*+* Bjørn Vassnes: „Im Reich des Frosts“ *+*

Das Schreckgespenst des Klimawandels, die Angst vor der Klimakatastrophe gehen um – und ein Stück weit auch die Panikmache. Spätestens seit Greta Thunbergs Anstoß durch die „Fridays for Future“- Bewegung lässt sich nicht verleugnen, dass sich die Bedingungen auf der Erde sich seit geraumer Zeit verändern und dass dies für die Menschheit sehr negative Folgen haben wird, sollten wir nicht blitzschnell die Reißleine ziehen.

Aber wie kommt der Klimawandel zustande? Und ist er wirklich so ein besonderes Phänomen? Der naturwissenschaftlich interessierte Leser hat mit diesem Buch sehr viel Glück, denn Bjørn Vassnes wirft nicht mit Fachchinesisch um sich. Er benutzt zwar Fachvokabular, erklärt aber die Begriffe, Erscheinungen und Abläufe auch für den Laien gut verständlich. Was mich besonders gefreut hat, ist, dass er in der Lage ist, Querverbindungen zwischen verschiedenen Sachverhalten zu ziehen, die man sonst in dieser Form niemals bedenken würde. Der Autor streift während der Reise durch das Buch so manche Thematik, von der ich ursprünglich gar nicht dachte, dass sie in irgendeinem Zusammenhang mit dem aktuellen oder einem der früheren Klimawandel stehen könnte. Ja, richtig gelesen: Dieser Klimawandel, vor dem die halbe Menschheit erzittert, wäre nicht der erste, der die Erde trifft. Unser Planet hätte übrigens gar kein Problem damit, er ist mit Extremschwankungen bezüglich Temperaturen, Wetter und allem anderen, was damit zusammenhängt, bestens vertraut. Nur auf uns Lebewesen kämen harte Zeiten zu, so wie schon häufiger. Aber die Natur ist kreativ und anpassungsfähig und hat immer wieder neu modifiziertes Leben hervorgebracht.

Es hat mir großen Spaß gemacht, über das aus vielen Perspektiven beleuchtete Thema des Klimawandels zu lesen, aber auch die kleinen Nebenausflüge, beispielsweise zu Evolution und Städtebildung haben mir gut gefallen.

Der Autor ist selbst in der Kälte groß geworden, er hat somit einen ganz besonderen Bezug zu den eisigen Bereichen unserer Welt mit ihren wunderschönen Gletschern, Permafrostböden und der entsprechenden Flora und Fauna. Er schreibt sympathisch und man nimmt ihm gleichermaßen seinen Sachverstand und die Liebe zur Natur ab. Zudem ist es sehr angenehm, dass er die prekäre Lage skizziert, ohne dabei in Panik zu verfallen oder sich in Allgemeinplätzen auszulassen. Stattdessen wirft er immer wieder einen Blick über den Tellerrand und schaut, „ob und wie da noch was zu retten ist“. Seine Lösungsvorschläge haben überraschenderweise nicht nur etwas mit Naturschutz, Müllvermeidung und einem gemäßigteren Umgang mit den über Jahrmillionen entstandenen Energieträgern zu tun. Er findet auch andere Ansätze. Das lässt hoffen!
Ich hingegen hoffe, dass sich die Allgemeinheit dadurch nicht ausschließlich auf eine solche Lösung verlässt. Wir sollten weiter unsere Möglichkeiten nutzen, um einen größtmöglichen Beitrag zum Umwelt- und Naturschutz zu leisten.

„Im Reich des Frosts“ ist eines meines Jahreshighlights 2019 und ich kann es allen wissbegierigen Menschen nur ans Herz legen, vor allem den naturwissenschaftlich interessierten. Das Buch ist trotz der teils verwendeten Fachterminologie gut verständlich, es ist flüssig geschrieben, der Stil erinnert zudem mehr an einen Roman denn an ein dröges Fachbuch. Durch den Erfahrungsschatz, den der Autor immer wieder einfließen lässt, wirkt das Buch zudem sehr lebendig.

Inhalt
Der gefrorene Teil der Erde ist als riesiger Wasserspeicher enorm wichtig für das Klima, und Björn Vassnes erkundet ihn. Wie entstehen Gletscher? Was bedeutet Permafrost? Welches Leben existiert im und unter dem Schnee? Sagen, Märchen und Sprachbildung zeigen, wie verbunden der Mensch mit den Regionen des ewigen Eises ist. Die Samen etwa kennen für Schnee mehr als hundert Wörter. Vassnes erzählt von der Welt der Schneekönigin und Weißen Hexe, von Eisbären und Expeditionen, er schildert, wie Eiszeiten entstehen, und natürlich stellt sich auch die Frage: Was passiert, wenn das Eis in Grönland und in der Antarktis schwindet, wenn die Permafrostböden der Tundraregionen auftauen und ihre Klimagase freisetzen? Das Reich des Frosts beeinflusst alles Leben auf der Erde. Und darüber hat Bjørn Vassnes ein unterhaltsames und zugleich sehr aufschlussreiches Buch geschrieben.

Autor
Bjørn Vassnes, geboren 1951, ist im Reich des Frosts auf der Finnmarksvidda aufgewachsen, in seiner Kindheit dauerten die Winter acht bis neun Monate und ab minus vierzig Grad gab es für die Schüler kältefrei. Er zählt zu Norwegens profiliertesten Wissenschaftsjournalisten, hat populärwissenschaftliche Bücher veröffentlicht und erhielt für seine journalistische Arbeit mehrere Auszeichnungen.
Quelle: dtv

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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