*+* Linus Geschke: „Engelsgrund“ *+*

Auf das große Finale der Born-Trilogie war ich sehr gespannt. „Tannenstein“ hatte mir extrem gut gefallen, „Finsterthal“ fand ich nicht ganz so stark, aber ich wertete dies – zu Recht – als „Anlauf“ für den Abschluss, und dieser ist für meinen Lesegeschmack wieder exzellent gelungen.

Über allem steht die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind, die alles tun will, um es vor dem drohenden Tod zu retten, es möglichst schnell dem Verderben zu entreißen. Aber alleine schafft sie es nicht, sie braucht Hilfe, Hilfe von jemandem, dem sie am meisten vertraut, jemandem, der das Kind gut kennt und möglicherweise Einfluss üben kann. Diese Rollen sind besetzt mit Carla, Borns Ex-Kollegin, als Mutter, ihrer Tochter Malin als Kind und Born selbst als hoffnungsvoller, weißer Ritter. Die Sekte Cernunnos spielt die Rolle der Gefahr.

Obwohl Born alles versucht, bleibt Malin stur. Sie geht nicht zurück nach Berlin zu ihrer Mutter, sie bleibt der Sekte treu – und das, obwohl bereits zwei junge Frauen in deren Dunstkreis ermordet und übel zugerichtet worden sind. Was tun? Carla ist in Panik, Born in Sorge und er sieht nur eine Möglichkeit, Malins Leben zu schützen. Wenn sie nicht aus der Gemeinschaft heraus will, muss ihr unsichtbarer Leibwächter in diese eingeschleust werden. Also wählt Born eine Option, die dem Spiel mit dem Feuer gleicht. Denn er bittet den Russen Wolkow, seinen mit allen Wassern gewaschenen, russischen Gegenspieler, um Hilfe. Der tut Born gern diesen Gefallen und schickt jemanden. Natürlich nicht ganz uneigennützig und mit einigen Hintergedanken, aber nicht nur Wolkow spielt ein doppeltes Spiel, auch andere Protagonisten tun dies, zumindest phasenweise, und täuschten mich dadurch grandios.

„Engelsgrund“ war für mich Spannung vom ersten Moment an, Begeisterung, was die Geschichte, ihre Figuren, die Entwicklungen der Handlung und sprachliche Umsetzung bedeutet, aber auch der gnadenlose, unverfälschte Blick auf Deutschland, wenn man ihn nicht durch die allseits beliebte rosarote Brille wirft.

Ich fieberte mit Carla mit, die fast von der Sorge um ihre Tochter aufgezehrt wird. Schüttelte innerlich den Kopf über Malin und ihre Sturheit, wofür ich sie allerdings auch ein wenig bewunderte. Teilte die Verzweiflung mit Born, weil er Carla nicht helfen kann. Verspürte einen Adrenalinschub und erhöhte Herzfrequenz, als der unsichtbare Bodyguard in Cernunnos eingeschleust wird, denn auch wenn er die perfekt ausgebildete Killermaschine ist….der Mörder scheint ebenso skrupellos zu sein und ohne Wimpernzucken zu morden. Wie steht es da um die Sicherheit Malins? Ich verfolgte atemlos und angespannt die Entwicklungen, zu denen Wolkow Anstoß gab, und vor allem ihre Wenden….

Der Schluss kommt in vielen Aspekten überraschend und hat ein großes Potential für eine Weiterführung der Reihe, weil es mehr wie ein Beginn denn ein Ende anmutet – jedoch macht der Autor im Nachwort leider deutlich klar, dass es von ihm keine Fortsetzung geben wird.

„Engelsgrund“ ist zwar ein Abschlussband, aber man kann ihn auch ohne Vorkenntnisse der beiden anderen Teile gut lesen. Thriller-Fans möchte ich dennoch die gesamte Trilogie empfehlen, da man so die Entwicklung der Charaktere verfolgen kann und auch dieses Hass-Liebe-Verhältnis von Born und Wolkow besser einzuordnen weiß.

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Inhalt
Eine friedliche Gemeinschaft in der Abgeschiedenheit der Ardennen. Zwei tote junge Frauen, brutal ermordet. Eine dritte junge Frau in höchster Gefahr. Eine unheilvolle Allianz zwischen Jäger und Gejagtem.
Höchst alarmiert wendet sich Carla Diaz, Alexander Borns frühere Kollegin bei der Sitte, an den Ex-Polizisten. Zwei junge Frauen, Mitglieder der Sekte ›Cernunnos‹, der auch Carlas Tochter Malin angehört, wurden ermordet aufgefunden. Nun fürchtet Carla um Malins Leben, dringt aber nicht zu ihr durch. Auch Borns Mission scheitert – an Sektenführer Lampert und an Malin selbst. Da schaltet Born seinen alten Gegenspieler Andrej Wolkow ein, der ihm noch einen Gefallen schuldet. Tatsächlich schickt der Russe einen jungen Killer, dem es schnell gelingt, sich bei ›Cernunnos‹ einzuschleichen. Doch Wolkow treibt ein doppeltes Spiel.

Autor
Linus Geschke, Jahrgang 1970, arbeitet als freier Autor und Journalist. Für seine Reisereportagen hat er mehrere Preise gewonnen. Sein Thriller ›Tannenstein‹ wurde auf Anhieb ein Bestseller.
Quelle: dtv Verlagsgesellschaft

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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