*+* Frank Goldammer: „JUNI 53“ (Hörbuch) *+*

Der fünfte Fall in der Reihe um Max Heller führt den Kommissar und sein Team zur VEB Rohrisolation, einem Dresdner Unternehmen. Der Betriebsleiter ist tot aufgefunden worden und es besteht kein Zweifel daran, dass er brutal ermordet wurde. Die Ermittlungen erweisen sich als besonders zäh, sind aber dafür umso drängender, denn zum Toten kommt bald ein Vermisster hinzu. Sorgen und Ängste machen sich breit.

Zum Inhalt mag ich gar nicht viel sagen, denn eins greift ins andere, die Dinge sind arg miteinander verwoben, und es ist schwer, etwas anzudeuten, ohne zu viel zu verraten. Nur eins sei noch gesagt: Auch auf unternehmerischer Ebene klafft die Schere zwischen Ost und West zunehmend auseinander, Heller bekommt es mit einem Spion zu tun, der dem Westen zuarbeitet. Dass der Kommissar während der Ermittlungen mal wieder in Gefahr gerät, verwunderte mich nicht, denn Heller ist nach wie vor ein Mensch mit Rückgrat, der stets Wahrheit und Gerechtigkeit im Visier hat und auf Befindlichkeiten anderer keine Rücksicht nehmen kann und will.

Dienstlich ist also definitiv wieder für eine gehörige Portion Aufregung und Spannung gesorgt, aber nicht minder haben mich das Privatleben der Hellers sowie der gesellschaftliche, historische Hintergrund gefesselt und fasziniert.
Meist stört es mich in Krimis oder Thrillern, wenn den persönlichen Befindlichkeiten viel Raum gegeben wird, hier aber lechze ich immer wieder danach zu erfahren, wie es mit Max und seiner warmherzigen Frau Karin, den beiden Söhnen – einer bereits im Westen -, Adoptivtochter Anni und der mittlerweile sehr in die Jahre gekommenen guten Seele Frau Marquardt weitergeht.
Die Verlockungen des Westens werden immer stärker, aber auch das, was die Hellers in Dresden hält, hat große Kraft. Noch scheint sich die Waage mehr in Richtung Osten zu senken, aber wird das in den Folgeteilen so bleiben?

Ganz grandios verarbeitet Frank Goldammer erneut die Historie Deutschlands in seinem Fall für Max Heller. Die Unzufriedenheit, der Unmut der DDR-Bürger zeigt sich in Arbeiteraufständen, die die immer größeren Diskrepanzen des abhängigen und klein gehaltenen Ostteils des Landes zum aufblühenden Westen abbilden. Auch sonst hakt es zunehmend und es ist unglaublich, wie sich ein damals noch nicht geteiltes Land bereits in den Köpfen als zwei verschiedene Länder etabliert.
Das alles ist weit vor meiner Zeit geschehen, aber der Autor beschreibt es so authentisch und real, der Sprecher vertont es so lebendig, dass sich das Damalige wie ein eindrucksvolles Kopfkino in Gang setzt.

Ich wünschte mir mehr Hellers auf dieser Welt, die unbeugsam, unbestechlich und gerade ihre Arbeit tun und deren Menschlichkeit und Güte die Herzen erwärmen – nicht nur in der Literatur.

Nun freue ich mich auf die nächste Aufgabe für den sympathischen Kommissar aus der Feder Frank Goldammers, hoffentlich wieder in die Hörbuchvariante adaptiert von Heikko Deutschmann – ich könnte mir keinen besseren Sprecher für diese Reihe vorstellen.

Inhalt
Dresden, 18. Juni 1953: Es ist der Morgen nach dem gewaltsam niedergeschlagenen Arbeiteraufstand in der DDR, als Kommissar Max Heller zum Firmengelände eines Dresdener Isolierungsbetriebs gerufen wird. Der Betriebsleiter des Werkes wurde dort brutal ermordet aufgefunden. Die Zeit für die Ermittlungen drängt, denn ein weiterer Funktionär wird seit den Aufständen vermisst. Als eine Mitarbeiterin unter Mordverdacht gerät, die sich selbst als Spionin für den Westen entlarvt, ahnen Heller und sein Kollege Oldenbusch bereits, dass an dem Fall etwas gehörig faul ist. Hartnäckig versuchen sie, die restlichen Mitarbeiter des Betriebs zum Reden zu bringen – und rücken sich dabei selbst ins Visier des Mörders…
Die Max-Heller-Reihe von Frank Goldammer – ein Muss für Fans historischer Krimis!
Die historischen Krimis von Frank Goldammer führen durch die Jahre der Nachkriegszeit in Ostdeutschland: Begonnen 1944, im letzten Winter des Krieges, stößt der Kommissar Max Heller immer wieder auf perfide Verbrechen – und ermittelt, während er selbst in den Trümmern seiner Heimatstadt Dresden ums eigene Überleben kämpft. Der Audio Verlag hat bereits die ersten vier Teile der Bestsellerreihe von Frank Goldammer als Hörbücher veröffentlicht, nun ist mit »Juni 53« der fünfte Fall für Max Heller als Hörbuch erhältlich.

Sprecher
Heikko Deutschmann ist einem breiten Publikum aus Film und Fernsehen bekannt, erhielt in den vergangenen Jahren jedoch auch als Sprecher und Filmemacher diverse Auszeichnungen. Für DAV hat er bereits die ersten vier Teile von Goldammers Erfolgsreihe vertont und verwandelt auch »Juni 53« zu einem einmaligen Hörerlebnis: Mit seiner facettenreichen Stimme versetzt er die Hörer von der ersten Minute an zurück ins geteilte Deutschland. Ein Vergnügen, das sich Krimi- und Hörbuch-Liebhaber nicht entgehen lassen sollten! Die leicht gekürzte Lesung ist bei DAV erhältlich und umfasst 1 mp3-CD.
Quelle: Der Audio Verlag

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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2 Antworten zu *+* Frank Goldammer: „JUNI 53“ (Hörbuch) *+*

  1. sirosesfb schreibt:

    Liebe Heike,
    Asche auf mein Haupt, ich habe immer noch keinen Goldammer gelesen, dabei hatte ich mir doch extra von der LBM19 einen signiert mitgebracht ;). Aber es war das „Große Sommertheater“ und ich hätte doch lieber zu einem Max Heller greifen sollen. Na ja, vielleicht lese ich es ja endlich im Sommer, da passt es dann einfach auch!
    Liebe Grüße aus der Lausitz, macht das Beste aus der Situation und bleibt gesund!
    Simone

    • irveliest schreibt:

      Liebe Simone,
      Das Große Sommertheater ist auch toll, den Namen Rocco werde ich nie vergessen, bzw wird dieser Name immer ganz speziell belegt sein!
      Ich grüße dich und wünsche dir alles Gute für diese verrückte Zeit!
      Heike

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