*+* Oliver Pötzsch: „Der Lehrmeister“ *+*

Mit „Der Lehrmeister“ findet die Geschichte um „Der Spielmann“ einen guten Abschluss. Während der Autor im ersten Teil der Dilogie nicht mit Magie, Mystik und Mysterien geizt, habe ich hier mehr eine Mischung aus Spannung und Längen gefunden. Mit dem etwas anderen Stil musste ich mich erst anfreunden, denn dieses Magische, das fast jedes Kapitel im Auftaktbuch umwaberte, wusste mich sehr zu fesseln. Da man aber inzwischen weiß, wie die beiden Gegenspieler Faustus und Tonio ticken, ist nun das Geheimnisvolle zu einem guten Teil nicht mehr vorhanden. Als Ausgleich bietet Oliver Pötzsch seinen Lesern phasenweise phantastische Spannung an, das Katz-und Maus-Spiel fesselte mich in diesen Passagen sehr. Wer würde letzten Endes als Sieger vom Platz gehen? Der Autor hat seine Romane schließlich nur an Goethes Vorlage angelehnt, ob er tatsächlich auch ein entsprechendes Ende wählen würde, ist daher bis zum Schluss ungewiss.

Die aufregenden, mitreißenden Entwicklungen werden von einigen Längen unterbrochen. Vieles ist sehr ausschweifend geschildert, dabei tritt die Handlung gelegentlich auf der Stelle, was der Neugier solcher Leser wie mir nicht zuträglich ist. ;-)
Andererseits ist so genug Raum vorhanden, um das Beziehungsgeflecht der Figuren ausführlich aufzuarbeiten, den historischen Hintergrund der damaligen Zeit würdig einzuarbeiten und die Kulisse dramatisch und bildhaft in Szene zu setzen. Dennoch, weniger wäre an vielen Stellen mehr für mich gewesen. Aber da hat ja bekanntlich jeder andere Lesevorlieben.

Gut gelungen sind erneut die Charaktere. Sie wirken – von den Hauptdarstellern bis hin zu den Nebenrollen – nicht platt und austauschbar, sondern mehrdimensional, nachvollziehbar, schlüssig und überzeugend, und stützen mit ihren Handlungsweisen und Entwicklungen sehr stringent den Spannungsbogen.

„Der Lehrmeister“ ist wie „Der Spielmann“ flüssig und lebendig erzählt, knüpft gut an den ersten Teil des Zweiteilers an, und bietet neben entspannender Lektüre ganz nebenbei auch einiges an historischem Hintergrundwissen.

Inhalt
Der goldene Herbst 1518 neigt sich dem Ende. Sechs Jahre sind vergangen, seitdem der berühmte Magier Johann Georg Faustus aus Nürnberg geflohen ist. Sein Ruhm ist gewachsen, selbst an den Höfen von Herzögen, Grafen und Bischöfen sucht man seinen Rat. So als würde der Herrgott – oder sein böser Gegenspieler? – eine schützende Hand über ihn halten. Gemeinsam mit seinem neuen Gefährten Karl Wagner und der jungen Gauklerin Greta, seiner Ziehtochter, reist er als Quacksalber und Astrologe durch die Lande. Doch Johann spürt, dass dies nur die Ruhe vor dem Sturm ist. Sein Erzfeind Tonio ist noch nicht besiegt. Tief im Inneren weiß Johann, dass das Böse zurückkehren und erneut seine Hand nach ihm ausstrecken wird …

Autor
Oliver Pötzsch, Jahrgang 1970, arbeitete nach dem Studium zunächst als Journalist und Filmautor beim Bayerischen Rundfunk. Heute lebt er als Autor mit seiner Familie in München. Seine historischen Romane haben ihn weit über die Grenzen Deutschlands bekannt gemacht: Die Bände der „Henkerstochter“-Serie sind internationale Bestseller und wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt.
Quelle: Ullstein Buchverlage

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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