*+* Maria W. Peter: „Melodie der Schatten“ *+*

Als Fionas Mutter stirbt, beschließt ihr Vater, sie fortan bei der Tante leben zu lassen. Auf dem Weg zu ihr gerät die Kutsche in den schottischen Highlands in einen Hinterhalt. Fiona entkommt dem Unglück, alle anderen Insassen lassen bei dem Überfall ihr Leben. Seltsamerweise werden, wie sich später herausstellt, sämtliche Spuren verwischt, sodass es unmöglich ist, Nachforschungen anzustellen, seltsam…..

Ebenso seltsam ist das Gemäuer, in das sich Fiona retten kann. Sind das, was ihr nachts im Schlaf erscheint, Traum- oder Trugbilder? Spukt es im Herrenhaus, oder suchen die junge Frau Wahnvorstellungen heim? Nicht nur Fiona, auch mir gruselte es zunehmend. Denn bei den Bildern blieb es nicht, auch drangen immer wieder seltsame Schritte und Stimmen in das Bewusstsein der Frau. Nicht zu vergessen die Melodien, die sie immer wieder heimsuchen, sich in ihrem Kopf breitmachen und sie gelinde gesagt ebenfalls an ihrem Verstand zweifeln lassen.

Wohin soll sie mit ihren Ängsten? Das junge Hausmädchen ist ein Quell an hanebüchenen Geschichten, die alteingesessene Bedienstete hingegen zieht es vor zu schweigen. Und der Hausherr? Nun, er erzeugt nicht nur bei dem unerwarteten Gast für Unbehagen, auch mir selbst lief eine Gänsehaut über den Rücken, wenn sich der Fokus auf ihn legte. Grauen und Grusel umwaberten mich, ebenso wie ein seltsam real empfundener Moderduft…

Die Autorin hat ein Talent dafür, ihre Geschichten lebendig werden zu lassen. Viele Szenen liefen wie ein Film vor meinem inneren Auge ab. Ich sah die Kulisse, das düstere, heruntergekommene Herrenhaus, den ebenso heruntergekommenen Besitzer, hörte schwermütige Musik als Untermalung, spürte Fionas Entsetzen und das Grauen, das dieses Gemäuer ausströmte. Nur die Ursache für diese schaurige Atmosphäre war mir noch nicht klar. Warum ist der Standort derart von Unbehagen umfangen? Liegt es am Hausherrn, der Sünde auf sich geladen hat? Oder leidet er selbst an den Folgen alten Unrechts? Hat alles eine belegbare Ursache, oder spukt es tatsächlich im Herrenhaus?

Die zunächst oberflächlich anmutende Ausganslage des Romans gewinnt zunehmend an Schärfe und Tiefe. Denn nicht nur das Gemäuer hat eine lange Geschichte zu erzählen…. So kann der Leser nach und nach die Hintergründe erfassen, versteht schließlich, warum sich der Hausherr so seltsam verhält und versteht, warum an diesem Ort diese einzigartige Schauerstimmung herrscht. Dabei tun sich Beziehungsgeflechte zwischen den nach und nach eingeführten Charakteren auf, die so abstrus sie auch auf unsere moderne Zeit wirken, schlüssig sind und aus dem Roman in bester Schauer-Manier eine runde Sache machen. Abgründe der menschlichen Seele tun sich auf, das Wissen über zum Himmel schreiende Ungerechtigkeiten bricht sich bahn. Und ebenso wie Fiona diese schmerzvollen Wahrheiten erfährt, erfährt sie auch die Wahrheit über sich selbst.

Die Charaktere sind mehrschichtig konstruiert. Einer Zwiebelschale gleich löst sich bei einigen Figuren Schicht um Schicht und wir können schließlich in ihr Inneres blicken und den unverfälschten Charakter ergründen. Das sorgt an vielen Stellen für Wenden in der Handlung und wirft schlussendlich ein ganz andere Licht auf die Protagonisten.
Die düstere Atmosphäre, die immer wieder an Schauergeschchten in bester Tradition erinnert, ist grandios herausgearbeitet. Die Kulisse, das Wetter, die Lage, die Darstellung der Charaktere, die Einarbeitung von Mythen und Legenden umgeben den Roman mit einem Nebel des Grauens. Einen großartigen Bezug zur Realität, der die Geschichte schließlich aus der fiktiven Ecke herausholt, ist die Einarbeitung des dunklen Kapitels der schottisch-australischen Geschichte und ihrer Folgen.

„Die Melodie der Schatten“ ist flüssig geschrieben, an einigen Stellen etwas in die Länge gezogen, was meiner Ungeduld nicht zuträglich war. Der einnehmende Stil, die trotz der Umstände sympathischen oder zumindest interessanten Personen, die wachsende Neugier auf die Auflösung ließen mich durch die Seiten fliegen und mit den Hauptfiguren bangen, leiden und hoffen.

Inhalt
Schottland, 1837: Die junge Fiona Hemington ist auf dem Weg zu ihrer Tante in den Highlands, als ihre Kutsche in einen Hinterhalt gerät. Halbtot vor Angst und Erschöpfung schlägt sie sich bis zu einem abgelegenen Herrenhaus durch. Doch der Besitzer ist Fiona ebenso unheimlich wie das alte Gemäuer. Nachts quälen sie dunkle Traumbilder und seltsame Geräusche: Schritte, Stimmen, eine wiederkehrende Melodie. Liegt tatsächlich ein Fluch auf dem Haus, seit die gälischen Pächter gewaltsam vertrieben wurden? Oder ist Fiona dabei, den Verstand zu verlieren?
Eine junge Frau auf der Flucht, ein Landstrich voller Mythen und Legenden und ein geheimnisumwobenes Herrenhaus. Ein Historischer Roman in der Tradition der Schauerliteratur – unheimlich packend und atmosphärisch.

Autorin
Maria W. Peter ist seit Langem von Amerika begeistert. Während ihres Studiums der Amerikanistik und Anglistik war sie Mitglied eines amerikanischen Chors auf dem Militärstützpunkt in Kaiserslautern und pflegte intensive Kontakte zu amerikanischen Familien. Später lebte sie in Columbia, Missouri, wo sie als Fulbright-Stipendiatin die School of Journalism besuchte. Dort erlag sie endgültig der Faszination amerikanischer Kultur und Geschichte. Schon zu Studienzeiten arbeitete Maria W. Peter als Journalistin. Heute ist sie als freie Autorin tätig und pendelt zwischen dem Rheinland und dem Saarland.
Quelle: Bastei Lübbe Verlag 

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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