*+* Melisa Schwermer: „So düster die Rache“ *+*

So düster die RacheLuh versteht die Welt nicht mehr. Warum wird sie entführt und in ein dunkles Kellerloch gesperrt? Als sie erfährt, dass sie dieses Schicksal erleiden muss, weil ihr Peiniger an ihrem Vater Rache üben will, ist sie ganz und gar am Ende. Was nur hat ihr Vater getan, nein: Was hat er verbrochen? Denn es muss schon etwas ganz Furchtbares gewesen sein, wenn es Luhs brenzlige Lage rechtfertigen soll. Darauf, dass die Ursprünge für die Entführung der Jugendlichen in der Vergangenheit liegen, deutet schon der Titel hin, denn Rache ist oft etwas, das über lange Zeit wächst, bis sich schließlich eine passende Gelegenheit ergibt, Vergeltung zu üben.

Aber was ist mit dem Giftmord, der Fabian Prior und sein Team auf Trab hält, und was hat es mit dem grausamen Mord an einem Obdachlosen auf sich, der kurz darauf geschieht? Sind es alles Einzelfälle, oder hängen sie miteinander zusammen? Ganz ehrlich, das fand ich ob der großen Unterschiede der Verbrechen ziemlich abwegig. Allerdings ist es unerheblich, was ich denke, die Wahrheit zählt, und der sind Prior und sein großartiges Team penetrant auf der Spur. Ich mag die Ermittler allesamt, egal ob Fabian oder seine Kollegen Thomas und Helga. Dieses Mal spielt das Private bei allen eine eher untergeordnete Rolle, und daran hat die Autorin gut getan. Denn so wie der Thriller aufgebaut ist, hätten größere persönliche Einschübe etwas fehl am Platz gewirkt. Durch die drei Fronten, an denen ermittelt wird – unglücklicherweise ist der Polizeichef etwas befangen, was einen der Fälle betrifft und setzt das Team dadurch zusätzlich unter Druck -, ist ohnehin schon genug los, sowohl für die Polizisten als auch für die Leser!

Gespannt und gebannt verfolgte ich die Arbeit des Trios, die inhaltlich den Bereich der Obdachlosigkeit streift, aber vor allem das Thema der Kinderpornografie behandelt – inklusive der moralischen Aspekte Schuld, deren Folgen und dem Umgang damit. Ganz subtil und beklemmend macht sich auch das Thema des Gewissens breit – gepaart mit dem Lügenkonstrukt, das sich für so manchen durch seinen persönlichen Umgang mit der eigenen Wahrheit ergibt und mit dem es sich bedauerlicherweise scheinbar erschreckend gut leben lässt. Aber ein Kartenhaus ist oft nicht allzu stabil gebaut und so brechen zum Glück auch hier einige Lügengerüste grandios zusammen – mit Folgen!

Ich war einmal mehr begeistert von der Verknüpfung des packenden Kriminalfalls mit der gesellschaftlichen Kritik – Melisa Schwermer teilt wie schon in ihren früheren Thrillern kleinere aber auch größere Hiebe in mehrerlei Richtung aus –, ebenso gut hat sie wieder ihre sympathischen, menschlichen Charaktere in die Geschichte eingepasst.
Nach dem Lesen bleibt bei mir Bestürzung darüber, wie man in diesem Land an höheren Stellen mit einigen brisanten Themen umgeht – und den Menschen, die es betrifft.

Inhalt
Die siebzehnjährige Luh wird entführt und von ihrem Peiniger in einem dunklen Loch gefangen gehalten. Sie ahnt nicht, dass ihr Vater ein schreckliches Geheimnis hütet, für das sie nun büßen muss. Zur gleichen Zeit ermittelt die Kripo Frankfurt in zwei Mordfällen. Ein Anwalt wurde vergiftet und nur wenige Tage später stirbt ein Obdachloser, der vor seinem Tod gefoltert bis zur Unkenntlichkeit entstellt wurde. Je mehr Einblick sie in das Leben der Opfer bekommen, desto tiefer erscheinen die Abgründe vor ihnen. Als die Ermittler die Verbindung zu dem Fall des entführten Mädchens erkennen, wächst der Druck auf Hauptkommissar Fabian Prior und sein Team. Die fieberhafte Suche nach dem Mörder bringt sie an ihre Grenzen, denn sie wissen: Um Luhs Leben zu retten, müssen sie den Täter so schnell wie möglich finden.

Autorin
Melisa Schwermer, geb. 1983 in Offenbach, hat Germanistik und Philosophie in Darmstadt studiert und sich nach ihrem Abschluss als Thrillerautorin einen Namen in der Buchbranche gemacht.
Quelle: Amazon

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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