*+* Irve fragt…. Christin Thomas *+*

Liebe Christin,

wir kennen uns noch gar nicht so lange und trotzdem bist du schon jetzt auf einem guten Weg, dich in die Riege meiner Lieblingsautoren einzureihen. Ich bin durch „Nation Alpha“ auf einem Aktionstisch in einer Buchhandlung auf dich aufmerksam geworden und habe dir bei einer Lesung dazu auf der LBM19 gelauscht. Danach ist noch dieses Messe-Fanfoto entstanden, über das ich mich noch immer freue. Vor allem seit uns allen durch Corona bewusst geworden ist, wie kostbar unsere vermeintlich selbstverständlichen Freiheiten und Rechte sind, halte ich schöne Erinnerungen noch mehr in Ehren als zuvor. Dich nun interviewen zu können, auch wenn es auf dem elektronischen Weg erfolgt, freut mich daher sehr.

Möchtest du dich vielleicht mit ein paar Worten selbst vorstellen, bevor ich dich mit meinen Fragen löchere?
Sehr gerne. Ich bin Fantasy und Science-Fiction Autorin im Jugendbuch Bereich. Meistens schreibe ich über wichtige Themen, weil ich meine Leser nicht nur unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anregen möchte. Außerdem bin ich Grafikdesignerin und gestalte Buchcover für Verlage und Selfpublisher.

Du schreibst Geschichten, seit du ein Kind bist. Wann war dir klar, dass du aus diesem schönen Hobby einen Brotjob machen möchtest?
Der Wunsch kam erst auf, nachdem ich die ersten Bücher veröffentlicht habe und mir bewusst wurde, dass sie nicht nur mir, sondern auch anderen viel bedeuten.

Du bist vor ein paar Monaten von der Verlagsautorin zur Selfpublisherin gewechselt. Was hat sich dadurch für dich verändert?
Im Grunde nicht viel, weil ich mich auch schon während der Zeit beim Verlag selbstständig um das Marketing gekümmert und früher bereits als Selfpublisherin veröffentlicht habe. Neu ist für mich allerdings das Verschicken der Bücher, weil ich seit Februar erstmals einen Online-Shop betreibe. Es macht unglaublich viel Spaß, sich selbst darum zu kümmern.

Bisher habe ich von dir „Nation Alpha“ und „Die Last der Krone“ gelesen. Das sind zwei Bücher, die sich innerhalb sehr guter Geschichten ganz intensiv mit Themen auseinandersetzen, die leider aktueller sind denn je. Konkret geht es in „Nation Alpha“ um Rassismus, während „Die Last der Krone“ hauptsächlich das Thema der Homophobie behandelt. Warum ist es dir so wichtig, hier die Finger in die Wunden zu legen? In Wunden, die es in einer gebildeten und modernen Welt wie der unsrigen eigentlich gar nicht geben dürfte – aber unsere emotionale Intelligenz hält in ihrer Entwicklung scheinbar leider nicht Schritt mit dem technischen Know-how….
Ich schreibe solche Geschichten, weil das Themen sind, die mich beschäftigen. Da ich in der DDR geboren wurde, habe ich meine Freiheiten den Menschen zu verdanken, die dafür auf die Straße gegangen sind. Ich stelle mir also oft die Frage, wie mein Leben aussehen würde, wenn sie das nicht getan hätten. Aus diesem Grund bin ich mir sehr bewusst über meine Privilegien und betrachte nichts als Selbstverständlichkeit. Und weil ich das Glück hatte, dass andere sich für mich eingesetzt haben, ist es mir eine Herzensangelegenheit auf Themen aufmerksam zu machen, die wir positiv beeinflussen können. Ich bilde mir nicht ein, mit meinen Geschichten die ganze Welt verändern zu können, aber ich möchte wenigstens einen kleinen Fußabdruck im Leben mancher Menschen hinterlassen.

Welche Ungerechtigkeiten in der Welt ärgern dich am meisten – im Großen und im Kleinen?
Meistens ärgere ich mich nicht darüber. Es stimmt mich eher traurig zu wissen, dass es überall auf der Welt Kinder gibt, die aufgrund ihrer Sexualität Angst davor haben, dass sich ihre Beziehung zu ihrer Familie oder ihren Freunden verschlechtern könnte. Genauso wie der Gedanke, dass Kinder darüber aufgeklärt werden müssen, wie sie mit rassistischen Anfeindungen umgehen sollen, weil ihre Eltern sie nicht davor bewahren können.
Ich begreife einfach nicht, wie man sich das Recht herausnehmen kann, seine eigene Sexualität oder Hautfarbe als das einzig Richtige zu erachten. Schließlich gehört das zu den Dingen, über die man keine freie Entscheidung hat. Man hat nichts dafür geleistet, dass man weiß oder heterosexuell ist. Unsere Gesellschaft muss diese konstruierten Normen endlich aufgeben und jedes Individuum als solches anerkennen und respektieren.

