*+* C.E. Bernard: „Das Lied der Nacht“ (Wayfarer 1) *+*

Was „Das Lied der Nacht“ betrifft, hatte ich das Glück, schon Monate vor der Veröffentlichung bei einer Vorablesung (zum Blogbericht) dabei sein zu können. Die Autorin las das erste Kapitel ihres Buches und meine Faszination für diese Geschichte brach sich schon mit den ersten Sätzen Bahn. Denn sie versprachen mir starke Charaktere, eine differenzierte Handlung und eine unglaublich intensive Atmosphäre. Seit diesem Tag habe ich dem Moment entgegen gefiebert, dieses Buch in den Händen halten zu dürfen, um endlich in die Welt des Wanderers einzutauchen.

„Es brauchte nicht mehr als eine kleine Melodie. Nicht mehr als einen Tropfen Tinte. Nicht mehr als eine mutige Seele.“

Dieser Wanderer, Weyd, ist einer der Hauptträger der Geschichte. Er kennt die nähere und weitere Umgebung wie kein anderer, was er nicht zuletzt seinem Mut zu verdanken hat. Wann immer möglich hat er Caer an seiner Seite – seine Gefährtin, eine Bardin, die eine Unendlichkeit an Liedgut in sich trägt. Weitere Freunde stehen den beiden jederzeit bei und unterstreichen an so vielen Stellen die Bedeutung wahrer Freundschaft, dem bedingungslosen füreinander Einstehens, egal wie hoffnungslos eine Situation auch sein mag.

Sie machen sich auf, die Bewohner des Tals zu retten, in dem sie leben – obwohl es eigentlich gar nicht wirklich ihres ist, denn die Wege dieser kleinen Gruppe an Entwurzelten hat der Zufall aus vielen Gegenden zusammengeführt, oder war es doch vielmehr das Schicksal? -, als das Grauen über ihre Welt hereinbricht. Das Grauen kommt in Form fürchterlicher Schatten, die mit ihren fahlen Schwertern nichts anderes im Sinn haben, als den Tod zu bringen.

Als sich Weyd und Caer mit ihren Weggefährten auf den Weg machen, werden sie geleitet vom Vermächtnis der letzten Überlebenden, deren Dorf die Schatten weggemetzelt haben. Sie kann noch ihre Botschaft weitergeben, bevor auch ihr Lebenslicht verlischt.

Man ahnt es schon, dieser Roman ist an vielen Stellen geschrieben mit Blut, dem Blut seiner Opfer. Es gibt viele Kämpfe, viele Gemetzel und leider noch schlimmere Verbrechen. Die Autorin hat mit ihrer Wayfarer Saga nicht nur eine Hommage an den Herrn der Ringe verfasst, sie hat zudem eine Parabel auf die heutige Zeit geschaffen, sie skizziert die geschichtliche Gegenwart sehr treffend, wobei sie sich genügend Freiraum für eigene Entwicklungen und Hoffnung lässt. Dieser Bezug zur Gegenwart wird geschickt unterstützt durch die Kombination der mittelalterlichen Kulisse und der altmodischen Erzählstimme einerseits, den zeitgenössischen Dialogen andererseits.

Überhaupt spürt man die Liebe zum Detail und für Feinheiten in jeder Zeile. Wie intensiv die Charaktere ausgearbeitet sind – gefühlt mehr als dreidimensional -, wie lebendig die Schauplätze – an so vielen Stellen projizierten sich überwältigende Bilder in meinem Kopf -, wie lebhaft die Handlung – mir hätte es gerne etwas weniger kampflastig sein können, aber dann würde die Geschichte nicht funktionieren -, wie eindringlich die Botschaft des Frieden Stiftens, wie unermüdlich die Bitte, sich nicht der Furcht zu beugen und dadurch die Saat des Hasses zu säen. Und über allem schwebt ein Hauch von überwältigender Magie!

