*+* Patricia Koelle: „Die Träume der Bienen“ *+*

Sila wächst in der DDR auf. Ihren Vater sieht sie nicht oft, ihre Mutter hat wenig Zeit für sie, aber Wanda ist immer für sie da. Bei ihr fühlt das Mädchen sich wohl und Wandas riesigen Garten liebt Sila ebenso sehr wie die Frau. Das Schicksal zwingt Sila und ihre Mutter in den Westen. Nun, einige Jahrzehnte später, lebt sie in Berlin, hat es eigentlich ganz gut getroffen. Sila hat eine Arbeit, die sie erfüllt und liebe Freunde bereichern ihr Leben. Und dennoch ist da ein unruhiges Gefühl in ihr, das sie nicht recht benennen kann und das sie verunsichert. Als Sila nach langer Zeit wieder ihre alte Heimat aufsucht, wirkt „Wandas Wickenhof“ heilsam auf sie und schenkt der Frau gute Gelegenheiten, um über vieles nachzudenken.

„Die Fotos vom Wickenhof trieben durch ihre Gedanken wie glänzende Seifenblasen. Seitdem sie die ersten davon gesehen hatte, hatte sie eine seltsame Sehnsucht verspürt.“

Lexi lebt in Heiligenhafen. Sie arbeitet dort als Lehrerin und verbringt so viel Zeit wie möglich in ihrem ererbten Garten auf Fehmarn. Lexi steckt so voller Neugier und Tatendrang und möchte beides sehr gerne mit ihren Schützlingen teilen. Im Inselgarten ist es zwar wunderschön, aber ihr sind dort ob der räumlichen Einschränkungen zu sehr die Hände gebunden, um ihre Ideen und Visionen vollends ausleben zu können. Auch sie sucht nach einer Lösung, all ihre Träume unter einen Hut bringen zu können.

Patricia Koelle hat mal wieder bewiesen, welch glückliches Händchen sie hat, um zauberschöne Wohlfühlromane zu schreiben. Sie beschreibt in ihrem unvergleichlichen Stil mit herrlich positiver Sichtweise so lebendig die Landschaft, dass mir beim Lesen der Duft der Bienenpflanzen in die Nase stieg und das Insektenbrummen in meine Ohren, während die unvergleichlich traumhaften Kulissen beider Gärten vor meinem inneren Auge vorbeizogen. Auch die Figuren sind so wie in bisher jedem Roman gelungen umgesetzt – weit weg von jeder Perfektion, aber dafür herzensnah, mehr als sympathisch, und ohne rosarote Brille. Auch der dritte Roman der Inselgartenreihe ist eine Mischung aus Bodenständigkeit und Verträumtheit, Realität und Verrücktheit und führt nicht nur die Charaktere, sondern vielleicht auch den einen oder anderen Leser auf verschlungenen Pfaden zu sich selbst.

Möglicherweise wird die Liebe zur Natur (neu)entdeckt, zu den kostbaren Wundern des Lebens, die so vielem innewohnen, und die gar nicht genug geschätzt, bewundert und bewahrt werden können. In „Die Träume der Bienen“ fließen immer wieder interessante kleinere und größere Ausflüge in die Insektenwelt mit in den Roman, so gibt es für die geneigten Leser vieles zu entdecken und zu staunen, möglicherweise wirkt er inspirierend, um selbst aktiv Recherche zu betreiben – Anknüpfpunkte gibt es genug. Übrigens nicht nur im Bereich der Umwelt. Denn Patricia Koelle flicht noch weitere Themen in ihre Geschichte mit ein.

„Es war ein gutes Leben und mehr als das, was ich erleben durfte, habe ich mir nie gewünscht.“

Der Roman dürfte Leser in ganz Deutschland gleichermaßen ansprechen, denn Lexi wohnt an der früher westdeutschen Ostsee, Sila hat durch ihre Kindheit einen intensiven Bezug zur damaligen DDR, zudem liegt der Wickenhof in den neuen Bundesländern – so dürfte sich jeder in irgendeiner Art und Weise mit diesem Buch identifizieren und sich in ihm wiederfinden, sei es durch die Schauplätze, die Protagonisten oder die ohnehin grenzüberschreitende Liebe zur Umwelt.

„Der Duft der Bienen“ ist weit mehr als ein gelungen umgesetzter Sachbuchroman, denn neben der wundersamen Natur und gelegentlichen geschichtlichen Einsprengseln lebt die Geschichte mit dem rechten Maß an Romantik von der Menschlichkeit, die aus jeder Seite strömt. Auch die Charaktere, die zeigen, wie leicht man freundlich, wohlgesonnen und vorurteilsfrei miteinander umgehen und leben kann, können inspirierend auf das eigenen Leben wirken und hin und wieder einen neuen Blickwinkel schenken, aus dem man alles überschauen und möglicherweise neu bewerten kann. Dann wird offenbar, wie unkompliziert und leicht Schwere manchmal sein kann.

Im Roman heißt es „Der Wickenhof war ein Hof, der den Menschen guttat.“ Ich empfehle „Die Träume der Bienen“ sehr gerne, denn es ist ein Roman, der den Menschen guttut, da bin ich mir sicher.

Mehr über mein liebstes Hobby gibt es auf der Facebookseite Irve liest und dem Instagram-Account irveliest zu erfahren. Hier zeige ich zeitnah, was ich gerade höre oder lese und geben dabei gerne einen ersten Eindruck preis. Über virtuelle Besucher und freundlichen, buchigen Austausch freue ich mich dort sehr.

Inhalt
Bienen und Menschen brauchen eigentlich nicht viel mehr als die Gewissheit, dass es immer wieder Frühling wird
Sila Beer, 44 Jahre alt, arbeitet als Tischlerin in Berlin. Als sie erfährt, dass sie im Oderbruch einen alten Hof geerbt hat, macht sie sich nicht nur auf eine Reise in ihre alte Heimat, sondern auch auf eine Reise in die Vergangenheit, in der schmerzhafte Erinnerungen wach werden, an die Kindheit in der DDR und die Flucht in den Westen. Doch auch die guten Erinnerungen kommen zurück: an die Bienen und Pflanzen, die sie als Kind begleitet haben. Aber Sila ist sich nicht sicher, ob sie im Hier und Jetzt einen Neustart wagen soll, und ob der Oderbruch für sie wirklich der richtige Ort ist, um glücklich zu werden. Als sie über einen Gartenblog die 27-jährige Lehrerin Lexi Rehling kennenlernt, die auf Fehmarn einen Garten betreut und ihren Schulkindern dort die Natur näherbringt, entsteht eine Freundschaft, die beide gleichermaßen inspiriert, zu neuen Taten und neuen Zielen …
»Wovon träumen die Bienen?
»Von Freiheit, Duft und Ruhe, von den ganz einfachen Dingen.«
Dieses Buch ist ein in sich geschlossener Roman, den man eigenständig lesen kann.

Autorin
Patricia Koelle ist eine Berliner Autorin mit Leidenschaft fürs Meer – und fürs Schreiben, in dem sie ihr immerwährendes Staunen über das Leben, die Menschen und unseren sagenhaften Planeten zum Ausdruck bringt. Bei FISCHER Taschenbuch erschienen bisher die Ostsee-Trilogie und die Nordsee-Trilogie, sowie Winter- und Weihnachtsgeschichten. ›Die Zeit der Glühwürmchen‹, ›Das Lächeln der Libellen‹ und ›Die Träume der Bienen‹ gehören zu ihrer Inselgärten-Reihe.
Quelle: Fischer Verlage

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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