*+* Axel Brauns: „Buntschatten und Fledermäuse“ *+*

Autismus ist ein Begriff, den inzwischen fast jeder kennt, aber was genau sich dahinter verbirgt, wissen nicht viele. Das ist nicht verwunderlich, denn jeder Autist ist anders, sie Bandbreite des „Andersseins“ spannt sich wie ein elastisches Gummiband.
Es gibt einige Gemeinsamkeiten, aber auch viele individuelle Aspekte. Mein älterer Sohn ist Autist und manchmal habe ich das Gefühl, dass er alles genau andersherum sieht. Für ihn ist er „normal“ und der Rest der Welt ist „anders“. Ähnlich empfand es auch Axel Bruns oft, der Autor des Buches, das ich heute vorstellen möchte.

Der Autor erzählt in „Buntschatten und Fledermäuse“ von seiner Zeit als Kind und Jugendlicher. Er erinnert sich an Ereignisse, Begebenheiten, die er inzwischen als Erwachsener ganz anders einzustufen und zu sehen vermag als damals. Dabei erklärt er sehr gut, was der Buchtitel zu bedeuten hat. „Buntschatten“ sind die Menschen, die bei ihm Wohlbefinden erzeugen, bei denen er sich sicher fühlt, die berechenbar sind. „Fledermäuse“ sind die anderen. Der Leser begreift recht schnell, wie seltsam ihm für uns völlig normale Dinge waren bzw. sind. Die Verknüpfungen zwischen vielen Dingen sind anders, empfundene Emotionen, sofern vorhanden, ebenfalls. Hinzu kommen die manchmal anders funktionierenden Sinneseindrücke. Sollte sich jemand fragen, warum Autisten oft anderen Menschen nicht ins Gesicht, vor allem nicht in die Augen sehen, lernte ich in diesem Buch, dass sie oft Gesichter gar nicht detailliert erkennen können. Eine Tatsache, die auch mir neu war, denn mein Sohn sieht andere Menschen direkt an und schaut nicht an ihnen vorbei. Er kann die Feinheiten des Gesichts erkennen, viele andere aber eben nicht. Jeder ist halt anders, auch innerhalb dieses Störbildes, wie es offiziell heißt. So gibt es noch viele weitere Dinge des Andersseins, die für die Betroffenen völlig normal sind, aber nicht in die allgemeingültige Welt passen. Das führt verständlicherweise immer wieder zu Diskrepanzen, Streit und Unverständnis.

Der Autor erzählt für einen Autisten überraschend einfühlsam – wieder ein Punkt, der nicht auf alle zutrifft – aus seinem Leben, teilt seine Erinnerungen mit dem Leser, erweitert dessen Horizont sehr. Man muss sich allerdings einlassen wollen auf diese partiell andere Welt, sonst wird man kein Verständnis aufbringen können – und das hat Axel Bruns stellvertretend für alle anderen Autisten sehr verdient. Denn bei den Einschränkungen und Nachteilen, denen sie ausgesetzt sind, haben sie andererseits auch Eigenschaften, die eher positiv einzustufen sind.

„Buntschatten und Fledermäuse“ ist ein tolles Buch, das unbedarfte Leser in die Welt des Autismus einführt und den Effekt des Augen Öffnens hat. Für Diejenigen, die schon Berührungspunkte mit diesem Störbild hatten, ist es eine gute Ergänzung für das Hintergrundwissen und für die Toleranzbildung.

Inhalt
Wie aus dem »Dummbart« ein »Schlauberger«, aus dem Sprachlosen ein Dichter wird, wie ein »Gefühlstauber« den Autismus durchbricht: Axel Brauns‘ Erinnerungen geben einen erstaunlichen Einblick in eine andersartige Welt. Faszinierend, aufregend, verstörend.

Inhalt
Axel Brauns wurde am 183. Tag des Jahres 1963 in Hamburg geboren. 1984 brach er sein Jurastudium ab, um Schriftsteller zu werden. Für seine Geduld im Kampf gegen den Autismus wird Axel Brauns belohnt: Für einen Auszug aus »Buntschatten und Fledermäuse« gewann er den Förderpreis der Stadt Hamburg 2000. Im Sommer 2002 hat Axel Brauns seine Ausbildung als Steuerfachangestellter abgeschlossen.
Quelle: Randomhouse 

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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