*+* Astrid Korten: „Die Dornen des Bösen“ *+*

Ein Jahr nach „Die Akte Rosenrot“ treffen wir Profiler Ibsen Bach, der sich wie ein „paranormales Radar“ in den Dunstkreis von Verbrechen hineinfühlen kann, bei einer Wahrsagerin wieder. Die Tarot-Karten klingen geheimnisvoll, was sowohl Ibsens Privatleben als auch den Job betrifft. Jedoch muss das Persönliche zunächst zugunsten Leonela Sorokin warten. Hatte die Investegativ-Bloggerin im Auftaktband Bachs Leben gerettet, so scheint nun das ihre in größter Gefahr zu sein. Als ob dies nicht schon Aufregung genug wäre, wird der Profiler immer wieder mit seiner Vergangenheit konfrontiert – ob das gut oder schlecht ist, mag ein jeder selbst im Verlauf des Thrillers beurteilen. Ibsen möchte jedoch nichts mehr als endlich zu erfahren, wer er vor seinem Unfall vor einigen Jahren wirklich war. Seitdem fehlen ihm nämlich sämtliche Erinnerungen, respektive kommen sie nur quälend langsam zurück, und dann weiß er nicht einmal, ob sie belastbar, oder reine Gehirngespinste sind. So fragt er sich jedes Mal, wenn ihm ein dubioser Junge erscheint, ob dieser sein eigenes früheres Selbst ist, das ihm wichtige Spuren zeigen will, oder schierer Ausbund seiner Phantasie oder der Krankheit. Denn auch die quält ihn und Bach hofft, sich ihr erst endgültig stellen zu müssen, wenn die Suche nach Leonela hoffentlich erfolgreich abgeschlossen ist.

Das ist noch längst nicht alles, denn Pola spielt ebenfalls wieder eine größere Rolle. Sie ist auf Ibsens Seite, versucht ihm zu helfen, aber bei ihr selbst brennt auch der Baum. Dass es in „Die Dornen des Bösen“ viele Opfer jedweder Art gibt – Tote, Gequälte und Verletzte – kann man sich bereits denken! Puh, und dann kommen als Sahnehäubchen noch die Hintergründe der vielen Fäden auf den Tisch und endlich, endlich formt sich alles zu einem großen Ganzen!

Wer einen Spannungsroman erwartet, der sich überschaubar entwickelt und langsam aufbaut, ist hier definitiv falsch! Denn die Autorin legt ein gewaltiges Tempo an den Tag, mit dem sie zwischen den einzelnen Strängen springt. An den gegebenen Stellen legt sie eine ziemliche Härte und Brutalität an den Tag , was ich gar nicht mehr gut haben kann.
Der Thriller forderte mir zudem konzentrationsmäßig alles ab, und trotzdem hatte ich gelegentlich das Gefühl, nicht wirklich folgen zu können. Den dicken roten Fäden schon, aber dieses viele kleine Beiwerk, das sich ganz geschickt und nebenbei mit hinein webte, flog manchmal so an mir vorbei. Bei diesem atemlosen Stakkato bot sich mir nie die Gelegenheit, alles sacken und sich sortieren zu lassen. So kam es, dass ich Namen verwechselte oder auch Handlungssequenzen nicht mehr präsent hatte, was zum Teil aber auch daran lag, dass ich nie lange am Stück lesen konnte.

Sehr gut gefallen hat mir hingegen die sprachliche Umsetzung. Astrid Korten schreibt fast schon „literarisch wertvoll“. Auch die Figuren – allen voran Leonola und Pola -, auch wenn sie aus temporeichen Gründen nicht immer intensiv gezeichnet waren, sagten mir sehr zu. Ebenfalls die Grundlagen aus Medizin und Forschung, trafen mein Interesse. Aber auch hier hätte ich mir viel mehr Raum für die Hintergründe gewünscht, ein Tiefergehen in die Materie, zumal vieles fast schon wie Fantasy oder SciFi anmutet, unvorstellbar für einen unbedarften Geist, der mit dieser Thematik unvertraut ist.

Wer temporeiche, atemlose Spannung auf sprachlich sehr hohem Niveau mag, nicht allzu zimperlich ist, für den harte Szenen einfach zu einem guten Thriller gehören, und gerne zwischen vielen Erzählfäden liest, die sich hinterher geschickt zusammenfinden, der sollte unbedingt zu „Die Dornen des Bösen“ greifen.
Ich gehöre leider nicht zu dieser Zielgruppe, aber das weiß man meist ja erst hinterher.

Inhalt
Auf der Suche nach seiner Ehefrau erhält der freiberufliche Profiler Ibsen Bach in Edinburgh einen Anruf aus dem Kreml. In Moskau engagiert ihn General Sorokin, die Mörder seiner Tochter Leonela zu finden. Überzeugt, dass die junge Bloggerin in Gefahr ist, aber noch lebt, akzeptiert Ibsen den Auftrag, da Leonela ihm einst das Leben gerettet hat. Mit Pola Kamorow, seiner verstörenden Partnerin, leitet er die Ermittlungen ein. Beide erkennen jedoch bald, dass die Gründe für Leonelas Verschwinden weitaus komplizierter und gefährlicher sind, als sie zunächst vermutet haben und auch mit der jüngsten Welle unerklärlicher Morde und Selbstmorde in Verbindung gebracht werden kann, die Moskau und Großbritannien erschüttern. Gejagt von den Visionen eines kleinen, gesichtslosen Jungen und einem Inferno, aus dem die Dornen des Bösen brechen, gerät Ibsen ins Zentrum eines Verbrechens, das ihn bis zu den Toren des Wahnsinns führt…

Autorin
Das geschriebene Wort begleitet Astrid Korten seit ihrer Kindheit. Die in den Niederlanden geborene Autorin schrieb mit 13 Jahren bereits ihre erste Kriminalgeschichte. Doch bevor es zu Veröffentlichungen kam, studierte sie Wirtschaftswissenschaften an der Universität Maastricht. Nach dem Verkauf ihres Pharmaunternehmens machte sie das Schreiben zum Beruf. Ihr Debütroman „Eiskalte Umarmung“ avancierte sofort zum Platz 1-Bestseller. Seitdem folgten weitere spannende, erfolgreiche Thriller und Romane in mehreren Sprachen sowie mehrere Drehbücher. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Essen.
Quelle: Piper Verlag

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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