*+* Sofía Segovia: „Das Flüstern der Bienen“ (Hörbuch) *+*

Das Flüstern der Bienen HörbuchDie Buchbeschreibung hat sofort mein Interesse geweckt, jedoch schien mir die Geschichte eher etwas zum Hören denn zum Lesen zu sein, und diese Entscheidungwar – zumindest für mich – goldrichtig! Ich kam gut in die Erzählung hinein und war ziemlich schnell fasziniert von der alten Nana Reja, die fast schon wie ein antiquitarisches Requisit des Örtchens Linares anmutet. Das nicht nur, weil sie vor vielen Jahren den entstellten Simonopio inmitten unzähliger Bienen unter einer Brücke gefunden hat. Auch sonst zog mich das, was man sich über sich erzählt, schnell in seinen Bann. Ebenso der Junge, denn er strahlt eine seltsame Aura aus – geheimnisvoll, aber nicht bedrohlich. Jedoch sorgt sein Äußeres dafür, dass er eher verstoßen als angenommen wird. Die Gutsbesitzer Morales bilden eine Ausnahme und nehmen Simonopio wie ein eigenes Kind auf, sie stören sich nicht an seiner Andersartigkeit. Ganz im Gegenteil, diese kommt ihnen im Verlauf der Erzählung zugute.

Die Autorin vermischt geschickt Fakten und Fiktion, indem sie den Jungen und seine mysteriösen Bienen, deren Flüstern er ebenso zu deuten vermag, wie er Gefahren erspürt, als magisches, mystisches Gegengewicht zur Spanischen Grippe, der mexikanischen Revolution und nicht zuletzt einer Landreform wie ein faszinierendes, schicksalshaftes Band durch die tragische Geschichte fädelt.

Sofía Segovia erzählt intensiv, leidenschaftlich und ausschmückend in jeder Hinsicht. Die Schilderungen der Familie Morales sind so lebendig, dass ich immer wieder versucht war, die gesamte Geschichte für bare Münze zu nehmen – wäre da nicht der Zauber, der vom fiktiven  Bienenflüsterer ausgeht, gewesen. Ebenso greifbar sind aber auch die anderen Figuren wie die anfangs erwähnte Nana Reja, die Gutsarbeiter und wer auch immer in die Geschehnisse verwoben ist. Zudem sind die Schilderungen der historischen Hintergründe durch ihre Darstellung gut umgesetzt worden und helfen ebenfalls dabei, dem Buch Leben einzuhauchen und facettenreiche, emotionale Bilder im Kopfkino zu produzieren.

Trotz einiger Längen hat mir die Geschichte gut gefallen, ihr intensiver Stil, die leisen Töne, die Sorgsamkeit, mit der die Autorin erzählt – und nicht zuletzt die Botschaft, dringend mehr auf die Natur zu hören. Ich bin froh, die Hörbuch-Variante gewählt zu haben, denn beim Selbstlesen wäre mir das Buch vermutlich an einigen Stellen zu langatmig geworden. „Das Flüstern der Bienen“ wird aus zwei Perspektiven erzählt, die von zwei verschiedenen Sprechern wiedergegeben werden. Uve Teschner und Reinhard Kuhnert setzen die Stimmungen und Emotionen sehr gut um, sie hielten mich bei dadurch bei auschweifenden Passagen sicher bei der Stange. Zudem war mir durch die Doppelbesetzung immer schnell klar, in welchem Erzählstrang wir uns gerade befanden.

Mehr über mein liebstes Hobby gibt es auf der Facebookseite Irve liest und dem Instagram-Account „irveliest zu erfahren. Hier zeige ich zeitnah, was ich gerade höre oder lese und geben dabei gerne einen ersten Eindruck preis. Über virtuelle Besucher und freundlichen, buchigen Austausch freue ich mich dort sehr.

Inhalt
In der kleinen mexikanischen Stadt Linares erzählt man sich noch immer von dem Tag, an dem die alte Nana Reja ein Baby unter einer Brücke gefunden hat. Von einem Bienenschwarm umhüllt, erweckt der kleine Simonopio zunächst Misstrauen bei den abergläubischen Dorfbewohnern. Doch die Gutsbesitzer Francisco und Beatriz Morales nehmen den wilden stummen Jungen bei sich auf und lieben ihn wie ihr eigenes Kind. Während die Spanische Grippe die Region trifft, und um sie herum die mexikanische Revolution wütet, lernen sie Simonopios Gabe zu vertrauen und können die Familie so vor dem größten Unheil bewahren. Doch nicht alle Bewohner der Hacienda meinen es gut mit dem Jungen …

Sprecher
Uve Teschner, geboren 1973, studierte in Potsdam Musik mit den Schwerpunkten Gesang und Gitarre. Seit 2007 arbeitet er als freiberuflicher Sprecher und hat sich vor allem mit Lesungen von Thrillern und Krimis einen Namen gemacht. Für Hörbuch Hamburg liest er Bestsellerautoren wie Chris Carter und Jo Nesbø. Aber er fühlt sich auch in anderen Genres zu Hause und interpretiert Werke der zeitgenössischen Literatur, Fantasy oder Science Fiction.
Reinhard Kuhnert, geboren 1945 in Berlin, machte zunächst eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Danach studierte er an der Theaterhochschule und am Literaturinstitut Leipzig. Nach verschiedenen Engagements an DDR-Theatern und erfolgreicher Arbeit als freischaffender Dramatiker in Ost-Berlin siedelte er nach West-Berlin über. Neben seiner Arbeit als Dramatiker, Autor, Schauspieler und Regisseur ist Kuhnert als Synchron- und Hörbuchsprecher bekannt.
Quelle: Hörbuch Hamburg

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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