*+* Jeroen Windmeijer: „Die Spur der Pilgerväter“ *+*

Als der Anthropologe Peter de Haan seine Partnerin zu einer Infoveranstaltung der Leidener Freimaurer begleitet, wird ihm dieser Besuch in ewiger Erinnerung bleiben. Denn als man eigentlich zum gemütlichen Teil übergehen möchte, finden die beiden den Meister des Stuhls ermordet und seltsam drapiert in dessen Loge. Was ist passiert? Wer hat das Leben des Mannes auf dem Gewissen? Und aus welchem Motiv? Für die Polizei ist Peter der Hauptverdächtige, denn es drängt sich die Frage auf, ob er den Toten tatsächlich gefunden und gemeldet hat, oder ob dies nur ein perfides Ablenkungsmanöver von der eigenen Tat ist. Um seine Unschuld zu beweisen und die Vorwürfe zu entkräften, will de Haan selbst den Mörder finden und stellen – und tut dies mit wachsender Dramatik und Spannung. Es fiel mir zunehmend schwer, den Thriller aus der Hand zu legen.

Auf dem Buchrücken findet sich die Info „Packender Verschwörungsthriller für alle Dan-Brown-Fans“ und sofort war meine Neugier entfacht. Auch die Beschreibung des Buches an sich klang sehr einnehmend und so war es klar, dass ich es lesen musste. Durch die hoch liegende Messlatte rechnete ich damit, möglicherweise eine Leseenttäuschung zu erleben, aber weit gefehlt!

„Die Spur der Pilgerväter“ überzeugte mich auf der ganzen Linie. Der Fall ist interessant und gut konstruiert – sowohl was Hergang, Hintergründe und die Auflösung, die in einem fulminanten Finale mündet, betrifft. Zum Schluss hin nimmt das Erzähltempo etwas zu, es ist ansonsten sehr gemächlich und intensiv, worüber ich froh war. Denn der Autor beschreibt alles äußerst detailliert umfassend, informiert manchmal gar akribisch und dieser Stil hat mich ebenso an die Thriller des eingangs erwähnten Dan Brown denken lassen wie die Thematik.

Jeroen Windmeijer bewegt sich zwar durch den Mordfall am Meister des Stuhls der Leidener Freimaurer in der Gegenwart, macht aber häufig Sprünge in die historische Vergangenheit. Einerseits, um die Hintergründe des Verbrechens herauszuschälen, andererseits, um lebendig die Geschichte der Pilgerväter zu erzählen – und ja, auch ein Symbol spielt eine nicht unerhebliche Rolle. Begonnen mit ihrer Überfahrt von England in die Niederlande, über ihre Zeit und Entwicklung in diesem Land bis hin zum Auszug einiger von ihnen nach Amerika erfährt die Leserschaft viele Dinge über die ersten Pilger. Durch die mehrdimensionale Beleuchtung der Geschehnisse an vielen Stellen erhält man einen variablen Blick auf die Historie. Und nicht nur hier, denn durch seine Hauptfigur Peter wirft der Autor auch andernorts viele Gedankenexperimente und Deutungen bisheriger geschichtlicher Überlieferungen in den Raum, mit denen sich der geneigte Leser gerne beschäftigen mag.

Dass man ein solches Buch nicht im Sauseschritt lesen kann, versteht sich von selbst. Freunde temporeicher Thriller, bei denen an jeder Ecke etwas passiert, bei denen sich Wenden und Überraschungen die Klinke in die Hand geben, werden an „Die Spur der Pilgerväter“ möglicherweise keine große Freude haben. Ich hatte sie jedoch, und ich habe das Buch genossen, jede einzelne Seite davon. Denn mir gefielen sehr der langsame, kluge Aufbau des Falles, die Entwicklung der Protagonisten sowohl für sich als auch in ihren Beziehungsgeflechten zueinander, und vor allem haben mir die häufige intensive Einarbeitung der historischen Hintergründe und deren Bezug zur Gegenwart richtig gut gefallen. Dass es dabei hin und wieder ausschweifend zuging, störte mich nicht. So konnte ich einen kleinen Teil meiner geschichtlichen Lücken schließen, und das auf äußerst angenehme und unterhaltsame Weise.

„Die Spur der Pilgerväter“ ist der zweite Fall für Peter de Haan und man kann ihn ohne Vorkenntnisse des ersten Teils verstehen. Ich habe „Das Paulus-Labyrinth“ auch noch nicht gelesen, werde dies jedoch bald nachholen!

Inhalt
Der Großmeister der Leidener Freimaurer liegt in einem Kegel aus Licht und einer Lache aus Blut: erschlagen, seine Ritualinsignien Winkelmaß und Zirkel wurden ihm durch Hände und Brust getrieben. Anthropologe Peter de Haan ist entsetzt, hatte er doch kurz zuvor noch mit dem Großmeister der Ishtar-Loge gesprochen. Für die Polizei ist Peter daher der Hauptverdächtige. Um sich von dem Verdacht freizusprechen, macht er sich auf die Suche nach dem wahren Täter. Und kommt dabei einem Geheimnis auf die Spur, das bis zu den Pilgervätern von der Mayflower und ihrer Zeit in Leiden zurückreicht.

Autor
Der Anthropologe Jeroen Windmeijer schreibt Thriller, in denen römische und biblische Geschichte mit der Historie seiner Heimatstadt Leiden verwoben sind. Sein erstes Buch wurde von der Presse und dem Buchhandel in den Niederlanden mit offenen Armen empfangen. Mit »Das Paulus-Labyrinth« etabliert er sich endgültig als großer Geschichtenerzähler. Seine Thriller sind handlungsreich, super smart und unglaublich originell.
Quelle: Harper Collins Germany 

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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