*+* Nina Sahm: „Die Tage mit Bumerang“ *+*

Als kurz hintereinander beide Elternteile von Annu sterben, geht für die junge Frau fast die Welt unter. Nun lebt sie allein in dem schiefen Haus, mit dem sie so viele Erinnerungen verbinden. Einerseits quälen sie die Gedanken an die Eltern, andererseits geben sie ihr Kraft. Auch ihre besten Freunde kümmern sich, sind ihr eine Stütze und schenken ihr gelegentliche Glückstage. Als Annu jedoch unter einer Verwicklung unglücklicher Umstände dieser Familie eine Kehrtwende des Lebens um hundertachtzig Grad beschert, hat sie niemanden mehr. Denn die Freunde wenden sich enttäuscht und vor allem überfordert ab und auch die anderen Dorfbewohner schneiden Annu.

Sie vegetiert nur noch vor sich hin, hat Mut und Freude verloren – und wer hilft ihr, wieder in die Spur zu finden? Ein Schaf, das plötzlich auf der Wiese vor ihrem Haus steht. Seine Sturheit beschert ihm den Namen Bumerang, denn es kehrt immer wieder zurück, egal was Annu anstellt. So hat sie nun eine Aufgabe, der sie sich nicht verweigern kann, und die ihre Lebensgeister nach und nach weckt. Erfreulicherweise kreuzen ihren Weg auch Menschen, die es gut mit ihr meinen. Aber was ist mit den alten Freunden, denen sie so großes Unglück beschert hat?

Bei diesem Thema konnte ich Annus Handlungsweise nur sehr schwer nachvollziehen. Jeder geht mit Schicksalsschlägen verschieden um. Die, die man anderen verursacht hat, sind noch ein paar Nummern größer, was es sehr viel schwerer macht, sie aufzuarbeiten. Und dennoch blieb mir Annu hier ziemlich fremd, was mir ein bisschen die Lesefreude trübte. Das Ende ist dann zwar unter dem Strich versöhnlich, was aber nur zu einem kleinen Teil an der jungen Frau liegt. Das, obwohl sie die Urheberin die Schuld an dem großen Leid trägt.

Von diesem Kritikpunkt einmal abgesehen hat mir „Die Tage mit Bumerang“ gut gefallen. Das Buch zeigt in einer ungewöhnlichen Geschichte mit einem charmanten Schaf in der eigentlichen Hauptrolle die Unwägbarkeiten und Spontanität des Lebens auf. Du kannst schnell unten sein, aber du kannst aus diesem Loch auch wieder herausfinden. Wenn du Hilfe annimmst, geht es leichter und schneller. Öffne dich, gib anderen die Chance, deine Freunde zu sein. Und wundere dich nicht, wenn mal wieder etwas von der Norm abweicht. Das Leben zeigt manchmal seltsame Wege auf. Welchen davon du gehst, entscheidest du selbst. Hast du dich verfranzt, bedeutet das nicht automatisch das Ende deines Glücks. Denn wie dieser Roman zeigt, gibt es auch Umgehungsstraßen und kleine Pfade, um auf den Weg des zufriedenen Lebens zurückzufinden.

Inhalt
Nichts ist mehr wie vorher in dem kleinen Dorf. Seitdem Annu einen tragischen Unfall verursacht hat, schneiden sie die Nachbarn. Sogar ihr bester Freund Lars hat sich von ihr abgewandt. Langsam, aber sicher verzweifelt Annu allein in ihrem windschiefen Haus. Bis eines Tages ein Schaf vor ihrer Tür steht, das sich nicht wegschicken lässt. Der störrische Gast heißt von nun an Bumerang – und holt Annu langsam ins Leben zurück.Die Zuversicht kommt im Schafspelz: ein hinreißender Roman, der einen direkt in den verwilderten Garten von Annu versetzt, mitten auf das alte Sofa, auf dem es sich auch schon Bumerang bequem gemacht hat.

Autorin
Nina Sahm, geboren 1980 in Heilbronn, studierte Theaterwissenschaft, Germanistik und Anglistik in Leipzig und Budapest und arbeitet als Verlagsredakteurin. Ihr Debütroman Das letzte Polaroid erschien 2014. Nina Sahm lebt mit Freund und Hund in München.
Quelle: Hanser Literaturverlage

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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