*+* Astrid Korten: „Die Akte Rosenrot“ *+*

Ibsen Bach war mal ein genialer Profiler des BKA. Als ein grausamer Unfall ihm seine Frau nahm, änderte sich alles für ihn. Denn er trug nicht nur den Verlust und körperliche Verletzungen davon, auch Seele und Verstand haben einen massiven Schock erlitten. Ibsen ist seitdem nicht mehr er selbst. Er leidet so sehr unter den Folgen des Unfalls und den Nebenwirkungen seiner Medikamente, dass er seinem ursprünglichen Job nicht mehr nachgehen kann und stattdessen Daten im Innenministerium einpflegt. Als nach einem grausamen Verbrechen am Fundort eine Postkarte für den ehemaligen Profiler gefunden wird, ist klar, dass der Mann trotz seiner unzuverlässigen Verfassung rekrutiert und zur Klärung des Falls eingesetzt werden muss. Welch weite Kreise die Ermittlungen ziehen werden, ist Ibsen noch völlig unklar. Dass sie auch in seine eigene Vergangenheit reichen werden, ebenso. Er weiß zwar längst, dass er vor dem Tod seiner Frau ein anderer war, den er seitdem vergeblich zu erspüren versucht. Aber als er begreift, dass es noch weitere, tiefgreifende, dramatische Geheimnisse um sich selbst zu lüften gibt, ist er ebenso bass erstaunt wie ich.

Während Ibsen also versucht, in seinem ursprünglichen Profiler-Dasein wieder Fuß zu fassen, und ein Gespür für seine Arbeit zu bekommen, lernen wir Leonela kennen. Sie ist eine investigative Bloggerin, beeindruckend mutig und hat mich in ihrer Beharrlichkeit, unangenehme Wahrheiten ans Licht zu bringen, immer wieder an die Autorin selbst erinnert. Auch Astrid Korten hat ein Faible dafür, Ungerechtigkeiten und Verbrechen, die gerne unter den Teppich gekehrt werden, furchtlos zu recherchieren und in Form ihrer Thriller der Allgemeinheit nahe zu bringen.
Als Leonela eine Mail mit brisantem Inhalt bekommt, ist ihre Neugier geweckt. Sie beginnt zu recherchieren und gerät tief in einen Strudel, der sie in Gefahr bringt. Leo lässt sich an keiner Stelle entmutigen. Der Wille, Unrecht aufzuzeigen, ist größer als ihre Furcht.

Mit der Zeit kristallisiert sich immer mehr heraus, dass ihr Fall und der von Ibsen Bach miteinander verwoben sind. Wie tief sie bei ihren Ermittlungen graben, wird ihnen erst ganz zum Schluss bewusst. Denn sie geraten den mächtigsten, weil unsichtbaren, Mächten Russlands in die Quere. Was das bedeutet, kann sich jeder denken.
Nun wird auch der Bezug zum Prolog klar. Der Thriller hatte mich mit seiner Eingangsszene schon sehr gefesselt und viele Fragen in meinem Kopf losgetreten, auf die es jetzt allesamt eine Antwort gibt.

Zu Beginn des Buches fand ich Ibsen Bach recht sonderbar. Sein Verhalten, sein Empfinden, die Andeutungen, die immer wieder über ihn fallengelassen wurden. Ich fand ihn sonderbar, aber gleichzeitig sehr sympathisch und liebenswert. Sein Charakter ist intensiv und brillant ausgearbeitet, er bekommt viel Raum, um seine Persönlichkeit zu entwickeln und sich selbst zu finden. Das ist wichtig, denn sonst kann man ihn als Mensch nicht verstehen, mit all den Dingen, die ihm widerfahren sind, aber auch nicht einige dem Thriller zugrunde liegenden Verbrechen in ihrer Vollständigkeit erfassen.

Die Charakterzeichnung ist aber nicht nur bei ihm sehr gelungen, auch alle anderen Protagonisten werden intensiv beleuchtet und entwickelt. Ich mochte auch Leonela sehr, die mich mit ihrer Beharrlichkeit und ihrem Mut beeindruckte, manchmal aber leider auch etwas naiv wirkte – wir sind halt alle nicht perfekt. Oder Pola, das Profiler-Pendant auf russischer Seite zu Ibsen erfreute mich mit ihrer erfrischenden Art und ihrem messerscharfen Verstand. Auch die etwas kleineren Rollen bekamen große Tiefe mit auf ihren Weg und sie alle waren greifbar, handelten plausibel und wirkten authentisch – die guten wie die bösen Akteure.