Die schon erwähnte Erzählstimme ist nicht nur altmodisch, sie reicht zudem von einer groben Derbheit, die mich manchmal entsetzte und manchmal schmunzeln ließ, bis zu sanfter und zugleich kraftvoller Poesie, die alles ganz leicht um mich werden ließ. Dazu der grandiose Stil der Gleichzeitigkeit, denn im Roman geschehen oft zwei Sachen gleichzeitig, was mein Kopfkino verwirrte. Ich musste dann mit geteiltem Bildschirm „schauen“, um mich nicht im Geschehen zu verirren und um bloß nichts zu verpassen. „Das Lied der Nacht“ ist kein „08/15“, nichts, was man mal eben so runterliest, man sollte vielmehr durchweg aufmerksam sein. Es ist nichts, wobei man sich entspannen könnte. Ich konnte es jedenfalls nicht, zu sehr hat mich das Buch emotional gefangen.
An vielen Stellen standen mir Tränen in den Augen, meine Unterlippe war zerknetet, und ich reagierte nicht auf meine Umwelt.

Der erste Teil der Wayfarer Saga ist ein in jeder Hinsicht sehr gelungener Roman im Bereich der High-Fantasy, der eine großartige, fesselnde, intensive Geschichte mit starken, beeindruckenden Charakteren erzählt, und uns einlädt, die Lichter des Friedens anzuzünden.

Mehr über mein liebstes Hobby gibt es auf der Facebookseite Irve liest und dem Instagram-Account irveliest zu erfahren. Hier zeige ich zeitnah, was ich gerade höre oder lese und geben dabei gerne einen ersten Eindruck preis. Über virtuelle Besucher und freundlichen, buchigen Austausch freue ich mich dort sehr.

Inhalt
»Ich erzähle euch eine Geschichte. Sie beginnt in einem finsteren Tal mit hohen, schneebedeckten Bäumen. Sie beginnt mit einem einsamen Wanderer in den fahlen Stunden des Zwielichts, in der bläulich glänzenden Dämmerung. Sie beginnt mit einer Frage. Fürchtet ihr euch?«
Die deutsche Fantasy-Autorin C.E. Bernard hat ein episches, bewegendes und beeindruckendes Meisterwerk geschaffen, das High-Fantasy-Leser feiern werden. »Das Lied der Nacht« ist die Geschichte des in sich gekehrten Wanderers Weyd und der mutigen Bardin Caer, die gemeinsam vor einer fast nicht zu bewältigenden Aufgabe stehen: Feuer in einer Welt entzünden, in der Schatten, Albträume und Furcht regieren. Und die einzige Hoffnung, die sie in diesem Kampf haben, ist ein Lied …
Die Printfassung enthält exklusives digitales Bonusmaterial (Augmented Reality, AR) zum Entdecken.
Aus dem Englischen von Charlotte Lungstrass-Kapfer

Autorin
C.E. Bernard ist das Pseudonym von Christine Lehnen, die 1990 im Ruhrgebiet geboren wurde und seitdem in Kanada, den Vereinigten Staaten, Australien und Paris gelebt hat. Sie studierte die Fächer English Literatures and Cultures und Politikwissenschaft, seit 2014 lehrt sie Literarisches Schreiben an der Universität Bonn. Daneben erforscht sie Strukturen der Gewalt im Heldenepos, erwandert das Siebengebirge oder backt britischen Gewürzkuchen. Ihre Kurzgeschichten wurden mit den Literaturpreisen der Jungen Akademien Europas und der Ruhrfestspiele Recklinghausen ausgezeichnet, ihre Romane waren für den RPC Fantasy Award und den Lovelybooks-Leseraward nominiert. Christine Lehnen schreibt auf Englisch – ihre auf Deutsch erschienenen Werke, darunter die Palace-Saga und zuletzt die Wayfarer-Saga, werden ins Deutsche zurückübersetzt.
Quelle: Randomhouse Verlagsgruppe 

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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