*+* Sam Kean: „Treffen sich zwei Elemente“ *+*

Vor ewigen Zeiten habe ich mal den Beruf des Chemielaboranten gelernt, musste aber leider wegen einer alsbald entwickelten Unverträglichkeit gegen diverse Lösemittel eine Umschulung machen. Das Interesse an der Chemie und den Naturwissenschaften überhaupt habe ich dennoch nicht verloren. Aber wenn man Erlerntes lange nicht benötigt oder abruft, verkümmert dieses Wissen und verkrümelt sich in die hinterste Ecke des Gehirns. Eine Auffrischung ist also immer höchstwillkommen, allerdings sprechen mich viele Bücher nicht überzeugend an – und dann stolperte ich eher zufällig über dieses höchst unterhaltsame Sachbuch von Sam Kean.

Amüsant und mit Sogwirkung erzählt er auf chemischer Ebene über Gott und die Welt, wobei er sich zunächst dem Aufbau des Periodensystems widmet, logisch und schlüssig erklärt, warum dieser genauso und nicht anders sein muss. Dabei taucht er stellenweise tief in die historische Chemie, denn so „fix und fertig“, wie das „Periodensysteme der Elemente“ uns aus jedem Chemiebuch entgegen lacht, war es natürlich nicht immer. Anfangs waren nur wenige Elemente bekannt, zwischen ihnen gab es größere und kleinere Lücken, und wie die gefüllt wurden, schildert Sam Kean kurzweilig, vor allem leicht verständlich und gut nachvollziehbar. Selbst mein Sohn, der in der achten Klasse noch nicht viele Hintergrundkenntnisse hat, kam gut mit und war oft positiv überrascht, „wie spannend doch Chemie sein kann!“ Er hatte mir das Buch während der langweiligen Coronazeit Stück für Stück vorgelesen und wir hatten beide unseren Spaß und staunten gemeinsam.

Dieser ansprechende Stil zieht sich durch das ganze Buch und auch ich war überrascht, wie gut es dem Autor gelingt, teils wirklich komplizierte Sachverhalte zu erklären. Zum Schluss hin haben wir mal ein Unterthema nicht ganz so gut verstanden, aber ansonsten gibt es von uns beiden ein dickes Lob für die Umsetzung des vermeintlich drögen Themas Chemie.

Meine Faszination gebührte dem metallischen Wasserstoff – logisch, er steht ganz oben in der Gruppe der Alkalimetalle, aber weil es ein Gas ist, hatte ich bis dato nie auf dem Schirm, dass es gar nicht so abwegig ist, dass er unter bestimmten Bedingungen metallisch ist. Mein Sohn war ganz von den Socken, dass es einen absoluten Nullpunkt gibt, bei dem jegliche Bewegung zum Stillstand kommt, aber bestimmte Stoffe zu Supraleitern werden, sofern sie nur milliardstel Grad wärmer sind. Auch der Bereich der Radioaktivität konnte bei uns beiden punkten – deren Entdeckung – Marie Curie lässt grüßen -, die Reaktionsketten beim Zerfall und das entsprechende Energiethema, das mit dem Zerfall verknüpft ist. Auch sonst gibt es in diesem Buch genug zum Staunen, Lernen und Begreifen – nicht zuletzt die Gewissheit, dass das „Periodensystem der Elemente“ noch lange nicht vollständig ist!

„Treffen sich zwei Elemente“ trägt seinen Untertitel „Verblüffende Geschichten aus der Welt der Chemie“ zurecht. Denn wie der Autor sein Wissen verknüpft, Grundlagen, die Forschung damals und heute mit vielen historischen sachbezogenen Ausflügen unterhaltsam und spannend verwebt, war für uns ein Highlight! Zwar weicht er manchmal vom ursprünglichen Thema ab, was uns aber nicht weiter störte, da er dabei konstant auf der chemischen respektive naturwissenschaftlichen Ebene bleibt.

Schade, dass das Cover so unspektakulär ist, das Buch hätte viel mehr Aufmerksamkeit verdient!

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Inhalt
Wer hätte gedacht, dass Chemie so lebendig und spannend sein kann?!
Wo wohnen eigentlich die Elemente? Wieso haben sie Nummern? Und was passiert, wenn sie miteinander reagieren?
Sam Kean zeigt uns das und noch viel mehr: Er bringt uns das erstaunliche Ordnungssystem der Elemente so nah, wie es kein Chemielehrer je konnte: Ganz ohne Formeln und mit unglaublichem Erzähltalent.
»Wenn Sie im Chemieunterricht geschlafen haben – hier ist Ihre Chance, das Periodensystem der Elemente kennenzulernen: garantiert schmerzfrei und hochgradig unterhaltsam.« New York Journal of Books

Autor
Sam Kean lebt als Journalist und Autor in Washington, D.C. Seine Artikel und Reportagen erscheinen vor allem im »New York Times Magazine« sowie in den Zeitschriften »Mental Floss«, »The New Scientist« und im »Science Magazine«, bei dem er zurzeit als Reporter arbeitet. 2009 wurde er von der amerikanischen National Association of Science Writers als bester unter dreißig Jahre alter Wissenschaftsautor ausgezeichnet.
Quelle: S. Fischer Verlage

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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Eine Antwort zu *+* Sam Kean: „Treffen sich zwei Elemente“ *+*

  1. Petra Wiemann schreibt:

    Das würde ich auch gern lesen! Klingt wirklich gut! Wenn du mal wieder etwas Unterhaltsames über Chemie suchst, empfehle ich dir „Das wilde Leben der Elemente“ von Hugh Aldersey-Williams. Das fand ich klasse!

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