*+* Claudia Praxmayer: „Der Geschmack des Lebens“ *+*

Der Geschmack des LebensNini lebt mit ihrer Familie in London, einem Ort, an dem das Leben zur Zeit des Romans ziemlich automatisiert und fremdgesteuert wird, und auf mich ziemlich verstörend wirkte. Eigenes Denken ist nicht erwünscht, schon gar nicht das Hinterfragen der geltenden Regeln und Normen. Apropos Normen: Auch bei der Nahrung gibt es enge Vorgaben und so ist es nicht verwunderlich, dass die Exemplare jeglicher Obst- und Gemüsesorten wie geklont wirken. Sehr schlimm ist, dass diese starre Regelwelt eigentlich überall gelten sollte.

Als es Nini wegen einer Erbschaft ins ländliche Cornwall verschlägt, erlebt sie, dass es auf dünner besiedeltem Raum weniger streng zuzugehen scheint. Sie wird jedoch zunehmend eines Besseren belehrt. Dennoch gehen die Uhren in Cornwall ein wenig anders, die Menschen sind hier noch in der Lage zusammenzuhalten, gemeinsam für ein Ziel zu kämpfen – auch wenn man dafür gelegentlich die Komfortzone verlassen und sich in Gefahr begeben muss. Naja, schwarze Schafe gibt es wie überall leider auch hier…

„Der Geschmack des Lebens“ ist ein gut gewählter Titel, denn einerseits geht es um unsere Nahrung, ohne die wir nicht lebensfähig wären. Diesbezüglich erleben wir gemeinsam mit Nini dank ihrer Umsiedelung aufs Land eine Vielfalt an Geschmack, die mich mal wieder wehmütig daran denken ließ, wie sehr unsere Auswahl in der Obst- und Gemüseabteilung in den letzten Jahrzehnten geschrumpft ist. Diese Vielfalt, die ich als Kind noch kannte, gibt es schon längst nicht mehr und wenn wir nicht aufpassen, wird es vielleicht noch ärger und die alten Sorten drohen vollends in Vergessenheit zu geraten.
Andererseits nimmt Nini auch wahr, wie verschieden das Leben an sich schmecken kann. Im engen, stark reglementierten London fühlt sie sich nicht wohl, was nicht nur an einem kürzlich erlittenen Schicksalsschlag liegt. Kein Wunder, ich hätte von dort auch sobald wie möglich Reißaus genommen! Die weite, überwiegend naturbelassene Landschaft Cornwalls, die Menschen dort, die noch des eigenen Denkens und des Kämpfens für ihre Ideale mächtig sind, erschienen auch mir – trotz des Risikos dieser Lebenseinstellung – deutlich attraktiver.

Der Future Fiction Roman hat mir eine kurzweilige und vor allem nachdenkliche Lesezeit bereitet. Die Themen, die die junge Generation weitaus mehr betrifft als jemanden wie mich aus der älteren Garde, werden in eine flotte Story verpackt, bei der jedoch einige (nicht relevante) meiner Fragen offen geblieben sind. Die Charaktere haben eine interessante Ausarbeitung, die Erbschaft um Tante Ninis Anwesen ist geheimnisvoll umgesetzt, und natürlich darf die Liebe in einem Jugendroman nicht fehlen – dieser Punkt ist sehr angenehm eingeflochten, nicht zu aufdringlich, eher sympathisch, und auf jeden Fall dem Thema des Buchs zuträglich.

Leute, habt ihr euch schon mal Gedanken darüber gemacht, was ihr esst, wieso unser Obst und Gemüse manchmal so aussieht, als wäre es maschinell hergestellt, und wie umweltverträglich das alles ist? Selbst Bioware ist eine halbe Mogelpackung, wenn es um die halbe Welt geflogen werden muss. Natürlich werden wir das System nicht ändern können, aber es schadet nie, sein Bewusstsein zu schärfen und reflektierter zu handeln und zu wählen, auch und vor allem beim Essen. Denn letztlich ist der Mensch bekanntermaßen das, was er isst.

Mehr über mein liebstes Hobby gibt es auf der Facebookseite „Irve liest“ und dem Instagram-Account „irveliest“ zu erfahren. Hier zeige ich zeitnah, was ich gerade höre oder lese und geben dabei gerne einen ersten Eindruck preis. Über virtuelle Besucher und freundlichen, buchigen Austausch freue ich mich dort sehr.

Inhalt
Als die 18-jährige Nini das Haus ihrer Patentante in Cornwall erbt, schwankt sie zwischen Abenteuerlust und der Frage: Was soll eine Londonerin denn in einem Cottage auf dem Land? Aber genau dort muss sie einziehen, will sie ihr Erbe antreten. Doch eine Ahnung davon, was wirklich hinter dieser Bedingung ihrer Tante steckt, bekommt Nini, als sie im Garten des entlegenen Häuschens illegale Obst- und Gemüsesorten findet. Deren Anbau ist aber seit Jahrzehnten unter Strafe verboten, denn sie sind eine Gefahr für die Gesundheit und die Ernährungssicherheit. Obwohl Arthur, der charmante junge Gärtner ihrer Tante, Nini vom Gegenteil zu überzeugen versucht, erkennt diese bald, dass der geheime Garten nur ein Teil von etwas Größerem und weit Gefährlicherem ist. Und dem muss sie dringend auf die Spur kommen, will sie ihre Zukunft nicht gefährden …
Ein packender Future-Fiction-Roman über eines der spannendsten Themen unserer Zeit

Autorin
Claudia Praxmayer ist gebürtige Salzburgerin und hat Biologie studiert. Sie arbeitet in München als selbstständige PR-Beraterin und Autorin. Sie hat bereits Ratgeber, Sachbücher und mittlerweile vier Romane veröffentlicht. Als aktives Mitglied des NABU Deutschland engagiert sie sich seit vielen Jahren ehrenamtlich im Bereich Artenschutz und setzt sich für bedrohte Tierarten ein.
Quelle: cbj Verlag

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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