*+* Chris Karlden: „Der Totensäer“ *+*

„Über zwei Jahre ist es her, dass Lucy, die Tochter von Hauptkommissar Adrian Speer, entführt wurde. Unverhofft finden sich im Zuge der Aufklärung einer Mordserie erstmals Hinweise auf ihren Verbleib. Ein ominöser Unbekannter mit dem Decknamen Sammler hat Lucy zusammen mit zwei weiteren Mädchen in seiner Gewalt. Mit Hilfe seines Partners Hauptkommissar Robert Bogner stürzt Speer sich in eine atemlose Suche. Gleichzeitig zieht ein eiskalter Mörder eine blutige Spur durch die Stadt. Als die beiden Ermittler einen Zusammenhang mit Lucys Entführung herstellen können, geraten plötzlich auch Speer und seine Familie ins Visier des Killers. Schon bald können Speer und Bogner nur noch wenigen Menschen trauen, während sich die Ereignisse gnadenlos zuspitzen und der Sammler das Schicksal der Mädchen besiegeln will.“

„Der Totensäer“ fängt da an, wo der erste Band der Reihe, „Der Totensucher“, aufgehört hat. Dessen Ende wird nach und nach detailliert erklärt. Das ist für Neueinsteiger der Reihe von Vorteil, denn so erfahren sie die Vorgeschichte, aber auch eine gute Auffrischung für diejenigen Leser, die den Auftaktband bereits kennen. Dennoch war es für mich durch die recht hohe inhaltliche Dichte im ersten Drittel manchmal eine Herausforderung, nicht nur dem roten Faden zu folgen, sondern auch die vielen Charaktere zu verarbeiten und gedanklich an den richtigen Stellen abzulegen. Hier kann ich konzentriertes Lesen nur empfehlen, denn Chris Karlden taucht nach und nach immer tiefer in das Beziehungsgeflecht einzelner Figuren und deren Hintergründe ein, dass es von Vorteil ist, wenn man weiß, wen man wo hin stecken muss.

Als ich dieses „buchige“ Nadelöhr hinter mir hatte, wurde das Verfolgen der Geschichte deutlich einfacher, die Zusammenhänge zunehmend klarer. Das Erzähltempo flachte im Mittelteil etwas ab, als Ausgleich gab es immer wieder Überraschungen und Wenden, die zumeist gewisser Machenschaften gewisser Protagonisten geschuldet waren und plausibel und logisch erklärt wurden.

Speer und Bogner haben es mit einer üblen Mordserie zu tun. Als wären die vielen Toten nicht schlimm und die Aufklärung kompliziert genug, sind die beiden zusätzlich emotional involviert, denn nach und nach schält sich ein Zusammenhang zu Lucys Entführung heraus. Und nicht nur das. Als der Täter merkt, dass man ihm indirekt auf der Spur ist, bekommen die Ermittler und ihre Familien dies am eigenen Leib zu spüren. Für Spannung ist also immer wieder gesorgt und es gab nicht wenige Szenen, in denen ich nicht nur um Lucy und die beiden anderen Mädchen in der Gewalt des Sammlers gebangt habe…

Die Aufklärung der Serienmorde führt Speer und Bogner tief in die alte Geschichte der DDR und den Folgen des Konflikts mit dem alten Klassenfeind, der noch in so manchem Kopf zu schwelen scheint. Viel Zeit, den belastenden Spuren nachzugehen, haben die beiden jedoch nicht, denn als es zu einem Zwischenfall kommt, kämpfen Speer und Bogner nicht nur gegen den Täter, sondern vielmehr gegen die Uhr.

So schwer ich ja auch zunächst in die Geschichte gekommen bin, umso fesselnder und packender wurde es, je mehr ich mich dem Ende näherte. Ich mochte das Buch kaum noch aus der Hand legen und konnte nur hoffen und bangen, dass alle Betroffenen den Wettlauf gegen die Zeit unbeschadet überstehen aus der Sache herauskommen würden!

Gut hat mir gefallen, dass nicht nur die Seite der Ermittler betrachtet wurden, sondern dass wir auch immer wieder einen Blick auf Lucy und ihre Mitgefangenen sowie den Sammler werfen konnten. Die Szenen, in denen die Situation der Gefangenen beschrieben wurden, schnürte mir das Herz ab, gleichermaßen entwickelte ich Mitleid mit dem Aufpasser, der selbst nicht Herr seiner selbst zu sein schien, was aber natürlich keine Entschuldigung für sein Handeln sein darf.

Nun bin ich gespannt, ob und wann es einen neuen Fall für Speer und Bogner geben wird – mit welchem Unrecht sie zu kämpfen haben und wie sich ihre Privatleben entwickeln werden. Denn dafür war in diesem Band aufgrund der Ereignisse kaum Zeit…

Inhalt
„Der Totensäer“ ist Teil 2 der Romanreihe rund um die Kommissare Adrian Speer und Robert Bogner, die einer Berliner Mordkommission zur Aufklärung ungelöster Fälle und besonders grausamer Verbrechen angehören. Die Kriminalfälle des Ermittlerteams sind je Band in sich abgeschlossen. Jedoch entwickeln sich die Figuren im Verlauf der Buchreihe weiter, und sie persönlich betreffende Handlungsstränge werden von Band zu Band fortgeführt. Das Buch kann aber unabhängig von Teil 1 „Der Totensucher“ gelesen werden, auch da ein kurzer Rückblick am Anfang mit dem bereits Geschehenen vertraut macht.

Autor
Chris Karlden, geb. 1971, studierte Rechtswissenschaft, arbeitet derzeit als Jurist in der Gesundheitsbranche und lebt mit seiner Familie im Südwesten Deutschlands. Von jeher hat er einen Hang zu kreativen Tätigkeiten. Bevor er sich an seinen ersten Roman wagte, schrieb er Gedichte, Kuzgeschichten, Songs und Songtexte, spielte Gitarre und beschäftigte sich mit dem Drehbuchschreiben.
Quelle: Amazon

 

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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