*+* Melisa Schwermer: „So tödlich die Stille“ *+*

Der neue Thriller von Melisa Schwermer startet mit einem intensiven Prolog, der mir bald das Herz stehen und mich Tränen vergießen ließ. Beim vierten Fall der Reihe um Fabian Prior packt die Autorin ein wahrlich heißen Eisen an: Kindesmisshandlung. Sie erspart den Lesern zwar großes Blutvergießen, aber was hier abgeht, ist noch viel schwerer zu ertragen als die offensichtlichen Gemetzel, die eine andere Kategorie der Spannungsliteratur auszeichnen. Ich schwankte zwischen Entsetzen, Ohnmacht und Hilflosigkeit, war gefangen in der Geschichte mit ihrem fesselnden Verlauf und grausamen Wahrheiten.

Während des Prologs machte ich mir automatisch ein Bild aller beteiligten Personen, zog meine Schlüsse – und revidierte sie wieder, als die eigentliche Geschichte schließlich begann. Meine Sympathien waren verteilt, daher meine Fassungslosigkeit groß, als das, was geschah, sich wie ein Teppich des Grauens vor mir ausbreitete. So furchtbar die Entwicklungen bis dahin auch waren, die Tragödie, die sich anschließend zutrug, hätte nicht zwangsläufig passieren müssen. Der Fall machte mich besonders betroffen, weil er stellvertretend für so manches Unglück in der Realität steht, das verhindert werden könnte, wenn die Menschen nicht mit Scheuklappen durch die Welt laufen würden, das Herz verschlossen vor dem Schicksal der anderen, stattdessen angefüllt von Gleichgültigkeit und Egozentrik. Die Autorin sticht in „So tödlich die Stille“ in so manche Wunde unserer gegenwärtigen Gesellschaft, reißt einige von ihnen ein Stück weiter auf. So schenkt dieser Thriller nicht nur einige fesselnde, spannende und teilweise verstörende Lesestunden, er stößt auch das Gedankenkarussell an und macht – zumindest mich – sehr nachdenklich.

Diese Verwebung der verschiedenen Ebenen ist Melisa Schwermer grandios gelungen. Ich mag bisher alle Teile ihrer Reihe sehr ( So….), aber dieser Band ist für mich der absolut beste. Psychothrill meets Reality! Vor allem für mich als Mutter ist der Fund des toten Jungen nur schwer zu begreifen und ich musste unbedingt die Hintergründe erfahren. Die Dinge sind nicht immer, wie sie auf den ersten Blick scheinen, so ist in diesem Fall das ertrunkene Kind nur die Spitze des Eisbergs. Das, was sich im Verborgenen abspielt und im Vorfeld zugetragen hat, ist von großem Ausmaß und Intensität, und wenn man genau hinsieht, ist der tote Junge nicht das einzige Opfer.

Alles klärt sich zum Schluss auf, auch der Prolog bekommt im Nachhinein einen ganz anderen Stellenwert, und lässt mich klar sehen. Ein „Ende gut, alles gut“ ist es dennoch beileibe nicht. Aber zumindest wurde durch die klugen Ermittlungen von Fabian Prior und seinem Kollegen gerettet, was noch zu retten war.

Der Erzählstil ist zügig und geht in die Tiefe, entwickelt einen wahnsinnigen Sog, der mich mitriss. Zum Glück hat die Autorin an gut gewählten Stellen Passagen platziert, während derer ich das zuvor Gelesene ein wenig sacken lassen konnte. So erfuhr ich den aktuellen privaten Stand von Thomas und Fabian, der sich wie ein roter Faden durch die Reihe mit seinen in sich abgeschlossenen Fällen zieht. Nebenbei schöpfte ich neue Nervenkraft für den weiteren Verlauf um den Fall des toten Jungen.

Wer Psychothriller liebt, die am Puls der Zeit spielen, sollte „So tödlich die Stille“ lesen. Neben dem wirklich spannenden, intensiven Fall mit den gut ausgearbeiteten, teils mysteriös anmutenden Figuren und überraschenden Wenden hat mich der gut eingeflochtene Bezug zur Realität überzeugt.

Inhalt
Es ist ein trüber Februarmorgen, als die Polizei in Frankfurt einen anonymen Anruf erhält. Am Mainufer wurde die Leiche eines Kindes angespült. Der ertrunkene Junge trägt nichts als einen Schlafanzug am Leib. Bei der Obduktion offenbart der Leichnam ein schreckliches Geheimnis. Die Ermittler der Kripo Frankfurt stehen vor einem Rätsel. Warum vermisst niemand das Kind und wer ist die anonyme Anruferin? Hat sie etwas mit dem Tod des verwahrlosten Jungen zu tun? Während Fabian Prior und Thomas Wendtner fieberhaft ermitteln, ahnt am anderen Ende der Stadt eine Familie nicht, dass sie längst ins Visier des Täters geraten ist.
Quelle: Amazon

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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2 Antworten zu *+* Melisa Schwermer: „So tödlich die Stille“ *+*

  1. Mikka Liest schreibt:

    Hallo,

    oje, Kindesmisshandlung geht mir als Thema auch immer sehr an die Nieren… Aber das Buch klingt sehr gut, dass muss mal auf die Merkliste.

    LG,
    Mikka

    • irveliest schreibt:

      Hallo MIkka,
      ohja, das ist vor allem für mich als Mutter ein hartes Thema. Zum Glück geht die Autorin nicht wirklich ins Detail…
      LG Heike

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