*+* Wendelin van Draanen: „Acht Wochen Wüste“ *+*

Oh Mann, das hat Wren jetzt davon. Vielleicht hat sie einmal zu oft Mist gebaut, einmal zu oft Drogen genommen, sich einmal zu oft respektlos benommen, oder oder oder…

Schiefer könnte die Bahn kaum sein, auf die das Mädel gerutscht ist, und die Eltern haben nun zu einer drastischen Maßnahme gegriffen, um ihre Tochter zur Rückkehr auf einen guten Weg zu leiten. Wren kommt in ein Camp in der Wüste und dass ihr das nicht passt, ist wohl klar. Abhauen ist keine Option und ich war sehr gespannt, wie sich schlagen würde – beim Überleben und auch bei der Selbstfindung.

Mit Wren hat die Autorin eine facettenreiche, intensive und vor allem glaubhafte Hauptfigur erschaffen. Da passt einfach alles perfekt zusammen. Der grundsätzliche Charakter des Mädchens, die vielfältigen veränderten Umstände, die ihr die Füße vom Boden gerissen haben, sowie der neue Dunstkreis, der sie nach und nach so geschickt umfangen hat, dass Wren nicht in der Lage war, Gut und Böse voneinander zu trennen.
Ihre Eltern haben viel falsch gemacht und tragen – wenn auch unbewusst und unwillentlich – einen Teil an der Entwicklung ihrer Tochter. Als sie mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln Wren nicht zur Vernunft bekommen, greifen sie zu härteren Bandagen: Acht Wochen Wüste. Ohne Vorwarnung. Mitten in der Nacht. Abgeschnitten von der Zivilisation. Allein mit einer kleinen Gruppe. Und mit sich selbst.

Die anfängliche Auflehnung Wrens ist vorprogrammiert – wer würde schon flauschig darauf reagieren? Sie geht durch eine harte Schule, denn die Betreuer zeigen keine Schwäche, sie handeln jedoch immer zum Besten der ihnen anvertrauten Jugendlichen. Nach und nach sortiert sich schließlich das Innere des Mädels. Sie knackt selbst ihre eigene harte Schale auf, zerrt ihre verblendeten Wahrheiten nach außen, um sie endlich in einem anderen Licht zu betrachten, und erschrickt. Vor dem, was sie getan hat. Vor ihren so geglaubten Freunden. Vor sich selbst. Sie begreift. Und dennoch ist der Gang zurück auf den richtigen Weg steinig und wacklig und es ist keineswegs klar, dass sie es tatsächlich schaffen wird. Alleine sowieso nicht. Gemeinsam statt einsam. Mit den anderen aus der Gruppe. Den verhassten Gruppenleitern. Die alles besser wissen. Sie manchmal schmoren lassen. Trotzdem. Wren begreift. Aussitzen ist keine Option mehr. Abhauen schon gar nicht. Sie setzt Prioritäten. Hält den Anforderungen stand. Durchbricht ihre Schutzmauer. Ist schutzlos. Aber auch frei. Puh!

Was ein Buch, wirklich! Ich klebte von der ersten Seite an begeistert, mitfühlend, atemlos  und sowas von neugierig am Buch und Wrens Schicksal. Wollte alles wissen, und die Autorin sagte mir alles. Was gewesen ist und warum, und sie geizt dabei nicht mit Einblicken in Wrens Gedanken und Gefühle. „Acht Wochen Wüste“ ist ein mahnendes Buch an Jugendliche, ohne dabei mit dem warnenden Zeigefinger zu wedeln. Ein Stück weit ist es aber auch ein aufrüttelndes Buch für Eltern mit dem dringenden Appell, seine Kinder auch beim größten Stress niemals aus dem Fokus zu verlieren und immer die sensiblen Fühler auszustrecken, um zu spüren, wenn etwas aus dem inneren Gleichgewicht gerät. Sonst können Sorgen und Probleme, die man eigentlich schnell in den Griff bekommen könnte, im schlimmsten Fall üble Blüten treiben. Und das will schließlich niemand für sein Kind, oder?

„Acht Wochen Wüste“ ist ein Wahnsinnsbuch – eins meiner Buchlights 2019 – und bekommt von mir eine All-Age- Lese- und Schenkempfehlung!

Inhalt
Um 03:47 Uhr kommen sie Wren holen. Mitten in der Nacht wird sie aus ihrem Bett gezerrt und in ein wartendes Auto, dann in ein Flugzeug, und schließlich auf einen stundenlangen Marsch durch die Wüste geschickt. Warum das alles? Weil Wren so sehr die Kontrolle verloren hat, dass sich ihre Eltern einfach nicht mehr anders zu helfen wissen. Also heißt es für sie: Willkommen im Wildnis-Therapie-Camp. Wren ist stinkwütend, denn sie hat keine Ahnung, womit sie acht Wochen Wüste verdient hat. Oder etwa doch?
Quelle: Magellan – Der Verlag mit dem Wal

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
Dieser Beitrag wurde unter Kinder- und Jugendbücher abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu *+* Wendelin van Draanen: „Acht Wochen Wüste“ *+*

  1. Puh, ich halte ja nichts,nichts,nichts von solchen Camps, aber das Buch will ich auch lesen😚

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.