*+* Mitch Albom: „Wer im Himmel auf dich wartet“ *+*

Annie hat es im Leben nie leicht gehabt. Als sie als Jugendliche endlich in Paulo einen Freund finden konnte, hat sie ihn schon kurz danach durch widrige Umstände wieder aus den Augen verloren. Jahre später trifft sie ihn zufällig wieder und die beiden beschließen glücklich, sich nie wieder loszulassen. Die Hochzeit ist beschlossene Sache und findet mit einem anschließenden Ballonflug seinen Höhe- und Tiefpunkt zugleich. Denn der Ballon stürzt ab.

Diese Geschichte wird aus der Sicht Annies erzählt und so begleiten wir sie, als sie im Himmel erwacht. Natürlich hofft sie, dass auch Paulo dort ist. Auf ihrer Suche nach ihm trifft sie auf verschiedene Menschen, die alle in ihrem Leben eine wichtige Rolle gespielt haben. Annie erinnert sich nicht an alle, lernt sie aber auf der jeweiligen Himmelsstation kennen. Sie begreift, welche Funktion diese Personen direkt oder indirekt für ihr eigenes Leben gespielt haben. Auch lernt Annie im Nachhinein bestimmte Situationen zu verstehen und neu zu bewerten. Der Autor nennt es Lektionen. Sie versteht, dass in ihrem Leben scheinbar nichts ohne Grund geschehen ist und beginnt umzudenken.

Ob und was nach dem Tod passiert, darüber haben wir wohl alle schon das ein oder andere Mal gedacht. In „Wer im Himmel auf dich wartet“ präsentiert der Autor seine eigene Gedankenwelt zu diesem Thema. Er lädt den Leser ein, in seinen persönlichen Himmel einzutauchen und seine Wünsche und Hoffnungen für das Leben nach dem irdischen Dasein kennenzulernen.

Die Figur Annie ist mir persönlich zu übertrieben ausgearbeitet. Ihr Schicksal ist in mehrerlei Hinsicht in sehr extreme Bahnen gelenkt worden. Das ist aber mein einziger Kritikpunkt, denn die Grundgedanken an sich sind wunderschön, tröstlich und erwärmend. Denn in der Welt des Autors stirbt das Leben nicht mit dem Tod, es durchläuft gefühlt vielmehr eine liebevolle Metamorphose, wird geläutert und vollkommener, was auch einen rückwirkenden Effekt hat. Unser Sein auf Erden ist nicht geprägt von Zufällen, die uns wahllos irgendwohin führen. Es scheint vielmehr von vornherein auf bestimmte Ziele ausgerichtet zu sein, denen es sich über schicksalhafte Zickzackwege nähert. Diese eingehauchte Spiritualität wird nicht jedem gefallen. Jedoch wird sie im Roman nur angekratzt und schwingt nur begleitend mit, sodass ich sie nicht als störend sondern eher als erhellend empfand.

„Wer im Himmel auf dich wartet“ liest sich flüssig und interessant und bietet den Lesern, die sich gerne auf Gedankenexperimente einlassen, eine unterhaltsame, teils tiefgründige Spielwiese.

Inhalt
Annie und ihre Jugendliebe Paulo wollen ihre Hochzeitsreise mit einem romantischen Ballonflug krönen. Doch der Ballon stürzt ab…
Annie erwacht im Himmel wieder und sucht nach Paulo, von dem sie nicht weiß, ob er überlebt hat. Nacheinander trifft sie dort auf Menschen, die ihr seltsam bekannt und sogar vertraut vorkommen. Doch erst durch ihre Geschichten erfährt Annie, was für eine wichtige Rolle jeder einzelne von ihnen in ihrem Leben gespielt hat – und wie wenig ihr das bewusst war. Am spannenden Ende – mit einer überraschenden Wendung – realisiert sie deren Wert und auch, wie sehr jedes einzelne menschliche Leben zählt.
Wieder gelingt es dem Autor in seinem unverwechselbaren Stil, seine Leser in eine Welt zu entführen, in der die Grenzen zwischen Himmel und Erde fließend werden und wo in jedem Ende ein Anfang liegt.

Autor
Mitch Albom, Jg. 1958, schrieb den Weltbestseller Dienstags bei Morrie (1997). Das Buch verkaufte sich außergewöhnlich gut, nachdem es von Oprah Winfrey in Oprah’s Book Club vorgestellt worden war. Die Fernsehverfilmung mit Hank Azaria und Jack Lemmon war der meistgesehene Fernsehfilm 1999 in den USA.
Sein Roman Die fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen (2005) war ebenfalls ein New York Times-Bestseller. Auch dieser Roman wurde für das US-Fernsehen verfilmt, mit Jon Voight in der Hauptrolle.
Mitch Albom tritt regelmäßig in den Fernsehsendungen auf. Seine eigene Radioshow wird in Detroit ausgestrahlt. Albom ist neben Stephen King Mitglied der Rockband The Rock Bottom Remainders, deren Musiker allesamt Schriftsteller sind. Bevor er Journalist wurde, war er als Amateurboxer, Nachtclubsänger und Pianist tätig. 2011 wurde er mit der Ehrendoktorwürde der Michigan State University ausgezeichnet.
Quelle: Ullsteinbuchverlage

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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