des Buches las sich dadurch etwas wirr, weil ich die beiden Hauptprotagonisten noch nicht kannte. Durch zahlreiche, gut platzierte Hinweise und kleine Rückblicke auf deren frühere Fälle schwand meine Wissenslücke jedoch zunehmend, sodass ich schließlich ganz im Bilde war und den Geschehnissen auch ohne vorherige Lektüre der Augenbücher folgen konnte.

Wer die Bücher von Sebastian Fitzek mag, schätzt vermutlich – so wie ich – die Erschaffung einer außergewöhnlichen, unglaublichen, abgefahrenen, sehr konstruierten, aber definitiv in sich schlüssigen Erzählblase, die über der Realität schwebt. Diesem Stil ist er auch dieses Mal treu geblieben und ich war mal wieder begeistert darüber, wie kreativ er die Handlung vorantreibt, welche Figurenkonstellationen letztendlich dahinter stecken und vor allem, wie er den Stand der Ermittlungen an den Dreh- und Angelpunkt des Thrillers, der Playlist, koppelt. Das I-Tüpfelchen bildet wie so oft das Einflechten ganz realer Tabuthemen wie beispielsweise der häuslichen Gewalt, aber auch Einblicke in die Psyche mancher Menschen.

Als Alina und Zorbach Zugriff auf die aktuelle Playlist von Felines MP3-Player bekommen, schwant ihnen Böses, denn diese besteht plötzlich aus ganz anderen Liedern als denen, die das entführte Mädchen üblicherweise gespeichert hat. Die Beiden vermuten, dass dies kein Zufall ist und hoffen, dass Feline ihnen über diese Änderung Hinweise über ihren Verbleib geben möchte. Natürlich stehen einem beim Lesen die Haare zu Berge, wenn die blinde Alina und dermkurz vor der Haft stehende Zorbach ihre Gedankenspielchen immer wilder und ausufernder vorantreiben und dabei auch noch erfolgreich sind – aber das ist halt „Fitzek World“, da darf das für mich nicht nur so sein, ich glaube, ich wäre überrascht und auch ein bisschen enttäuscht, wenn es nicht so wäre.

Sehr konstruiert ist die Handlung natürlich auch durch die Verknüpfung mit der erwähnten Playlist, aber diese Idee fand ich genial. Natürlich braucht es Lieder, deren Text zum Geschehen passen, aber da es sie in dieser Form nicht gab, mussten sie eigens für dieses Buch erschaffen werden. Klar, man kann dann erfundene Künstler dazuschreiben und alles im Bereich der Theorie belassen, aber ist es nicht grandios, dass echte Künstler und Bands die Songs auch tatsächlich in die Musikwelt entlassen haben? So kann man sie beim Lesen, die Atmosphäre steigernd, hören, auch geben sie Events rund um das Buch einen passenden musikalischen Rahmen! Das ist nebenbei eine tolle Kooperation der Kunstwelten Literatur und Musik.

Unter´m Strich finde ich diesen Psychothriller gut gelungen mit seinen besonderen, teils skurrilen Charakteren, dem Fall an sich und seinen Irrungen und Verwirrungen, den vielen Wenden und Überraschungen, der stellenweise intensiven, bedrückenden Atmosphäre, den leider allzu realen Einschüben von und Denkanstößen zu manchen Tabuthemen, die mich emotional sehr getroffen und berührt haben.
Ein weiterer Pluspunkt ist, dass man „Playlist“ auch ohne jegliche Vorkenntnisse von Alinas und Zorbachs früheren Fällen lesen kann. → Pageturner!!

Mehr über mein liebstes Hobby gibt es auf der Facebookseite „Irve liest“ und dem Instagram-Account „irveliest“ zu erfahren. Hier zeige ich zeitnah, was ich gerade höre oder lese und geben dabei gerne einen ersten Eindruck preis. Über virtuelle Besucher und freundlichen, buchigen Austausch freue ich mich dort sehr.

Inhalt
Vor einem Monat verschwand die 15-jährige Feline Jagow spurlos auf dem Weg zur Schule. Von ihrer Mutter beauftragt, stößt Privatermittler Alexander Zorbach auf einen Musikdienst im Internet, über den Feline immer ihre Lieblingssongs hörte. Das Erstaunliche: Vor wenigen Tagen wurde die Playlist verändert. Sendet Feline mit der Auswahl der Songs einen versteckten Hinweis, wohin sie verschleppt wurde und wie sie gerettet werden kann? Fieberhaft versucht Zorbach das Rätsel der Playlist zu entschlüsseln. Ahnungslos, dass ihn die Suche nach Feline und die Lösung des Rätsels der Playlist in einen grauenhaften Albtraum stürzen wird. Ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit, bei dem die Überlebenschancen aller Beteiligten gegen Null gehen …

Autor
Sebastian Fitzek, geboren 1971, ist Deutschlands erfolgreichster Autor. Seit seinem Debüt „Die Therapie“ (2006) ist er mit allen Romanen ganz oben auf den Bestsellerlisten zu finden. Mittlerweile erscheinen seine Bücher in sechsunddreißig Ländern und sind Vorlage für internationale Kinoverfilmungen und Theateradaptionen. Als erster deutscher Autor wurde Sebastian Fitzek mit dem Europäischen Preis für Kriminalliteratur ausgezeichnet und 2018 mit der 11. Poetik-Dozentur der Universität Koblenz-Landau geehrt. Er lebt in Berlin.
Quelle: Verlagsgruppe Droemer Knaur

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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