*+* Lilli Beck: „Wie der Wind und das Meer“ *+*

Von der ersten Seite an haben mich Paul und Sarah in ihren Bann gezogen. Paul überlebt einen grausamen Fliegerangriff und ist fortan auf sich allein gestellt. Als er auf die verwaiste Sarah, die ein Ebenbild seiner verlorenen Schwester zu sein scheint, trifft, beschließen die beiden Kinder, fortan als Geschwister ihrer Zukunft entgegen zu gehen. Wer sollte ihnen in diesen verworrenen Zeiten das Gegenteil beweisen?

Der Plan geht zunächst auf, sie finden eine liebevolle Ersatzoma. Ebenso wie die beiden dort aufblühen, ging mir mein Herz auf. Leider gibt es überall überkorrekte, Spaß verderbende Unglücksbringer, und ein ebensolcher stellte das Leben der Kinder auf den Kopf. Nach einer harten Zeit – ich litt intensiv mit Paul und Sarah – nahm das Schicksal eine schönere Wende. Alles hätte nun so schön werden können, aber die Geschwister-Lüge stand wie ein meterhoher Zaun zwischen den inzwischen jungen Erwachsenen und ihrem Glück.
Was tun? Die Wahrheit sagen und möglicherweise zum Teufel gejagt werden? Oder lieber ausharren und im Idealfall das Problem mit langem Atem aussitzen und auf das späte unbeschwerte Glück warten? Die Geschwister entscheiden sich anders als ich es getan hätte – mit fatalen Folgen.

Das gemeinsame Glück rückt in unerreichbare Ferne, aber Paul und Sarah wurden vom kleinen Ersatz-Glück eingefangen, Notlügen haben leider ihren Preis. Dass dieser so hoch sein könnte, war den beiden im Kindesalter natürlich nicht bewusst. Nun mussten sie mit den Folgen leben. Alles hätte trotzdem schön werden können – man muss schließlich aus allem das Beste machen –, aber die beiden standen sich selbst und dem anderen durch ihr Verhalten, ihre Entscheidungen und ihr Handeln immer wieder im Weg und sorgten für dramatische Entwicklungen. Ich litt, bangte, schüttelte innerlich den Kopf, weil ich die „Geschwister“ nicht aus dem Buch nehmen und schüttelte konnte, um ihnen den ihren Kopf zurecht zu rücken…. Aber jeder entscheidet anders und stellt die Weichen für die Zukunft dementsprechend, das muss man akzeptieren.

„Wie der Wind und das Meer“ hat mich gut unterhalten, an vielen Stellen berührt und nachdenklich gestimmt. Das Heranwachsen von Paul und Sarah und der Weg ihres Schicksals mit all seinen Höhen und Tiefen war intensiv beschrieben, wobei mir das Einfühlen in die jüngeren Charaktere und das Nachvollziehen ihrer Entscheidungen besser gefallen haben als bei den Heranwachsenden und Erwachsenen. Es fiel mir leicht, in diese Geschichte einzutauchen und mich auf die Entwicklungen einzulassen. Auch wenn ich die Entscheidungen der Hauptfiguren nicht immer gutheißen konnte und ich ihnen an einigen Stellen mehr Mut gewünscht hätte, mochte ich die beiden sehr und hoffte sehr, dass sie trotz allem noch vom großen Glück umfangen würden.
Wie alles endet? Das verrate ich nicht. ;-)

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Gedankenbücherei
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Sophias Bookplanet

Inhalt
München, April 1945. Nach einem verheerenden Fliegerangriff irrt der elfjährige Paul mit einem Koffer durch die Trümmerlandschaft. Auf der Suche nach einem Versteck trifft er auf ein kleines Mädchen. Sie heißt Sarah, hat wie er ihre Familie verloren – und sieht Pauls Schwester verblüffend ähnlich. Um in der verwüsteten Stadt nicht allein zu sein und von den Behörden nicht getrennt zu werden, schließen Paul und Sarah einen Pakt: Von nun an werden sie sich als Geschwister ausgeben. Ihr Plan geht auf. Doch wie hätten sie ahnen können, dass Jahre später ihre Notlüge ihr Verhängnis werden würde – und dass sie sich würden verstecken müssen, um sich lieben zu dürfen …

Autor
Lilli Beck wurde in Weiden/Oberpfalz geboren. Nach der Schulzeit begann sie in einer Autowerkstatt eine Ausbildung zur Großhandelskauffrau. 1968 zog sie nach München, wo sie von einer Modelagentin in der damaligen In-Disko Blow up entdeckt wurde. Erste Fotos in Paris. Anschließend arbeitete sie zehn Jahre lang für Zeitschriften wie Brigitte, Burda-Moden und TWEN. Sie war Pirelli-Kühlerfigur und Covergirl auf der LP Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz von Marius Müller-Westernhagen. Nach der Geburt ihrer Tochter wechselte sie hinter die Kamera als Visagistin. Zwischendurch absolvierte sie ein Schauspielstudium, war Cutter-Assistentin, bekam erste TV- und Filmrollen und begann zu schreiben. Lilli Beck lebt in München.
Quelle: Blanvalet Verlag

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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2 Antworten zu *+* Lilli Beck: „Wie der Wind und das Meer“ *+*

  1. monerl schreibt:

    Liebe Heike,
    da hast du mich mal wieder daran erinnert, dass ich das Buch schon längst mal gelesen haben wollte! Es subbt so vor sich hin… Eigentlich hätte ich es in 19für2019 packen sollen, fällt mir gerade ein. Hab´s wohl übersehen, bei den vielen RuB. hahaha
    Ich werde aber versuchen, es dieses Jahr doch noch zu lesen. Deine Rezi hat mir Lust auf die Geschichte gemacht. :-)
    GlG, monerl

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