Und über was kannst du dich am meisten freuen?
Mich berührt es immer sehr, wenn mich Nachrichten von meinen Lesern erreichen, in denen es um ihre persönlichen Geschichten geht und welche Rolle meine Bücher dabei spielten. Das macht mich immer sehr stolz und erfüllt mich mit großer Dankbarkeit.

Du pflegst einen intensiven Kontakt zu deinen Followern auf Instagram. Warum ist dir diese Nähe zu deiner Fanbase so immens wichtig?
Weil Bücher erst durch Leser zum Leben erweckt werden. Ich habe den Großteil meines Lebens nur für mich geschrieben und zu dieser Zeit war das Schreiben eine eher einsame Tätigkeit. Durch Instagram und Co. habe ich die Möglichkeit bekommen, mich mit anderen darüber auszutauschen und das direkte Feedback beflügelt mich.

Du hast sogar den kreativen Hashtag #christins🦊crew kreiert, sodass sich auch deine Gang untereinander leichter finden kann. Ist es dir ein Anliegen, Gleichgesinnte zu verbinden, und möglicherweise dadurch Freundschaften zu stiften? – Ein schöner Gedanke!
Ja, das ist mein Ansinnen. Ich habe eine unglaublich großherzige und tolerante Leserschaft, die mich bei jedem meiner Vorhaben unterstützt, und denen ich dafür danken wollte. Da es mir nicht möglich ist, ihnen allen zu folgen und dabei auch alles mitzubekommen, habe ich mir die Aktion mit dem Hashtag überlegt. Da ich diesem folge, bekomme ich eine Info, wenn dort etwas gepostet wird, wodurch ich einen guten Überblick habe und mich aktiv beteiligen kann. Da dieser Hashtag öffentlich ist, können sich meine Follower auch untereinander erkennen und gegenseitig unterstützen. Aus diesem Grund darf man da auch alles posten, von dem man denkt, dass es für die Fuchs-Crew interessant sein könnte. Es geht dabei also weniger um mich, als um meine Follower und darum, ihnen etwas zurückzugeben.

Die Nähe zu deinen Insta-Friends besteht nicht nur aus einer guten Erreichbarkeit und umfassenden Informationen zu deinem Sein als Autorin und Grafik-Designerin, du lässt deine virtuellen Freunde auch privat häufig ein Stück weit hinter die Kulissen schauen, was die meisten Autoren nicht tun. Sie trennen Arbeit und Privates, bei dir verschwimmen die Grenzen – was ich persönlich sehr sympathisch finde. Hat dies einen bestimmten Grund, oder hat es sich einfach so ergeben?
Es gibt schon Lebensbereiche, die ich privat halte, aber ansonsten denke ich da eher weniger drüber nach. Ich poste oft, was mich gerade beschäftigt oder worüber ich lachen musste. Natürlich schmunzle ich auch mal über mich selbst, weil ich manches für unprofessionell halte, aber ich habe erkannt, dass es mir mehr Spaß macht, mich einfach so zu zeigen wie ich bin und mir die Professionalität für meine Bücher zu bewahren. Das war allerdings nie geplant, sondern hat sich mit den Jahren in diese Richtung entwickelt.

Wenn man deine Insta-Stories und deine Feeds verfolgt, sieht man, wie glücklich du mit deiner aktuellen Lebenssituation bist. Dass es nicht immer so war, lässt du hin und wieder in deinen Beiträgen durchblicken. Wie sehr und wohin gehend haben dich die Tiefpunkte in deinem Leben geprägt? 
Mir ist es auch sehr wichtig, nicht nur das Positive zu zeigen, weil jeder Tiefpunkt auch etwas Bereicherndes mit sich bringt. Ich bin zum Beispiel 2016 an Krebs erkrankt, musste mich zweimal großen Operationen und einer Chemotherapie unterziehen. Das war eine Zeit, in der ich oft Angst hatte, aber dabei auch unglaublich viel über das Leben und mich gelernt habe. Seitdem nehme ich jeden Tag als großes Geschenk wahr, bin viel dankbarer und gelassener. Über vieles hat man leider keine Kontrolle, aber wir haben die Wahl, wie wir mit solch einschneidenden Erlebnissen umgehen wollen. Ich habe beschlossen, das Beste daraus zu machen und meine Zeit den Dingen zu widmen, die ich liebe. Damals habe ich meinen alten Job gekündigt, um einen kreativeren Weg einzuschlagen. Das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens.

