*+* Andreas Götz: „Die im Dunkeln sieht man nicht“ (Print und Hörbuch) *+*

Wir schreiben das Jahr 1950, der Zweite Weltkrieg ist seit einigen Jahren vorbei und doch sind seine Folgen für viele noch sehr präsent. Karl hat alles verloren und scheint abgestumpft zu sein, ihn hält nichts mehr in Berlin. Da kommt ihm das Angebot eines alten Schulfreundes recht, eine heikle Story zu recherchieren.

Magda freut sich sehr, dass ihr Onkel zurück nach München kommt. Sie mag ihn sehr, und schon schnell erwächst der Verdacht, dass ihre Zuneigung weit über das übliche Onkel-Nichte-Verhältnis hinausgeht. Aber ob ihr Onkel – mal ganz abgesehen von den Konventionen – überhaupt nach allem, was er erlebt hat, überhaupt noch zu Gefühlen fähig ist? Ich war einerseits gespannt, andererseits hoffte ich, dass das Privatgeplänkel nicht zu viel Raum einnehmen würde, denn ein Krimi muss für mich ein Krimi sein, und kein verkappter Liebesroman.

Zwischen Schwarzmarkt und Kunstgemälden bewegen wir uns hin und her, versuchen dabei, verschwundene Kunstschätze wieder zu finden. Darüber hinaus sind noch einige Morde aufzuklären, dabei machen dabei die Bekanntschaft der Kriminalbeamten Ludwig und Emil. Bald kreuzen sich die beiden Verbrechensstränge und es beginnt ein verqueres Durcheinander, das mir Zweifel kommen ließ, ob die Fälle jemals würden aufgeklärt werden können.

„Die im Dunkeln sieht man nicht“ wird ruhig, fast schon unaufgeregt, erzählt. Das Tempo ist zu Beginn niedrig, steigert sich zum Schluss hin analog zur Spannungskurve. Denn die bewegt sich anfangs auch eher auf unterem Niveau, schaukelt sich aber mit der Zeit immer mehr nach oben. Durch diese Struktur hat der Autor genug Zeit, um seine Figuren ausreichend zu zeichnen und vorzustellen, und sie lebendig zu formen. Auch für das Flair des Nachkriegs-Münchens, die damaligen zwischenmenschlichen und gesellschaftlichen Gepflogenheiten fängt er gut ein, wobei er mir dabei manchmal zu intensiv von den Krimi-Themen abschweift. Die amourösen Schwenker hätte es für mich nicht gebraucht. Jedoch ist es, wenn man viele Jahre nach dem Krieg geboren wurde und gottseidank keine eigenen Erfahrungen aus dieser Zeit mitbringt, immer wieder interessant über diese Jahre zu lesen oder zu hören. Sich den Schwarzmarkt vorzustellen, die teils noch immer große Armut, aber auch den Akt des kollektiven „Ärmel Hochkrempelns“, um dem Wirtschaftswunder seinen Weg zu bahnen.

Dennoch, für einen Krimi gibt es für meinen Geschmack zu viel Beiwerk, wobei mich wie immer bei Spannungsliteratur die Liebesgeschichte am meisten gestört hat. Die geschichtlichen Hintergründe haben zwar das Erzähltempo hin und wieder ausgebremst, sind aber für einen historischen Krimi natürlich unabdingbar.

Gut gemacht hat Richard Barenberg seinen Sprecherjob. Er hat sowohl den ruhigen Erzählstil als auch das ganz spezielle Flair im Dunstkreis der Geschichte überzeugend in die Hörbuch-Version transportiert und die Charaktere, teils mit Dialekt, gut umgesetzt. Ich habe ihm gerne zugehört.

Inhalt
München 1950. Zwischen Stunde Null und Wirtschaftswunder zieht ein altes Verbrechen neue Kreise – Andreas Götz verwebt Kriminal-Ermittlung und Gesellschaftspanorama zu einem packenden zeitgeschichtlichen Spannungsroman
Im April 1950 kehrt Karl Wieners, ehemals Schriftsteller, heim nach München, wo Schmuggler gute Geschäfte machen und Gestrandete die letzte Hoffnung verlieren. Karls letzte Hoffnung ist eine Karriere als Journalist. Wenn er herausfände, was aus dem Kunstschatz wurde, der bei Kriegsende aus dem Führerbau verschwunden ist, wäre das die Sensation.
Gemeinsam mit seiner Nichte Magda begibt er sich auf die Spur der Bilder. Dabei geraten die beiden nicht nur ins Visier dubioser Schwarzmarktschieber. Sie stören auch die Kreise von Kommissär Ludwig Gruber, der auf der Suche nach einem Mörder fast verzweifelt.
Doch womit sie es wirklich zu tun haben, erkennen sie alle erst, als es fast schon zu spät ist.

Autor
Ursprünglich wollte Andreas Götz einen Kriminalroman schreiben, der in der Nazi-Zeit spielt. Doch bei der Recherche wurde ihm schnell klar, dass sich die 1950er Jahre viel besser eignen. Ein gesellschaftliches Klima von Schuld, Verdrängung und Selbstbetrug, wie es in dieser Zeit herrschte, bringt alle Voraussetzungen mit, die ein fesselnder Roman braucht. Der Handlungsort München hat sich nicht zuletzt deshalb aufgedrängt, weil Andreas Götz ganz in der Nähe als freier Autor lebt und arbeitet und daher Land und Leute gut kennt. Seine Figuren sind ihm während der Arbeit an „Die im Dunkeln sieht man nicht“ so ans Herz gewachsen, dass er bereits über eine Fortsetzung nachdenkt.
Quelle: Fischer Verlage

Sprecher
Richard Barenberg hat in Leipzig Schauspiel studiert und fühlt sich auf der Bühne ebenso Zuhause wie vor der Kamera oder vor dem Mikrofon. Seine warme, unwiderstehliche Stimme und seine kluge Interpretation garantieren ein echtes Hörerlebnis.
Quelle: Argon Verlag 

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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