*+* Michael Christie: „Das Flüstern der Bäume“ *+*

In seinem Roman durchmisst Michael Christie vier Generationen einer Familie, er tut dies einem Schnitt gleich, der durch einen Baumstamm führt. So beginnt er mit der äußersten Schicht, dem jüngsten Familienspross. Das Besondere an diesem Erzähl-Baumring ist, dass er noch in der Zukunft liegt. Anschließend widmet sich der Autor der Generation darüber, und springt schließlich wieder einen Ring weiter und dann noch einmal. Nun ist er im Kern des Stammes angekommen, respektive bei der Generation der Urgroßeltern. Hiervon erzählt Christie nur einmal, um sich anschließend über die Großeltern- und Eltern-Generation wieder zur Person vom Buchbeginn zu bewegen. Dieser Stil ist interessant und es lässt sich eine Parallele zum Aufbau eines Baumstamms nicht von der Hand weisen. Diese Umsetzung stützt den Inhalt der Familiensaga – den kanadischen Wald. Denn was auch immer das Schicksal mit den Generationen getrieben hat, ob sie es wohl oder übel getroffen haben, das Leben eines jeden ist mehr oder weniger immer mit diesem einen speziellen Wald verwoben.

Sowohl diese Grundidee als auch die grundsätzliche Umsetzung gefallen mir nach wie vor gut, allerdings hadere ich sehr mit der Wahl und Ausgestaltung der Charaktere. Hier ist jeder extrem umgesetzt. Die Figuren sind durch die Bank überzogen – auf die eine oder andere Weise -, die meisten mochte ich überhaupt nicht. Vielleicht lag es daran, dass sie sehr überspitzt gezeichnet sind. Wenige hatten ihre guten Seiten, wuchsen mir ein wenig ans Herz, die meisten jedoch nahm ich sehr distanziert, einige sogar ablehnend, wahr. Nicht nur die Charaktere an sich sind extrem, auch die Zustände, in und mit denen sie leben, sowie die Ausgestaltung ihres Lebens – sei es bedingt durch das Schicksal oder selbst gewählt. Das war mir unter dem Strich zu abgedreht, zu weit weg von der Realität, fiktive Geschichte hin oder her.

Ich hatte mir einen atmosphärischen Roman gewünscht, in der die Natur die Hauptrolle übernimmt. „Das Flüstern der Bäume“ klingt so sanft und harmonisch, der Roman ist es jedoch an kaum einer Stelle. Stattdessen stehen die vier Generationen mit ihren großen, teils übergreifenden Problemen im Vordergrund. Der Strang der Zukunft, war durch ihren futuristischen Inhalt zu Beginn noch recht interessant und weckte meine Neugier. Mit dem Sprung zur früheren Generation verpuffte dieser Effekt leider recht schnell.

Leider sagte mir auch die stellenweise sehr langatmige Erzählweise nicht zu, ich empfand es häufig als Aneinanderreihung in die Länge gezogener Belanglosigkeiten und rätsle noch immer, was mir der Autor mit seinem Roman eigentlich sagen wollte. Vielleicht habe ich die Message einfach nicht begriffen, wer weiß. Das Buch war leider nicht so meins, aber das empfindet zum Glück jeder anders.

🎄 Suchst du noch einen Buchtipp für Weihnachten? Vielleicht findest du etwas in meinem Blogartikel „Buchiges unter dem Weihnachtsbaum“ 🎄

Inhalt
Eine Familie, vier Generationen, schicksalhaft verbunden mit den Wäldern Kanadas
Jacinda Greenwood weiß nichts über ihre väterliche Familie, deren Namen sie trägt. Sie arbeitet als Naturführerin auf Greenwood Island, doch die Namensgleichheit, so glaubt sie, ist reiner Zufall. Bis eines Tages ihr Ex-Verlobter vor ihr steht. Im Gepäck hat er das Tagebuch ihrer Großmutter. Jahresring für Jahresring enthüllt sich für Jacinda endlich ihre Familiengeschichte. Seit Generationen verbindet alle Greenwoods eines: der Wald. Er bietet Auskommen, ist Zuflucht und Grund für Verbrechen und Wunder, Unfälle und Entscheidungen, Opfer und Fehler. Die Folgen all dessen bestimmen nicht nur Jacindas Schicksal, sondern auch die Zukunft unserer Wälder …

Autor
Michael Christie, in Thunder Bay, Ontario, geboren, studierte Psychologie und arbeitete in der Obdachlosenhilfe, bevor er 2011 sein Debüt, »The Beggar’s Garden«, veröffentlichte. »Das Flüstern der Bäume« ist sein zweiter Roman, der mehrfach nominiert wurde, u.a. für den bedeutendsten kanadischen Literaturpreis, den Scotiabank Giller Prize. Michael Christie lebt mit seiner Familie in einem selbst gezimmerten Holzhaus auf der Insel Galiano vor Vancouver.
Quelle: Randomhouse

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
Dieser Beitrag wurde unter RandomHouese, Romane abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.