„Nach dem Buch“ ist bei Autoren meist gleichbedeutend mit „vor dem Buch“. Woran schreibst du gerade? Ich weiß bisher nur, dass es sich um eine „wahnsinnig gute Geschichte“  handelt. Magst du uns ein paar Spoiler verraten?
Ja, ich arbeite bereits an einem neuen Projekt, dass ich „die wahnsinnig gute Geschichte“ nenne, weil ich den Titel noch nicht verraten möchte und dieser vorübergehende Name das Gefühl beschreibt, welches ich beim Schreiben der ersten Kapitel hatte. Es ist wieder einmal ein Jugendbuch, das sehr wichtige und aktuelle Themen behandelt. Aber es ist auch anders als meine vorigen Bücher, weil es mit einer Triggerwarnung und dem eigentlichen Ende der Geschichte beginnt. Es geht darin um Träume, ums Versagen und darum, wie viel Einfluss wir alle aufeinander nehmen. Das Buch soll noch in diesem Jahr erscheinen.
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Du schreibst nicht nur, du zauberst auch wunderschöne, wirklich außergewöhnliche Cover. Wie bist du zu diesem zweiten kreativen Standbein gekommen?
Als ich die ersten Bücher veröffentlicht habe, habe ich mit einer Verlegerin zusammengearbeitet, die für mich den Buchsatz gemacht hat. Sie hat mir irgendwann nahegelegt, dass ich meine Fähigkeiten als Grafikdesignerin auch für andere nützlich machen könnte, indem ich Buchcover gestalte. Die ersten Aufträge habe ich dann für ihren Verlag umsetzen können und mit den Jahren ist das alles immer weiter gewachsen. Mittlerweile zählen sogar Piper und Carlsen sowie zahlreiche tolle Selfpublisher zu meinen Kunden.

Auch wenn es noch so gut läuft, hin und wieder wird man ausgebremst, im Idealfall dabei auf einen besseren Weg umgeleitet. Was gibt dir Kraft, woraus schöpfst du Mut, um aufzustehen und weiterzumachen?
Ich schätze, das kommt daher, dass es nichts ist, was ich bloß des Erfolges wegen mache. Ich habe schon immer geschrieben, weil ich dadurch Gefühle und Erlebnisse verarbeite. Das Schreiben ist also ein wichtiger Bestandteil meines Lebens, den ich niemals aufgeben könnte. Früher oder später führt mich diese Leidenschaft wieder an den Schreibtisch und dazu, mein Schicksal erneut herauszufordern. Als Autorin weiß ich, dass eine gute Geschichte von Konflikten und Hindernissen lebt. Wieso sollte das im Leben anders sein? Deshalb versuche ich mich nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Wirklichkeit, auf Abenteuer einzulassen.

Hast du ein Lebensmotto?
Eigentlich nicht, obwohl mich ein Gedanke schon sehr lange begleitet.
Ich sage mir immer, dass ich mir nur Zeit wünsche. Zeit, für die, die ich liebe und für das, was mir Spaß macht.
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Liebe Christin,
vielen Dank für die Zeit, die du dir für die Beantwortung meiner Fragen genommen hast!
Und auch vorab liebsten Dank…..denn du stellst mir eine signierte Ausgabe mit Wunschsignatur deines aktuellen Jugendromans „Die Last der Krone“ zur Verfügung, die ich für Spendeneule LIA, sprich: zugunsten des Dattelner Kinderpalliativzentrums, versteigern darf!
Ich freue mich sehr darüber – und unsere Leser sicher auch….

Mehr Informationen dazu gibt es IN DIESEM BLOGBEITRAG!

Bleib so ein lieber, warmherziger und empathischer Mensch, wie du es bist!
Ich freue mich – so wie viele, viele andere wahrscheinlich auch – so wahnsinnig auf deine wahnsinnig gute Geschichte 😀

Alles Liebe

Irve

 

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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2 Antworten zu *+* Irve fragt…. Christin Thomas *+*

  1. Liebe Heike – ein tolles Interview. Ich glaube, ich muss mir die Bücher doch mal näher anschauen. Und bei der Versteigerung morgen schaue ich natürlich mal vorbei😊
    Liebe Grüße

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