*+* Frank Goldammer: „Roter Rabe“ (Hörbuch) *+*

In seinem vierten Fall ist Max Heller einem Wust an Verwirrungen, Verdächtigen und überraschenden Wendungen und Wahrheiten ausgesetzt. Wir schreiben den September 1951, als in einem Untersuchungsgefängnis zwei Inhaftierte tot aufgefunden werden. Niemand ahnt, welch weiten Kreise diese Todesfälle nach sich ziehen werden. Die Polizei ermittelt und gerät in einen Strudel an Unklarheiten und Vermutungen. Diesen Gordischen Knoten gilt es zu entwirren und Max Heller wäre nicht Max Heller, wenn er diesen nicht lösen würde.


Sein Weg ist jedoch schwer, von Rückschlägen und einigen bösen Überraschungen, auch von ganz und gar unerwarteter Stelle, gesäumt. Erschwerend kommt hinzu, dass er auch privat eine schwierige Phase durchlebt, denn seine Frau Karin ist zu Besuch beim Sohn im Westen, während Heller sich neben dem Fall, der ihm alles abverlangt, auch noch um seine Tochter und die alternde Nachbarin kümmern muss. Und die sorgt für eine große Veränderung, als sie vorübergehend eine frühere Bekannte bei sich aufnimmt, die sich auffallend nett um Heller und seine kleine Tochter kümmert. Der potentielle Sprengstoff lauert also nicht nur im Fall. Darüber hinaus kommt es zu unschönen Verwicklungen mit den Russen, respektive mit einem von ihnen…

Neben einem spannenden, zwar verworrenen, aber gut durchdachten vierten Fall für Max Heller hat der Autor wie gewohnt lebendig, intensiv und hautnah die Situation des damaligen Deutschlands skizziert, vor allem der russischen Besatzungszone. Die verhärteten politischen Fronten Gesamt-Deutschlands und der Alliierten werden immer wieder thematisiert, das Gespenst der Teilung des Landes geistert in den Köpfen der Menschen herum, der Kalte Krieg ist im Gange und macht Angst vor einem erneuten realen Kampf. Das alles erleichtert die allgemeine Lage nicht unbedingt. Vor dieser Kulisse, vor dieser angespannten Stimmung muss Heller einen kühlen Kopf bewahren, fair bleiben, der Wahrheit auf der Spur, und schließlich auch selbst seinen Kopf aus der Schlinge ziehen. Für Spannung ist also wahrlich gesorgt!

Die bekannten Charaktere bleiben sich treu, entwickeln sich glaubhaft und handeln nachvollziehbar. Besonders gut hat mir gefallen, dass Max Heller unter schwierigsten Umständen und hohem – auch persönlichem – Druck wieder Rückgrat beweist. Die für den Fall relevanten Figuren sind ebenfalls intensiv und in sich schlüssig ausgearbeitet, auch oder weil sie gelegentlich für unerwartete Wenden sorgen.

Vor allem hat mich wieder begeistert, wie intensiv man mit Worten eine historische Kulisse und entsprechende Atmosphäre erschaffen kann. Ich sah, fühlte und empfand mit den Protagonisten, vor allem mit Heller und seiner Tochter, und hoffte schon allein diesen beiden zuliebe, dass sich alles zum Guten wenden würde. Sowohl die persönliche Lage als auch die Ermittlungen im Verbrechen.

Durch diesen spannenden Fall mit seinen gelungenen Charakteren vor dem gut ausgearbeiteten geschichtlichen Hintergrund trug mich der flüssige, lebendige, gefällige Schreibstil des Autors.

Auch dem Sprecher gebührt ein Teil meiner positiven Bilanz. Denn Heikko Deutschmann verkörpert Max Heller einmal mehr extrem glaubwürdig. Auch gebührt ihm Lob und Dank für seine lebendige Umsetzung des Romans. Wie schon in den vorherigen Bänden geschehen, schafft er es erneut, ein großartiges Kopfkino zu erzeugen. Er hat ein gutes Gespür für die Stimmungen und verschiedenen Charaktere und macht aus diesem Krimi ein tolles, intensives Hörerlebnis.

Weitere Meinungen zu „Roter Rabe“ – in Buchform (erschienen im dtv) – findet ihr bei
Nichtohnebuch
und
Zwiebelchens Plauderecke

Inhalt
Dresden, September 1951: Im Untersuchungsgefängnis der Polizei werden zwei Inhaftierte in ihren Zellen tot aufgefunden. Die offensichtlichen Hinweise lassen auf Selbstmord schließen, doch Kommissar Max Heller ahnt bereits, dass mehr dahintersteckt. Warum nahmen sich die beiden genau zur gleichen Zeit das Leben? Welche Rolle spielt ihre Zugehörigkeit zu den Zeugen Jehovas? Und wie viel Wahrheit steckt in den Gerüchten über amerikanische Spione, die sich unter ostdeutsche Behörden gemischt haben sollen?Im DAV erscheint nun der vierte Krimi von Frank Goldammer als ungekürzte Lesung, fesselnd vertont von Heiko Deutschmann!
»Etwas soll hier geschehen. In dieser Stadt. Ich habe keine Ahnung was.«
Auch im vierten Teil seiner Besteller-Krimireihe gelingt Frank Goldammer ein eindrucksvolles Porträt des geteilten Deutschlands, das im Hörbuch mit Heiko Deutschmann hautnah spürbar wird: Konflikte zwischen den Alliierten verhärten die Fronten zwischen BRD und DDR, über den Köpfen der Bevölkerung schwebt leise die allgegenwärtige Angst vor dem Ausbruch eines neuen Krieges.
Und mitten drin Max Heller, der seine Frau für zwei Wochen in den Westen und damit ins Ungewisse verabschieden muss, während er in seinen Ermittlungen um seine eigene Glaubwürdigkeit kämpft. Denn der Fall der beiden toten Gefängnisinsassen stellt auch ihn und seine Kollegen unter Mordverdacht bei den sowjetischen Machthabern – und das soll nicht das einzige Problem bleiben…

Autor
Frank Goldammer, 1975 in Dresden geboren, ist Maler- und Lackierermeister. Mit Anfang 20 begann er zu schreiben, verlegte seine ersten Romane im Eigenverlag und schrieb drei erfolgreiche Regionalkrimis über Dresden und Umgebung. Mit seinen historischen Krimis um Kommissar Max Heller hatte er 2016 den Durchbruch und gelangt seitdem regelmäßig auf die Bestsellerlisten. Die Krimis sind auch bereits in den USA und Großbritannien erschienen sowie in weitere Länder verkauft worden. Frank Goldammer ist alleinerziehender Vater von Zwillingen und lebt mit seiner Familie in Dresden.

Sprecher
Für seine außergewöhnliche Sprecherleistung erhielt Heikko Deutschmann 2006 den Sprecher-Preis »Osterwold«. 2007 stand er erneut für eine »Tatort«-Episode sowie für weitere Krimiserien wie »Unschuldig?!« und »Der Kriminalist« vor der Kamera.
Quelle: Der Hörverlag

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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