Der Erzählstil ist flott, was den Handlungsverlauf gut widerspiegelt. Oft geht es Schlag auf Schlag, hüben wie drüben, und das transportiert die Autorin sehr gut. Aufmerksames Lesen ist also von Vorteil, wenn man der Handlung lückenlos folgen will. Wirklich gut gelungen ist es Astrid Korten, ihre akribische Recherchearbeit in eine fiktive Geschichte, zu einem super spannenden, atemlosen Thriller zu verarbeiten. Die Grundlagen des Buches sind leider real, und wie empfindlich man von entsprechender Seite auf die Nachforschungen reagiert hat, lässt auf die große Brisanz des Inhalts dieses Buches schließen.

Im krassen Gegensatz zu diesen Grausamkeiten steht sie verwendete Sprache der Autorin. Sie bewegt sich auf hohem Niveau, nicht nur was den Wortschatz betrifft. Sie schreibt in einer virtuoser, poetisch gefärbten Sprachmelodie und spielt für mein Empfinden in einer Liga mit den großen Literaten.

Der Auftaktband der Reihe um Ibsen Bach ist sehr gelungen und konnte mich in allen Punkten überzeugen. Es ist ein Thriller, wie ein Thriller eben sein soll. Hochspannend, temporeich aber jederzeit gut zu verfolgen, mitreißend erzählt, stellenweise undurchsichtig, mit unerwarteten Wenden und gelungenen Charakteren sowie einer Thematik, die berührt und die in diesem Fall sogar (wie immer bei Astrid Korten) auf wahren Grundlagen und Begebenheiten fußt. Ich freue mich schon sehr auf den nächsten Fall für Ibsen Bach.

Inhalt
»Ich habe die Wut gespürt, die seinen Wahn nährt. Kein Stolz, kein Hochmut, wie sein mörderischer Vorgänger. Nur unberechenbare Wut.« Ibsen Bach
Zwei Regierungsstädte. Zwei grausame Verbrechen. Ein dunkles Geheimnis. Eiskalt und tödlich.
Ibsen ist nur noch ein Schatten des einst so brillanten und geschätzten Profilers Ibsen Bach, seit ihm vor fünf Jahren ein Unfall seine Frau Lara nahm und seine Karriere beendete. Mit den Folgen seiner Verletzungen kämpfend pflegt er im Innenministerium in Berlin Daten ein. Eines Tages wird am Tatort eines grausamen Verbrechens eine Postkarte für Ibsen gefunden, die Bezug nimmt auf eine Reihe von Morden, die einige Jahre zuvor in Berlin begangen wurden. Ibsen wird in den aktiven Polizeidienst zurückgeholt. Gleichzeitig recherchiert die Russin Leonela Sorokin, eine investigative Bloggerin in Moskau, in einer alten Vermisstensache und sticht in ein Wespennest, denn beide Fälle sind durch dasselbe dunkle Geheimnis verbunden …
Der Thriller »Die Akte Rosenrot« von Bestseller-Autorin Astrid Korten ist der Auftakt zu einer Serie um den Ermittler Ibsen Bach.

Autorin
Das geschriebene Wort begleitet Astrid Korten seit ihrer Kindheit. Die in den Niederlanden geborene Autorin schrieb mit 13 Jahren bereits ihre erste Kriminalgeschichte. Doch bevor es zu Veröffentlichungen kam, studierte sie Wirtschaftswissenschaften an der Universität Maastricht. Nach dem Verkauf ihres Pharmaunternehmens machte sie das Schreiben zum Beruf. Ihr Debütroman „Eiskalte Umarmung“ avancierte sofort zum Platz 1-Bestseller. Seitdem folgten weitere spannende, erfolgreiche Thriller und Romane in mehreren Sprachen sowie mehrere Drehbücher. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Essen.
Quelle: Piper Verlag

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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2 Antworten zu *+* Astrid Korten: „Die Akte Rosenrot“ *+*

  1. Mikka Liest schreibt:

    Hallo,

    von der Autorin liegen noch mehrere Bücher auf meinem SUB… Vielleicht sollte ich sie mal abstauben und lesen, denn das Buch hier klingt gut!

    LG,
    Mikka

    • irveliest schreibt:

      Hallo Mikka,

      bisher hat mir jedes Buch von Astrid Korten gefallen. Im Urlaub habe ich „ICH“ von ihr gelesen, fand ich auch gut.
      Liebe Maigrüße, Heike

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