*+* Claudia Pietschmann: „Leben rückwärts lieben“ *+*

Nina hatte einen schweren Unfall, lag sogar im Koma. Nun ist sie wieder bei Bewusstsein! Mit etwas wackeligen Beinen kehrt sie zurück ins Leben. Dass nun vieles anders ist als vorher, liegt auf der Hand. In manchen Bereichen muss sie sich wahrlich zurückkämpfen, denn die schweren Hirnverletzungen haben viele von Ninas Fähigkeiten geraubt. Zudem scheinen ihr hin und wieder Sinneswahrnehmungen, rätselhafte Vorausahnungen und Erinnerungen kleine Fallen zu stellen. Liegt das alles nur an den Folgen des Unfalls?

Zunächst beschlich mich ein ganz anderes Gefühl, das gestützt durch den Aufbau des Jugendbuchs und dessen Entwicklungen immer stärker wurde. Als es sich zum Schluss bewahrheitete, hatte ich trotzdem nicht das Gefühl, einen Roman mit vorhersehbarem Verlauf gelesen zu haben, denn Claudia Pietschmann verknüpft diese Erahnbarkeit mit einem grandiosen Knaller, bei dem mir ein wenig die Spucke wegblieb! So begeisterte mich „Leben rückwärts lieben“ schließlich durch seinen gelungenen und zugleich ungewohnten Aufbau inklusive des alles auf den Kopf stellenden Effekts am Ende, aber auch durch seine starken Charaktere.

Die Hauptperson Nina steht natürlich im Mittelpunkt. Überzeugend wird geschildert, wie sie sich nach dem Unfall, respektive zurück im Leben fühlt, wie schwer es ihr fällt, wieder in den Alltag hineinzufinden, welche Stolpersteine ihre darniederliegenden Fähigkeiten ihr immer wieder bereiten, welche Erinnerungslücken sie hat und wie sehr sie – und auch mich – ihre Vorausahnungen verwirren. Der Autorin gelingt es – nicht nur bei Nina – immer wieder ein Gefühl des Geheimnisvollen zu erzeugen, wodurch mein Empfinden in einen leichten Nebel eingehüllt wurde. Viele Gedanken sprangen mir dabei im Kopf herum. „Was wäre, wenn….“, „Kann es vielleicht sein, dass….“ – welche mich zu kühnen Überlegungen führten, was Ninas Schicksal betraf. Das Mädchen war mir sehr sympathisch, ich fühlte mit ihr, fieberte mit ihr, wunderte mich aber ebenso oft über sie.

Ebenfalls gut gelungen ist Arthur, ihr Freund…oder doch nicht ihr Freund? Kurz vor dem Unfall, der alles auf den Kopf stellte, war er es und nun, wo Nina sich zurück ins Leben kämpft, gibt er vor, sie nicht zu kennen. Seltsam, oder? Aber auch Arthur mochte ich sehr, denn lässt man einmal die Tatsache außen vor, dass Nina mit ihm zusammen war – und wer weiß, ob ihr nicht vielleicht ihre Erinnerungen etwas vorgaukeln, denn wie soll man sich sein Verhalten sonst erklären? -, ist er ein sehr angenehmer, zuvorkommender, liebevoller junger Mann, den man einfach nicht nicht mögen kann.
Auch die „Nebenfiguren“, Ninas Eltern, ihre Klassenkameraden und andere Charaktere, sind ihrer Wichtigkeit für die Geschichte entsprechend gut und greifbar ausgearbeitet.

Sensationell wirkte durchweg die Atmosphäre auf mich. Die Autorin riss mich als Leser so intensiv mit, dass ich mir das Hirn zermarterte, wieso die Dinge sind, wie sie sind. Zudem konstruiert sie einen überzeugenden Spannungsbogen, auf dem ich mit angehaltenem Atem über die Seiten balancierte, und mehr als erleichtert war, als ich das positive Ende meines nervenaufreibenden Lese-Balance-Akts erreicht hatte. Denn was mich hier erwartete, war einfach nur wow!

Inhalt
Nina erwacht aus dem Koma. Sie hatte einen Unfall, daran erinnert sie sich ganz genau – doch ihre Eltern und ihre Freunde widersprechen. Nichts von dem, was sie erzählt, sei wahr. Aber Nina hat Bilder im Kopf, Bilder von einer Bergtour, einem Haus und einem Jungen, in den sie verliebt ist. Keiner ihrer Freunde weiß, wovon sie spricht. Da steht der Junge plötzlich vor ihr: Arthur. Er kennt Nina nicht, doch all die Erlebnisse in ihrem Kopf treten nun genauso ein, wie sie sich erinnert. Nina kann sich dem gefährlichen Sog von Arthur und den Bildern nicht entziehen … und muss den Unfall verhindern, der ihr in der Erinnerung bereits zugestoßen ist.

Autorin
Claudia Pietschmann, 1969 in der Mark Brandenburg geboren, verbrachte ihre Kindheit und Jugend inmitten zahlloser Bücher. Sie studierte in Berlin Betriebswirtschaftslehre und arbeitete anschließend als Marketingberaterin und Werbetexterin. Mit dem Träumen beschäftigt sich die Autorin schon lange. Es ist ihr sogar gelungen, das Luzide Träumen zu erlernen, genau wie die Figuren in ihrem Debutroman „GoodDreams“.
Quelle: Arena Verlag

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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