*+* Linus Geschke: „Finsterthal“ *+*

Welch ein packender Beginn! Ein Mädchen wird entführt, und die Schilderung lässt mir den Atem stocken. Nicht, weil es so grausam passiert, sondern weil es so unheimlich intensiv erzählt wird, mit allem Drum und Dran.

Alice ist nicht das erste und auch nicht das einzige Mädchen, das von dem Dunklen und seinem Gefolge entführt wird. Sie ist eine von drei Teenies, die ihren einflussreichen Vätern geraubt werden. Warum, darüber lässt der Autor seine Leser lange Zeit im Dunkeln. Nach und nach kommen immer mehr Hintergründe und Wissensbröckchen ans Licht und ich begann, das ganze Ausmaß nach und nach zu erfassen. Denn die Mädchen wurden nicht wegen ihres verführerischen Alters ausgewählt, der Grund liegt vielmehr bei ihren Vätern – sie teilen ein grausames Geheimnis. Und selbst das ist letztendlich nur die halbe Wahrheit, denn durch die Entführungen werden weite Kreise gezogen, die für immer neue Überraschungen und manchmal gar Wenden im Thriller sorgen.

Als Born darauf angesetzt wird, Alice zu finden, war ich sehr gespannt, wie der kriminell gewordene Ex-Polizist das wuppen würde, denn Born ist ziemlich speziell. In seinen Eigenarten, seinem Denken und vor allem seinem Handeln. Schon in „Tannenstein“ hat er mich dadurch in seinen Bann gezogen und nun musste er erneut alle Register ziehen. Er hat seinen Job wieder sehr eigen und erfolgreich gemacht, seine geheimnisvolle Aura ist dabei jedoch nicht so intensiv rübergekommen wie im vorhergehenden Teil der Trilogie. Anstatt geheimnisvoll und einsamer-Wolf-mäßig habe ich ihn jetzt mehr als markig und markant empfunden.
Auch die Geschichte an sich umweht nicht diese geheimnisvolle tannensteinsche Atmosphäre, sie kommt eher reißerisch herüber. Aber ist das schlimm? Nein, das finde ich nicht. Jeder entwickelt sich weiter, auch ein Max Born, und jeder Fall ist anders gelagert – nebst seiner Hintergründe und Kulissen. Und da tobt ebenfalls das Unheil. Ich hatte Mitgefühl vor allem mit denen, die mit den vordergründigen Fällen nichts zu tun haben, und trotzdem um ihr Leben fürchten müssen.

Finsterthal“ hat mich dennoch nicht ganz so gepackt wie „Tannenstein“, aber das zu erreichen wäre auch schwer gewesen, denn die Messlatte lag sehr hoch. Dennoch habe ich den Thriller gerne gelesen, und mit Spannung verfolgt, ob wenigstens eins der Mädchen gerettet werden kann, ob der (oder die?) Täter überführt werden kann und vor allem, wie, sagen wir mal: die Struktur um die Entführungsfälle herum nach den Ermittlungen aussehen wird.

Neben Spannung und tiefgreifenden Verbrechen baut Linus Geschke erneut das Thema der Moral ein und das ist etwas, das mir auch an diesem Thriller sehr gut gefallen hat. Bei einigen kriminellen Aktivitäten kann man wirklich nach dem Schwarz-Weiß-Schema urteilen: Schuldig oder nicht, bei einigen anderen Dingen ist jedoch die Grauzone, in der man sich bewegt, nuancenreich schattiert. Das gibt viel Spielraum für die eigenen Gedanken….

Drei Entführungen, die nicht dem üblichen Schema folgen, gut ausgearbeitete Charaktere, ein gelungener Spannungsbogen und ein langer Rattenschwanz, der den eigentlichen Verbrechen anhängt und für Spannung, Wenden und Kurzweil sorgt, machten für mich aus „Finsterthal“ einen lesenswerten Thriller, wenngleich er für mich nicht ganz an „Tannenstein“ herankommt.

Inhalt
Drei verschwundene Mädchen. Drei Väter, die ein dunkles Geheimnis verbindet. Ein Entführer, für den es keine Regeln gibt.
Wenn der Dunkle kommt, verschwinden Mädchen. Eins in Berlin, eins in Bayern und eins im hessischen Königstein. Nicht alle werden lebend zu ihren Vätern zurückkehren, die durch ein dunkles Geheimnis verbunden sind.
Nur widerwillig nimmt der kriminell gewordene Ex-Polizist Alexander Born die Spur eines Mannes auf, der sich Der Dunkle nennt. Anfangs geht er noch von ganz gewöhnlichen Entführungsfällen aus. Ein Täter, drei Opfer. Doch in diesem Fall ist nichts, wie es scheint, und hinter jeder Wahrheit verbirgt sich eine weitere.
Das muss auch die Berliner Kommissarin Carla Diaz erkennen, die Born auf seiner Suche unterstützt. Als die beiden dem Dunklen näherkommen, geraten sie in einen Strudel aus Gewalt, Lügen und Verrat, in dem sie am Ende niemandem mehr trauen können – nicht den Mädchen und nicht sich selbst.

Autor
Linus Geschke, 1970 in Köln geboren, arbeitet als freier Journalist für ›SPIEGEL ONLINE‹, die ›Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung‹ und das ›Manager Magazin‹. Für seine Reisereportagen hat er mehrere Journalistenpreise gewonnen. Mit seinem Thriller ›Tannenstein‹ gelang ihm auf Anhieb der Sprung auf die Bestsellerliste.
Quelle: dtv Verlagsgesellschaft

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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