*+* Andreas Izquierdo: Schatten der Welt“ *+*

Einige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg lernen wir im westpreußischen Thorn die Jugendlichen Carl, Artur und Isi kennen. So unterschiedlich sie auch sind, ein ebenso unverbrüchliches Team bilden sie. Sie sind alle ein Stück weit unglücklich, entweder wegen ihres Elternhauses oder wegen der Armut, die das Leben so vieler begleitet. Die Drei träumen von einer goldenen Zukunft und es mangelt ihnen nicht an Plänen, diese zu erreichen. Jede Gelegenheit, zu Geld oder Ansehen zu kommen, wird beim Schopf gepackt, dabei ergänzen sich der anfangs oft zaudernde und ängstliche Carl, der draufgängerische, immer auf die Füße fallende Artur und die vorlaute, durchtriebene Isi perfekt.

Aus den Jugendlichen werden junge Erwachsene, ihre Lebensumstände ändern sich, und als der Krieg beginnt, sind sie in einem Alter, in dem man sich der außergewöhnlichen, bedrückenden Lage verantwortlich stellen muss. Während Isi in Thorn bleibt und dort ihre ganz persönlichen Kämpfe ausficht, müssen die beiden Männer an die Front – und erleben den Krieg ob ihrer Funktionen auf ganz unterschiedliche Weise. Obwohl das Trio im Herzen nach wie vor aneinander hängt, wird es in der Realität immer weiter auseinandergesprengt. Der Krieg offenbart seine destruktive Sprengkraft im Großen wie im Kleinen, aber kann er diese Freundschaft wirklich auf Dauer zerstören?

Vor der gut recherchierten und gelungen umgesetzten Kulisse der damaligen Zeit hat der Autor ein Schauspiel inszeniert, das durch die Geschehnisse seiner drei Hauptfiguren umfassende Einblicke in die Gesellschaft des anfänglichen zwanzigsten Jahrhunderts gewährt. Egal ob Vorkriegszeit oder die Jahre des Kampfes, dem Leser werden Stimmung und Gepflogenheiten in so vielen Bereichen nahe gebracht. Dabei liest sich dieser historische Roman flüssig und fühlt sich durch seine extremen Charaktere mehr wie heitere Fiktion an denn als die bittere Realität, die damals leider herrschte.
Die Figuren waren mir durchweg zu sehr konstruiert, ebenso die zahlreichen Querverbindungen, die sich immer wieder zwischen ihnen ergaben – auch gab es sehr viele zu gewollte Begebenheiten und Verwicklungen, sodass es mir der Zufälle schnell zu viel wurde. Natürlich handelt es sich um einen Roman, eine erdachte Geschichte vor der gesetzten, gut integrierten historischen Kulisse, sodass Charaktere und Handlung kreativ sein dürfen. Jedoch hat diesbezüglich jeder seine ganz persönlichen Grenzen. Mir war es einfach zu viel des Guten, alles zu sehr inszeniert und konstruiert. So kommt „Schatten der Welt“ für mich nicht an „Das Glücksbüro“ und auch „Der Club der Traumtänzer“ des Autors heran.

Inhalt
Thorn in Westpreußen, 1910. Der schüchterne Carl, der draufgängerische Artur und die freche Isi pfeifen auf den Ernst des Lebens. Nicht einmal die Nachricht, dass ein Komet namens »Halley« die Menschheit zu vernichten droht, kann die drei schockieren. Im Gegenteil – ungerührt verkaufen sie Pillen gegen den Weltuntergang, während Halley still vorbeizieht.
Doch das Erwachsenwerden lässt sich nicht aufhalten: Carl beginnt eine Ausbildung zum Fotografen, Artur und Isi werden ein Paar. Als 1914 die große Weltpolitik über sie hineinbricht, reißt es die Freunde auseinander. Artur und Carl werden eingezogen, fernab der Heimat werden die beiden Teil eines Kriegs, der jede Vorstellungskraft sprengt. Derweil hat Isi zuhause in Thorn ganz andere Kämpfe auszufechten.
1918 ist der Krieg endlich vorbei. Nichts ist geblieben, wie es einmal war, und doch scheint ein Neuanfang möglich …

Autor
Andreas Izquierdo, geboren 1968, ist Schriftsteller und Drehbuchautor. Er veröffentlichte u. a. den Roman ›König von Albanien‹ (2007), der mit dem Sir- Walter-Scott-Preis für den besten historischen Roman des Jahres ausgezeichnet wurde, sowie den Roman ›Apocalypsia‹ (2010), der den Lovelybooks-Leserpreis in Silber für das beste Buch 2010 erhielt und zum Buch des Jahres bei Vorab-lesen.de gewählt wurde. Bei DuMont erschienen von ihm ›Das Glücksbüro‹ (2013) und der SPIEGEL-Bestseller ›Der Club der Traumtänzer‹ (2014). Zuletzt veröffentlichte er die Romane ›Romeo & Romy‹ (2017) und ›Fräulein Hedy träumt vom Fliegen‹ (2018).
Quelle: Dumont Buchverlag

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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