*+* Libby Page: „Im Freibad“ *+*

Kate arbeitet bei einem kleinen Lokalblatt. Sie ist für die alltägliche Berichterstattung zuständig und sowohl ihre Themen als auch die Journalistin selbst fallen in die Rubrik „unauffällig“. Als das Freibad geschlossen werden soll, ahnt Kate zunächst nicht, dass dies ihren beruflichen Alltag auf den Kopf stellen – es winkt ihre erste große Story – und ihr Leben umkrempeln wird. Der Auslöser hierfür ist Rosemary, und die ist das genaue Gegenteil von Kate.

Rosemary ist alt, Kate jung.
Rosemary hat den Großteil ihres Lebens hinter, Kate vor sich.
Rosemary hat viele, viele Höhen und Tiefen erlebt, und die haben sie stärker gemacht. Das Wenige, das Kate bisher erlebt hat, schwächt sie eher.
Rosemary weiß, was sie will, Kate nicht.
Rosemary hat schon vor vielen Jahrzehnten ihren Platz im Leben gefunden, Kate irrt umher wie ein Blatt im Wind.
Rosemary weiß, wie man kämpft, für Kate ist kämpfen ein Fremdwort.
Aber Kate ist eine gute Schülerin und Rosemary eine wunderbare Lehrerin.

Die beiden Frauen lernen sich kennen, als Kate für ihre Zeitung ein Porträt über die alte Dame erstellen soll. So leicht macht Rosemary es ihr nicht, denn sie möchte nicht nur, dass die junge Frau ihre Worte abdruckt, sie möchte vor allem, dass Kate diese Worte versteht und weiß, was sie fühlt.
Schon von Kindesbeinen an macht Rosemary das Schwimmen glücklich. Sie verbindet so viele schöne Ereignisse, Freundschaften und Lebensinhalte mit diesem magischen Ort. Daher möchte sie, dass Kate dieses Gefühl zumindest ansatzweise selbst verspürt und macht einen Deal mit der Journalistin: Sie soll im Freibad schwimmen gehen, dann stünde Rosemary ihr für ein Interview zur Verfügung.

Das ist für Kate gar nicht so leicht, wie es sich anhört, denn es kostet sie eine große Überwindung, sich in das Getummel der vielen Menschen zu stürzen. Da sie aber einen guten Job machen will, stellt sie sich der Herausforderung und überrascht sich selbst positiv damit. Sie hat ihr Unbehagen überwunden – und das Schwimmen macht ihr tatsächlich Spaß! Als Sahnehäubchen bekommt sie ihr Interview mit Rosie, darüber hinaus freunden sich die beiden Frauen, so unterschiedlich sie auch sind, an. Je öfter Kate schwimmt, umso mehr spürt sie die Wichtigkeit des Freibads und ihr Kampfeswille erwacht. Die Frauen versuchen gemeinsam mit ein paar Freunden das Unmögliche, sie wollen diesen Platz der Erholung, diesen wunderbaren Ort, retten. Dazu ist ihnen fast jedes Mittel recht und sie laufen zu höchster kreativer Form auf.

Diese Geschichte fußt auf einer leider gar nicht so ungewöhnlichen Situation. Immer mehr Bäder fallen dem Rotstift zum Opfer und fast nie gibt es einen Plan B, um ihren Bestand zu sichern. Die Handlung rund um Rosie und Kate ist fiktiv und stellenweise ziemlich idealistisch umgesetzt. In der Realität würde eine Rettung so vermutlich nicht funktionieren, aber darum geht es nicht.

Mir gefallen die Interpretation des Ortes und die Aussage des Buches sehr.
Das Freibad steht nicht für einen Ort, an dem einem der letzte Schrei und neueste Schnickschnack geboten werden. Es ist kein Platz, den man erlebt haben muss, um mitreden zu können. Dieser Roman widersteht dem häufig beliebten „hyper hyper“ und bricht eine Lanze für die Langsamkeit, Tradition, für die Werte, die uns wichtig sein sollten. Rosemary hängt an dem Freibad, sie wertschätzt es sehr. Ihr ist nicht wichtig, dort einem Trend hinterherzulaufen, sondern Erinnerungen zu sammeln, zu konservieren, einen Teil ihres Lebens damit zu verknüpfen. Ich finde das sehr schön und bin in der heutigen, schnelllebigen Zeit oft entsetzt darüber, wie schnell Dinge über den Haufen geworfen werden, wie schnell Ideen – weil zu Beginn nicht lukrativ oder umsatzstark genug – schon begraben werden, bevor sie sich überhaupt richtig entfalten konnten. Daher habe ich den Kampf um den Erhalt des Freibads sehr intensiv erlebt und bis zum Schluss auf einen Erfolg für diese liebenswerten, warmherzigen Menschen gehofft.

Kümmere dich um das was, was dir am Herzen liegt. Sei laut, reiße andere mit!
Und finde zunächst heraus, woran dein Herz hängt, denn das wissen heutzutage viele Menschen in unserer materialistisch veranlagten Gesellschaft leider nicht mehr.

Ein zum Heulen traumschöner Roman, der eine Lanze für die wahren Werte im Leben bricht.

Inhalt
Rosemary hat ihr ganzes Leben in Brixton verbracht. Jetzt ändert sich alles, was ihr vertraut ist. Die Bücherei, in der sie gearbeitet hat, schließt. Aus dem Gemüseladen ist eine hippe Bar geworden. Ihr geliebter Mann George ist gestorben. Und das Freibad, in dem sie seit über 60 Jahren jeden Morgen schwimmt, soll Eigentumswohnungen weichen.
Kate fühlt sich einsam in London. Als sie über Rosemarys Freibad für die Zeitung schreiben soll, öffnet sich ihr eine neue Welt. Kate zeigt sich nicht gerne im Badeanzug, aber mit Rosemarys Hilfe überwindet sie ihre Schüchternheit. Kate und Rosemary werden Freundinnen und beschließen, gemeinsam das Freibad zu retten. Denn der Pool ist mehr als ein Ort zum Schwimmen – er ist das Herz der Nachbarschaft.

Autorin
Libby Page hat tagsüber im Marketing gejobbt und nachts auf ihrem Notebook ihren Debütroman geschrieben. Die studierte Journalistin hat für den Guardian, einen Online-Shop und eine Wohltätigkeitsorganisation gearbeitet. Neben dem Schreiben ist Schwimmen ihre zweite große Leidenschaft. Libby Page lebt in London und hat sich vorgenommen, alle Freibäder Londons auszuprobieren.
Quelle: Ullstein Buchverlage

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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