*+* Ruth Ware: „Der Tod der Mrs. Westaway“ (Print und Hörbuch) *+*

Harriet schlägt sich mehr schlecht als recht durchs Leben. Als ihre Mutter verstorben ist, übernimmt sie deren Arbeitsstelle als selbstständige Kartenlegerin – ihre Tarot-Karten finden immer wieder Eingang in diese Geschichte – und kommt mit ihrem unregelmäßigen, unvorhersehbaren Lohn kaum über die Runden, die Rechnungen stapeln sich, die junge Frau weiß nicht ein, noch aus. Da erhält sie überraschend die Aussicht auf ein umfangreiches Erbe, das ihr ihres Wissens nach eigentlich gar nicht zustehen dürfte. Als ihr das Wasser bis zum Hals steht, beschließt sie, sich dennoch als die rechtmäßige Erbin auszugeben – und begibt sich damit in größte Gefahr.

Begonnen habe ich mit der Buchausgabe von „Der Tod der Mrs. Westaway“. Da die Geschichte nur sehr langsam in die Gänge kommt, extrem ausschweifend erzählt wird, bin ich zum Hörbuch gewechselt. Dieses Medium mag ich lieber bei Büchern, die gewisse Längen aufweisen. Zum einen lässt sich gut etwas parallel dazu erledigen, zum anderen bedeutet in solchen Fällen eine gute sprecherische Adaption oft einen Mehrwert. Obwohl das Audiobook gekürzt ist, hatte ich nicht das Gefühl, dass mir inhaltlich etwas fehlt, weil trotzdem alle Handlungen und Gedankengänge sehr gedehnt und gut nachvollziehbar beschrieben werden.

Julia Nachtmann liest intensiv, setzt die Charaktere gut und lebhaft um. Sie schafft es gar, der Geschichte, die ich über weite Strecken lieber als Roman denn als Thriller bezeichnen möchte, ein wenig Spannung einzuhauchen.

In den ersten drei Vierteln des Buches geschieht auf dieser Ebene nämlich fast nichts, die Autorin ergeht sich oft in langatmigen, fast schon langweiligen Ausschweifungen über die Geschehnisse, die einzelnen Charaktere – die man so zweifellos sehr gut kennenlernt – und deren langjährige Beziehungen zueinander. Dabei lassen sich nur sporadisch neue Erkenntnisse gewinnen. Aufgelockert wird dieser chronologische Strang durch immer wieder eingefügte Tagebucheinträge von Harriets Mutter aus deren Jugendzeit. Inhaltlich fügen sich diese beiden Erzählfäden schließlich zusammen und wer es zuvor nicht schon erahnt hat, begreift spätestens jetzt, aus welch gefährliches Spiel sich die vermeintliche Erbschleicherin eingelassen hat. Zum Schluss hin nimmt die Geschichte an Fahrt auf, wirkt dabei allerdings stark konstruiert, sehr gewollt und ab einem gewissen Punkt recht vorhersehbar, sodass das Ende leider nicht die von mir empfundenen Thriller-Schwächen wettmachen konnte.

Wer viel Geduld bei Büchern aus dem Spannungsgenre hat und einen sehr langsamen Erzählstil mag, der erst zum Schluss hin für Aufregung sorgt, dürfte mit „Der Tod der Mrs. Westaway“ gut beraten sein. Mich persönlich konnte der Thriller nicht überzeugen, ein Lichtblick war jedoch die gute Sprecherleistung von Julia Nachtmann.

Inhalt
Harriet Westaway ist jung. Und hoffnungslos verschuldet. Zwischen unbezahlten Rechnungen und Mahnschreiben komm der Anwaltsbrief da gerade recht, der ihr ein großzügiges Erbe ihrer Großmutter in Cornwall in Aussicht stellt. Doch obgleich Harriet sehr genau weiß, dass ihre Großeltern tatsächlich schon vor 20 Jahren verstorben sind, reist sie nach Cornwall, um sich als die vermeintliche Erbin auszugeben – und wird sich schon bald wünschen, diese Entscheidung nie getroffen zu haben. Denn ohne es zu ahnen, durchkreuzt sie die Pläne eines Mörders…

Sprecherin
Die Theater- und Filmschauspielerin Julia Nachtmann ist bei DAV bereits in zahlreichen Hörbüchern zu hören und hat auch die ersten beiden Thriller von Ruth Ware vertont. Mit ihrer eindringlichen Stimme fesselt sie die Hörer von der ersten Minute an ans Geschehen und kreiert mit »Der Tod der Mrs Westaway« ein herrlich düsteres Hörerlebnis.
Quelle: Der Audio Verlag

Autorin
Ruth Ware wuchs im südenglischen Lewes auf und lebte nach ihrem Studium an der Manchester University eine Zeit lang in Paris. Sie hat als Kellnerin, Buchhändlerin, Englischlehrerin und Pressereferentin für einen großen Verlag gearbeitet und wohnt jetzt mit ihrer Familie in der Nähe von Brighton. Ihre raffinierten, atmosphärischen Thriller werden regelmäßig zu internationalen Bestsellern.
Quelle: dtv

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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