*+* Ambrose Parry: „Die Tinktur des Todes“ *+*

Ausnahmsweise beginne ich einmal mit einem Zitat.. denn Ian Rankins fasst diesen historischen Kriminalroman perfekt zusammen. Er schreibt, „Die Tinktur des Todes“ sei

„Eine Aufsehen erregende Kriminalgeschichte vor dem Hintergrund medizinischer Experimente im Edinburgh des 19. Jahrhunderts. Das Buch lässt sowohl die Stadt als auch die Epoche lebendig werden und ist eine großartige Lektüre.“

Ambrose Parry trifft für meinen Lesegeschmack gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Denn ich liebe Krimis und Thriller, wenn sie nicht reißerisch und blutrünstig, sondern eher subtil oder psychologisch sind. Zudem mag ich alles, was die Themen Medizin, Forschung und Naturwissenschaften betrifft. Wenn das alles dann noch auf wahren Begebenheiten oder Grundlagen beruht, die authentisch und gut verständlich an die Leserschaft herangetragen werden, könnte es ein perfektes Buch werden. Nach dem Lesen des letzten Satzes kann ich diesen Konjunktiv guten Gewissens in den Indikativ setzen. „Die Tinktur des Todes“ hat mich durchweg begeistert und überzeugt, die Genre-Verschmelzung aus Krimi, Roman und historisch ist mehr als gelungen! Es ist also tatsächlich ein perfektes Buch für mich.

Der junge, ziemlich mittellose Medizinstudent Will tritt seinen Dienst als Famulus bei dem renommierten Geburtshelfer Dr. Simpson an. Einerseits erhofft er sich, bei diesem fähigen Kopf seinen Horizont in Theorie und Praxis massiv erweitern zu können, andererseits braucht er dringend Geld. Denn um einer jungen Dame aus der Bredouille zu helfen, ist er in Abhängigkeit von brutalen Halsabschneidern geraten. Diesen aus dem Weg zu gehen, ist nicht leicht, denn in deren Dunstkreis Edinburghs sind einige Morde geschehen, die weder Gesellschaft noch Polizei kümmern. Da sie aber Wills Aufmerksamkeit erregt haben, ist er um deren Auflösung bestrebt. Auch das wissbegierige und vor allem medizinisch interessierte Hausmädchen Dr. Simpsons ist aus persönlichen Gründen motiviert, die Hintergründe der Morde aufzuklären und so geben sie und Will ein wunderbares laienhaftes Ermittler-Paar ab, das aber überzeugend und sachverständig zum Ziel kommt – und sich selbst kommen die beiden auch nahe, aber auf sehr angenehme und sanfte Art.

Nicht ganz so zaghaft geht Ambrose Perry bei einigen Schilderungen – vor allem der medizinischen Eingriffe – vor. Es wird nichts sensationsheischend oder übertrieben beschrieben und dargestellt, aber auch nicht abgemildert, so könnte die eine oder andere Szene zartbesaiteten Menschen beim Lesen möglicherweise etwas an die Nieren gehen. Damals wehte noch ein anderer Wind in den OPs, sofern überhaupt ein solcher zur Verfügung stand. Mir selbst hat diese authentische Umsetzung nichts ausgemacht, denn es verläuft eben nicht immer alles nach Plan und Wunschdenken. Das Buch handelt von den hellen, aber auch von den dunklen Stellen im Leben.
Dass diese sich auch über das reine Arbeitsgebiet des Dr. Simpson hinaus erstrecken könnten, damit hätte Will wohl nicht gerechnet. Aber während der Aufklärung der Morde wird er eines Besseren belehrt.

Neben der wirklich gut eingefangenen historischen und gesellschaftlichen Kulisse des Edinburghs im 19. Jahrhundert besticht der Krimi durch seine großartig inszenierte Atmosphäre, gut ausgearbeitete Charaktere, die immer wieder für Überraschungen sorgen, den toll integrierten Kriminalfall, den sanften Liebesfaden zwischen Will und dem Hausmädchen sowie der gut gelungenen Umsetzung der damaligen medizinischen Situation, wobei gar ein entsprechender Meilenstein in den Kriminalroman eingepasst wird. Nichts wirkt konstruiert, die Geschichte fließt und ich hoffe sehr, dass es bald wieder etwas im historischen Edinburgh zu ermitteln gibt!

Inhalt
1847: Eine brutale Mordserie an jungen Frauen erschüttert Edinburgh. Alle Opfer sind auf dieselbe grausame Weise gestorben. Zur gleichen Zeit tritt der Medizinstudent Will Raven seine Stelle bei dem brillanten und renommierten Geburtshelfer Dr. Simpson an, in dessen Haus regelmäßig bahnbrechende Experimente mit neu entdeckten Betäubungsmitteln stattfinden. Hier trifft Will auf das wissbegierige Hausmädchen Sarah, die jedoch einen großen Bogen um ihn macht und rasch erkennt, dass er ein dunkles Geheimnis mit sich herumträgt. Beide haben ganz persönliche Motive, die Morde aufklären zu wollen. Ihre Ermittlungen führen sie in die dunkelsten Ecken von Edinburghs Unterwelt und nur, wenn es ihnen gelingt, ihre gegenseitige Abneigung zu überwinden, haben sie eine Chance, lebend wieder herauszufinden.

Autoren
Ambrose Parry ist das gemeinsame Pseudonym von Christopher Brookmyre und Marisa Haetzman. Das Paar ist verheiratet und lebt in Schottland. Brookmyre arbeitete nach seinem Studium der Englischen Literatur- und Theaterwissenschaften als Journalist in London, Los Angeles und Edinburgh. Der mehrfach preisgekrönte Autor hat über zwanzig Romane veröffentlicht, darunter internationale Bestseller. Marisa Haetzman ist Medizinhistorikerin und hat zwanzig Jahre als Anästhesistin gearbeitet. Ihre Forschungsarbeit zur modernen Anästhesie inspirierte das Paar, „Die Tinktur des Todes“ zu schreiben.
Quelle: Piper Verlag

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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