*+* Volker Jarck: „Sieben Richtige“ (Hörbuch) *+*

„Sieben Richtige“ ist ein intensiver Roman, der trotz der Leichtigkeit, mit der er erzählt wird, eine große Tiefe aufweist. Der Autor hat ein großes Konstrukt erschaffen, in dem man sich leicht verheddern und verfangen kann, wenn man nicht konzentriert zuhört oder liest. Denn obwohl es eigentlich nur eine Hauptfigur gibt, wie sich ganz zum Schluss offenbart, werden die vielen Geschichten drumherum von sehr vielen Protagonisten bevölkert, deren Leben sich im Lauf der Zeit (immer mal wieder) kreuzen.

Der Schreibstil ist einerseits bisweilen abgehackt und sprunghaft, andererseits von einer solchen Sensibilität, die mir eine gelegentliche Gänsehaut über den Rücken jagte. Diese Gegensätze spiegeln toll die Widrigkeiten und Widersprüche wider, die das Leben an sich ausmachen.

„Ursula Wilhelmine Faber skypt nicht, sie simst nicht, schreibt keine Emails und diktiert keine Briefe. Nur von Zeit zu Zeit schaut sie die Welt mit einem Lächeln an wie einen Film von früher mit feiner Musik, den sie gerne noch einmal von vorne anschauen würde.“

Die Erzählung setzt in der Gegenwart an und entwirft einige Momentaufnahme. Der Autor schaut zur Familie des Mädchens, das nicht so sicher Fahrrad fahren kann, wie es nötig gewesen wäre. Er blickt durch das Schlüsselloch der Frau, die ein neues Leben beginnen möchte und gerade umzieht. Er sieht nach Italien, wo sich richtungsweisende Entwicklungen bei einer Gruppe junger Erwachsener abzeichnen. Nur um einige Beispiele zu nennen.

Als ich mit allen Teilnehmern dieser großen Geschichte vertraut war, führte mich der Autor in die Vergangenheit, um die Hintergründe einiger seiner Charaktere zu erfahren, schließlich mischt er auch noch die zukünftigen Entwicklungen mit in seinen Geschichtentopf und ab da musste ich höllisch aufpassen, dass ich wirklich alle Entwicklungen richtig einsortierte, um das Große und Ganze verstehen zu können und den roten Faden nicht zu verlieren.

Der einzige Kritikpunkt, den ich anmerken möchte, ist diese bereits erwähnte Komplexität. Ansonsten war ich angetan von der Weiträumigkeit, mit der die „Geschichte von Charlie Faber“ erzählt wird. Volker Jarck macht zwar nur immer wieder Stippvisiten bei den einzelnen Protagonisten, diese schlachtet er aber äußerst intensiv aus – in seiner Ausführlichkeit, Tiefe, Stärke aber auch ihrer Verletzlichkeit. So erreichte er mich mit vielen Passagen sehr tief, manchmal auch an Stellen, die ich emotional gar nicht gerne streife. So hat mich dieser Roman manchmal sehr mitgenommen und er hat mir einiges abverlangt – die Bandbreite an Gefühlen wurde voll ausgeschöpft.

Ganz gravierend führt der Autor vor Augen, was man zwar eigentlich längst weiß, womit man aber selten mit einer solchen Wucht konfrontiert wird: Die vermeintlich Zufälligkeit der Dinge mutet manchmal befremdlich an. Denn nur, weil A, B, C und vieles mehr genauso passiert ist, wie es passiert ist, konnte daraus X,Y oder Z resultieren. Eine einzige kleine Abweichung von dem „großen Plan“, und alles wäre anders gekommen, in diesem konkreten Fall gäbe es dann keinen Charlie Faber, dessen Geschichte hier hätte erzählt werden können.

Mit Christoph Maria Herbst wurde ein sehr gute Sprecherwahl getroffen. Denn der Mann kann nicht nur Satire und komisch, er hat auch die leisen und dramatischen Töne des Lebens voll drauf und liest diese Geschichte einfach nur perfekt!

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Inhalt
Ein kleines Mädchen, zur falschen Zeit an der falschen Kreuzung. Ein Umzugswagen, der nicht an sein Ziel kommt. Eine viel zu traurige E-Mail, eine Frau, die auf ihre Möbel wartet und ein Abend in Rom mit zu viel Gin im Tonic. Nur ein paar Sommersekunden verändern und verbinden die Lebenswege von Greta, Victor, Eva und den anderen. Irgendwo zwischen Bochum, Boston und Köln glauben sie an ihre Träume, an die Zukunft oder an das Glück, einmal die Hauptrolle im Leben eines anderen zu spielen.

Autor
Volker Jarck, geboren 1974, ist ein Geschichten-Mensch. Er hat im Buchhandel gejobbt, in Bochum Literatur studiert und Theater gespielt. In Berlin und Frankfurt hat er bei großen Buchverlagen als Lektor und Programmleiter gearbeitet. Begeisterungsfähig bei Sport, Serien und Spaghetti-Eis lebt Volker Jarck mit seiner Frau in Köln.

Sprecher
Christoph Maria Herbst verkörperte u.a. die Titelfigur in der Serie Stromberg, für die er den Deutschen Fernsehpreis, den Grimme-Preis, den Bayerischen Fernsehpreis und siebenmal den Deutschen Comedypreis erhielt. Als Hörbuchsprecher ist er eine Klasse für sich.
Quelle: Argon Verlag

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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