*+* Schorlau/ Caiolo: „Der freie Hund“ *+*

Commissario Antonio Morello ist einfach klasse, er denkt und handelt, wie er es für richtig hält – Scheiß auf Konventionen, Vorgaben oder die eigene Sicherheit! Und er spricht, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, was mich so manches Mal schmunzeln ließ. In seinen Eigenschaften bleibt der Commissario aber immer „vertretbar“, glaubwürdig und liebenswert, denn er beweist konsequent Rückgrat. Vor allem, was den Kampf gegen das Verbrechen betrifft.

Tja, und nun sitzt er in Venedig, die Stadt, die er als überzeugter Sizilianer gar nicht mag, anfangs fast schon verachtet. Warum das so ist? Morello hat sich die Bekämpfung der Mafia auf die Fahnen geschrieben und dabei einen großen Erfolg gelandet. Zu dumm nur, dass er nun auf der Todesliste der Mafia steht. Also hat der Chef ihn zu seiner eigenen Sicherheit in den Norden versetzt, was für den Commissario einem Kulturschock gleichkommt. Denn Venedig ist nicht nur einzigartig und einmalig schön, es hat auch einmalig dreckige Ecken – in jeder Hinsicht. Sehen begeisterte Touristen die Stadt durch die rosarote Brille, blickt Morello eher durch die schwarz-graue. Er tat mir fast schon leid, wie er einem Fisch auf dem Trockenen gleich sich dort akklimatisieren muss. Und als ob das nicht schlimm genug wäre, begrüßt ihn diese unleidliche Stadt sogleich mit einem üblen Mord.

Mir hat dieser Auftakt der venezianischen Krimireihe um Antonio Morello supergut gefallen. Denn neben einem spannenden Fall, bei dem ich liebend gerne als Miss Marple undercover die Ermittlungen begleitete, haben mir die Charaktere – allen voran der mit reichlich Ecken und Kanten gesegnete und dennoch sympathische Commissario – und die Atmosphäre der Wasserstadt sehr gut gefallen. Wunderbar, dass sie nicht nur verklärt dargestellt wird, sondern man sehr realistisch mit den schönen Seiten, aber auch denen, die man nicht so gerne zeigt – der Raubbau an Natur und Umwelt inklusive – beide Seiten der Medaille präsentiert bekommt.

„Der freie Hund“ ist ein sehr gelungener, atmosphärischer Auftakt einer hoffentlich weiterhin sich von der breiten Masse abhebenden Krimireihe. Mit „Der Tintenfischer“ (Inhaltsangabe des Verlags) ist bereits der zweite Fall erschienen und ich freue mich schon darauf, Morello wieder einen Lesebesuch abzustatten.

Mehr über mein liebstes Hobby gibt es auf der Facebookseite Irve liest und dem Instagram-Account irveliest zu erfahren. Hier zeige ich zeitnah, was ich gerade höre oder lese und geben dabei gerne einen ersten Eindruck preis. Über virtuelle Besucher und freundlichen, buchigen Austausch freue ich mich dort sehr.

Inhalt
Commissario Antonio Morello, genannt »Der freie Hund«, hat in Sizilien korrupte Politiker verhaftet und steht nun auf der Todesliste der Mafia. Um ihn zu schützen, wird er nach Venedig versetzt. Er hasst die Stadt vom ersten Augenblick an. Zu viele Menschen, trübes Wasser, Kreuzfahrtschiffe, die die Luft verpesten und die Stadt gefährden – selbst der Espresso doppio, ohne den er nicht leben kann, schmeckt ihm in Sizilien besser. Doch Venedig ist eine große Verführerin. Als Silvia, die schöne Nachbarin, ihm ihr persönliches, verborgenes Venedig zeigt, werden Morellos Widerstandskräfte auf eine harte Probe gestellt. Da wird der junge Anführer einer Bürgerinitiative gegen die Kreuzfahrtschiffe ermordet, und der freie Hund hat seinen ersten Fall, der ihn tief in die Verstrickungen von italienischer Politik und Verbrechen führt. Wolfgang Schorlau, Erfinder des Privatermittlers Georg Dengler, und Claudio Caiolo, in Sizilien geboren und in Venedig zum Schauspieler ausgebildet, werfen einen neuen Blick auf ein altes italienisches Desaster.

Autoren
Wolfgang Schorlau lebt und arbeitet als freier Autor in Stuttgart. Neben den zehn Dengler-Krimis »Die blaue Liste«, »Das dunkle Schweigen«, »Fremde Wasser«, »Brennende Kälte«, »Das München-Komplott«, »Die letzte Flucht«, »Am zwölften Tag«, »Die schützende Hand«, »Der große Plan« und »Kreuzberg Blues« hat er die Romane »Sommer am Bosporus« und »Rebellen« veröffentlicht. 2006 wurde er mit dem Deutschen Krimipreis, 2012 und 2014 mit dem Stuttgarter Krimipreis sowie 2019 mit dem Stuttgarter Ebner Stolz Wirtschaftskrimipreis ausgezeichnet.
Claudio Caiolo wurde in Sizilien geboren und besuchte 1988 bis 1993 die Theaterschule Avogaria in Venedig. 1996 zog er nach Stuttgart und gründete mit Holger Krabel die Theatergruppe LaoTick, zudem schrieb, inszenierte und spielte er viele Theaterstücke für Kinder und Erwachsene. Zusammen mit Stefan Jäger schrieb er mehrere Drehbücher für Filmproduktionen und wirkte in vielen Fernseh-filmen als Schauspieler mit.
Quelle: Verlag Kiepenheuer & Witsch 

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
Dieser Beitrag wurde unter Krimis abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.