*+* Anne Mette Hancock: „Narbenherz“ *+*

NarbenherzHeloise steckt in der Bredouille, ein Besuch beim Arzt soll für Hilfe sorgen – und bildet den Startschuss für Ermittlungen in einem ganz besonderen Fall. Denn Lukas, der Sohn des Arztes, verschwindet. Der Vater hat sich morgens noch aufgemacht, den Jungen zur Schule zu bringen, und dort verliert sich gegen Mittag seine Spur.

Eigentlich ist die Journalistin mit einem ganz anderen Fall betraut, aber als sie den befreundeten Kommissar Erik Schäfer vor Ort antrifft, ist ihr Interesse geweckt und sie leckt Blut. Denn sie spüren, dass hinter Lukas´ Verschwinden mehr steckt. Und richtig: Während der Ermittlungen werfen sich immer mehr Fragen auf. Anstatt Ordnung in den Fall zu bekommen, wird er immer verworrener und die gewonnenen Erkenntnisse erscheinen zunehmend unlogisch. Schließlich findet sich aber alles schlüssig zusammen und je mehr sich Heloise und Erik von verschiedenen Richtungen der Aufklärung näherten, umso unbehaglicher wurde mir zumute.

Sehr gut gefallen hat mir der Aufbau des Thrillers. Der Fall erscheint zunächst undurchsichtig und unlogisch, dank der intensiven Bemühungen von Heloise und Erik an verschiedenen Fronten wird er jedoch von immer mehr Licht der Erkenntnis durchströmt. Auch die Charaktere sind gut gelungen. Das ungleiche Ermittler-Team kenne ich bereits aus dem ersten Teil der Trilogie „Leichenblume“ und es hat mir jetzt ebenso gut gefallen – im privaten wie im dienstlichen Bereich.
Anfangs habe ich mich gewundert, wieso vor allem Heloises Privatsphäre und ihr Dunstkreis relativ viel Aufmerksamkeit bekommen. Später hat sich dies aufgeklärt, denn das persönliche Konstrukt, das die Journalistin umgibt, hängt zumindest indirekt mit dem Fall und seiner Auflösung zusammen. So habe ich schließlich diese Komposition als äußerst raffiniert empfunden, denn der private Anteil stört nicht, sondern bringt zusätzliche Erkenntnisse und Spannung mit sich.

„Narbenherz“ weist durch diverse Einblicke in mir bisher teils unbekannte Facetten der Psychologie eine besondere Würze auf, die mich ein ums andere Mal fasziniert zurückließen. Aber diese Faszination war nicht ausschließlich positiv, an manchen Stellen bedrückten mich die tiefen Einblicke, beispielsweise im Bereich der traumatisierten Soldaten, wozu Heloise offiziell für ihren Brotjob recherchiert. Der Thriller ist nichts für schwache Nerven, denn eiskalt legt die Autorin den Finger in einige schwärende Wunden und zeigt dabei gravierende Mängel im System auf. Bei den schon erwähnten Traumata und ihren Folgen, aber auch bei dem anderen grausamen Thema des Buches – das die Grundlage für den Fall des verschwundenen Lukas bildet.

Gute Unterhaltung mit ordentlich viel Spannung, gelungenen Charakteren und viel Gänsehaut sowie interessanten Einblicken in die Psychologie bietet „Narbenherz“. Der Thriller ist in sich abgeschlossen, dennoch fühlt es sich irgendwie nach „offenem Ende“ an. Vielleicht werden sich alle als lose empfundenen Fäden im großen Finale einfügen….ich bin sehr gespannt! Auch darauf, womit Heloise und Erik es im letzten Teil der Trilogie „Grabestern“ zu tun bekommen werden.

Inhalt
Kopenhagen: Investigativ-Journalistin Heloise Kaldan hat gerade eine Recherche zu traumatisierten Soldaten begonnen, als sie eine persönliche Entscheidung treffen muss über Leben und Zukunft. Noch bevor sie irgendetwas tun kann, erfährt sie vom Verschwinden eines zehnjährigen Jungen. Vor Ort trifft Heloise ihren guten Freund Kommissar Erik Schäfer, der in dem Fall ermittelt. Die Spuren zu dem Jungen sind verwirrend, nichts passt zusammen. Heloise versucht, Erik Schäfer zu helfen, das entscheidende Muster zu erkennen. Und begegnet ihren innersten Dämonen.
Übersetzt von Friederike Buchinger

Autorin
Anne Mette Hancock ist ein Star der skandinavischen Krimi-Szene: Ihre Thriller um die Investigativ-Journalistin Heloise Kaldan und den Kommissar Erik Schäfer sind Platz-1-Bestseller in ihrer Heimat Dänemark und werden in viele europäische Sprachen übersetzt. Für die Romane wurde die Autorin mehrfach ausgezeichnet. Anne Mette Hancock studierte Geschichte und Journalismus in Roskilde und arbeitete als freie Journalistin für Tageszeitungen und Magazine. Sie stammt aus Gråsten an der dänischen Ostseeküste, lebte in Frankreich und den USA und wohnt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Kopenhagen.
Quelle: Fischer Verlage 

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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