*+* Guy Jones: „Der Eisblumengarten“ *+*

Jess kann einem schon leid tun. Sie leidet an einer seltenen, schrecklichen Krankheit. Zwar ist diese nicht lebensbedrohlich, aber sehr einschränkend. Die Lust und Freude am Leben hat das Mädchen trotzdem nicht verloren. Sie hat einige Hobbies gefunden, denen sie im Haus nachgehen kann. Jess´ Haut darf nicht mit Sonnenlicht in Berührung kommen, das hätte sonst üble Folgen. Das Haus kann sie also nur „in voller Montur“ – zum Schutz ihrer Haut – verlassen. Dass es sich so schlecht Freunde finden lässt, liegt auf der Hand. Und dennoch macht Jess alsbald Bekanntschaft mit zwei Jungen, die ihr schnell sehr am Herzen liegen.
Auf den einen trifft sie bei einem ihrer Kontrolltermine im Krankenhaus. Er fasziniert sie und das Mädchen sucht seine Nähe, auch bei späteren Untersuchungen. Den anderen Jungen findet sie auch eher zufällig. Denn irgendwann muss Jess mal raus aus dem Haus- ohne Schutzkleidung! Und das ist nur nachts möglich. Während sie durch die Gegend streift, findet sie plötzlich den Durchgang zum wahrlich zauberhaften Eisblumengarten, einem Ort voller Magie und Möglichkeiten. Bei einem ihrer Ausflüge dorthin wird sie gewahr, dass in diesem Garten ein Eisjunge lebt. Die beiden freunden sich an.

Diese nächtlichen Unterbrechungen ihres farblosen Lebens geben Jess Kraft, den Alltag besser zu ertragen und sie werden ihr regelmäßiges Ziel. Ich konnte mich nicht so recht mit diesen Ausflügen freuen, denn ich sorgte mich um Jess. Nachts allein im Dunkeln, so sollte keine Zwölfjährige unterwegs sein. Halbherzig wird zwar auf die möglichen Gefahren hingewiesen, aber so oft wie Jess trotz der Sorge ihrer Mutter immer wieder heimlich entflieht, sehe ich diesen Aspekt des Buches eher als Verharmlosung für die jugendlichen Leser denn als Abschreckung – aus meiner Sicht als Mutter kann ich das nicht gutheißen.

Nunja, die Verlockungen des Gartens scheinen für Jess größer zu sein als die Gefahren, und es zieht sie immer wieder zu dem Eisjungen. Als der ihr einen wahren Freundschaftsdienst erweist, den sie nur zögernd annimmt, gerät die Welt aus ihren Fugen. Für sie zum Positiven, für jemand anders zum Negativen. Und diese nicht plausible Wechselwirkung habe ich an keiner Stelle nachvollziehen können. Denn die beiden Aspekte, um die es geht, sind nicht wie die Schalen einer Waage unverbrüchlich miteinander verbunden, sondern völlig losgelöst voneinander. Solche Unlogik ist wahrlich nichts für mich.

Diese Verwebung konnte mich zwar vom Verstand her nicht überzeugen, jedoch gefällt mir sehr die Intention, die der Autor mit seiner Geschichte verfolgt – und die würde ohne diese Verknüpfung nicht funktionieren. Die Aussage trifft also voll und ganz auf meine Zustimmung, nur die Umsetzung macht mich nicht ganz glücklich, um es einmal kurz und knapp zusammenzufassen.

Der Freundschaftsgedanke, der sich durch das Buch zieht, die Tatsache, dass man sich selbst manchmal zurücknehmen muss und raus aus der angenehmen Komfortzone kommen, um anderen Wohlbefinden und Glück zu verschaffen, gefällt mir gut. Zudem machen Kreativität und Fantasie das Leben oft schöner. Sie können dem grauen, tristen Alltag und der Mutlosigkeit einen fröhlichen, knallbunten Anstrich verpassen!!

Inhalt
Jess sehnt sich danach, wie alle anderen Kinder in die Schule zu gehen oder mit Freundinnen draußen in der Sonne zu spielen – aber Jess ist ein Mondscheinkind. Ihre Haut ist so lichtempfindlich, dass sie nur bei Dunkelheit oder in einem Schutzanzug ins Freie darf. Eines Nachts schleicht sie sich heimlich aus dem Haus und entdeckt einen zauberhaften Garten, der völlig aus Eis besteht. In ihm lebt sogar ein Junge aus Eis: Owen. Er und Jess werden Freunde. Bei einem von Jess‘ nächtlichen Besuchen schenkt Owen ihr eine Muschel aus Eis – und Jess ist auf wundersame Weise plötzlich geheilt. Doch der Eisblumengarten beginnt zu schmelzen und auch Owen wird von Mal zu Mal weniger. Und irgendwann begreift Jess, dass sie ihren Freund nur retten kann, wenn sie das kostbare Geschenk zurückgibt …
Ein Roman über Freundschaft und die heilende Kraft der Phantasie, in der Traum und Wirklichkeit miteinander verschmelzen. »Der Eisblumengarten« ist eine zarte und berührende Lektüre und eine Hymne auf das Leben.

Autor
Guy Jones wurde in Botswana geboren, wuchs in Bedfordshire, England, auf und lebt heute mit seiner Frau und Stieftocher in St. Albans, England. Er verbrachte ein Jahrzehnt damit, fürs Theater zu schreiben, bevor er mit »Der Eisblumengarten« sein erstes Kinderbuch schrieb, das die englischen Leser sofort begeisterte.
Quelle: Fischer Verlage

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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