*+* Isabel Allende: „Dieser weite Weg“ *+*

„Dieser weite Weg“ beschreibt den langen Weg Victor und Rosa Dalmaus, der seinen Beginn mit der Flucht auf der Winnipeg vor dem Spanischen Bürgerkrieg nimmt und nach einer bewegenden Zeit erneut im chilenischen Exil endet.

Wie Isabel Allende in ihrer Danksagung schreibt, hat sie von der Winnipeg, dem Schiff, das einst 2000 Spaniern zur Flucht nach Chile verholfen hatte, bereits im Kindesalter bei ihren Großeltern gehört, die Geschichte Victor Peys im venezolanischen Exil. Damals hätte sie nicht gedacht, ein Buch darüber zu schreiben, geschweige denn einmal Schriftstellerin zu werden. Wie gut, dass sie es doch geworden ist, denn dieser Roman hat mich ähnlich stark fasziniert und begeistert wie damals „Das Geisterhaus“.

Victor Pey war 1939 ein Passagier der Winnipeg. Er und seine Geschichte dienten Isabel Allende als Inspiration für ihre Figur Victor Dalmau. Er ist wie viele andere fiktive Charaktere des Romans eng an intensive Recherchen angelehnt, wodurch diese Protagonisten ebenso glaubhaft in Erscheinung treten wie die tatsächliche historisch belegten wie Francisco Franco, Pablo Neruda, Salvador Allende und andere.

Bewegend, tiefgreifend und mir sehr nahe gehend erzählt de Autorin von den Zuständen während des Spanischen Bürgerkrieges. Inspiriert von der aktuellen, fast schon globalen, Flüchtlingsproblematik hat sie nun diesen Roman, der schon lange in ihr zu schlummern schien, verfasst. Er habe sich, so die Autorin, fast schon selbst geschrieben, so intensiv hat sie sich die Erinnerungen aus den vergangenen Gesprächen mit Großeltern und Pey bewahrt. Durch eine zusätzliche umfassende Recherche konnte sie die historischen Hintergründe gut integrieren und ihren Figuren ein authentisches Flair verpassen. Die Erlebnisse des eigenen Exils flossen dabei sicherlich auch helfend mit ein.

Obwohl stellenweise sehr grausam und niederschlagend hat mich „Dieser weite Weg“ von der ersten Seite an gefesselt und begeistert. Neben dem gut gelungenen Familienporträt der Dalmaus, dem Auf und Ab der Protagonisten, den vielen Leiden und oftmals wenigen Freuden, die für hohen Unterhaltungswert mit Tiefgang sorgen, hat mich Isabel Allende ganz nebenbei mit einer intensiven Lehrstunde spanischer und chilenischer Vergangenheit versorgt. So traten die historischen Figuren heraus aus meinem theoretischen Halbwissen hinein in lebendig erzählte Geschichte, was mir sehr gut gefiel. Ich mag es immer sehr, wenn Romane neben guter Unterhaltung einen Mehrwert aufweisen.

„Dieser weite Weg“ greift ein Stück Geschichte auf, das an die Tür der Gegenwart klopft. Von Flucht, Exil, Wurzeln und dem Loslassen erzählt die Autorin in einer interessanten Geschichte mit gelungenen Charakteren vor einer gut recherchierten und eingebundenen historischen Kulisse. Gut gefallen haben mir auch die Zitate aus Pablo Nerudas – der für das persönliche Schicksal der Dalmaus maßgeblich war – Werken, mit denen jedes Kapitel angestimmt wird.

Isabel Allende stellt erneut ihre epische Erzählkunst unter Beweis und für ihren Roman möchte ich eine klare Leseempfehlung aussprechen.

Inhalt
Der junge, idealistische Katalane Víctor Dalmau beginnt gerade als Arzt zu praktizieren, da bricht der Bürgerkrieg aus. Seine Familie beschließt, das belagerte Barcelona zu verlassen, aber der Marsch über die Pyrenäen endet desaströs. Unterdessen stirbt Víctors geliebter Bruder an der Front, und Víctor bringt es nicht über sich, seiner hochschwangeren Schwägerin Roser, einer angehenden Pianistin aus armen Verhältnissen, die ganze Wahrheit zu sagen. Und auch in Frankreich ist kein Bleiben, deshalb organisiert Víctor für Roser und sich in letzter Minute eine Überfahrt nach Südamerika. Im chilenischen Exil wächst sich ihre Verbundenheit nach und nach zu etwas Größerem aus, ist es Liebe? Rosers harte Arbeit zahlt sich jedenfalls aus, sie wird weithin gefeiert für ihr Klavierspiel. Für sie und Víctor scheint ein spätes gemeinsames Glück greifbar nahe – bis plötzlich eine weitere politische Katastrophe ihre Pläne zu vereiteln droht …

Wie weit ist der Weg, den wir gehen müssen, um im Leben anzukommen? Isabel Allende erzählt die bewegende Geschichte einer schwangeren Pianistin und eines jungen Arztes, die unversehens in die turbulenten Zeitläufe des vergangenen Jahrhunderts geraten – eine Geschichte von Flucht und Neuanfang und den zärtlichen Verheißungen einer eigentlich unmöglichen Liebe.

Autorin
Isabel Allende – 20 Bücher • in 35 Sprachen übersetzt • mehr als 57 Millionen Exemplare verkauft • 12 internationale Ehrendoktorwürden • 50 Auszeichnungen in mehr als 15 Ländern • internationale Adaptionen für Film, Theater, Musicals, Opern, Ballet und Radio • Gründerin der Isabel Allende Foundation zur Unterstützung von Frauen und Mädchen weltweit
Quelle: Suhrkamp Verlag

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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