*+* BC Schiller: „Mädchenschuld“ *+*

Lena ist mit ihrer Tochter Jenny und Freundin Katja auf einem Rummelplatz in Palma de Mallorca. Zum Abschluss ihres Ausflugs will sie ihrem kleinen Wildfang einen Luftballon bei einem Clown kaufen, während Katja sich um Eis für alle kümmert. In einem hektischen, unachtsamen Moment verschwindet das Kind. Es ist unauffindbar – und auch den Clown will niemand außer Lena gesehen haben. Das ist der Stoff, aus dem die Albträume einer Mutter gestrickt sind….

Meine Kinder sind älter als Jenny, sodass uns speziell dieses Szenario nicht mehr treffen kann. Dennoch konnte ich mir gut vorstellen, wie es in Lena aussah und wünschte ihr von Herzen, dass bald ihre Tochter gefunden und sich alles zum Guten wenden würde. Natürlich ist mir klar, dass wir uns in einem Thriller, einer fiktiven Erzählung befinden. Jedoch haben die Autoren ihre Figuren aus so lebendigem Material geschnitzt, dass sich während des Lesens hier Realität und Phantasie zu verwischen scheinen. Zudem weht durchweg ein kleiner Konfettiregen mallorquinischen Lokalkolorits durch die Seiten, sodass man sich leicht wie vor Ort fühlt.

Unzählige Fragen wirbeln durch meinen Kopf… Wie kann ein Kind nur so schnell verschwinden? Wo war eigentlich Jennys Vater? Wer ist Jennys Vater? Warum wirkt Lena – auch schon vor dem Verschwinden des Kindes – so bedrückt und innerlich unruhig? Warum hat sonst niemand den Clown gesehen? Und hätte Katja nur nicht gerade jetzt das Eis kaufen müssen, dann hätte dieses Unglück doch nicht geschehen müssen…

Während des Weiterlesens klären sich zwar die Fragen, aber es kommen zwischendurch auch viele weitere hinzu. Denn Barbara und Christian Schiller erzählen mehrsträngig. Sie fesseln ihre Leser auf mehreren Ebenen an ihre Geschichte, stellen weitere Handlungsträger und -orte vor. So fühlte ich direkt mit der namenlosen, schwangeren Frau mit, die – Liebe macht blind – in eine grausame Ehe rutschte, begleitete Svenja auf ihren journalistischen Streifzügen in der Sache „Jennys Verschwinden“ und bewunderte sie ein Stück weit dafür, dass sie sich nicht dem reißerischen Journalismus verschrieben hatte, sondern ihr Herz für Mutter und Kind an erster Stelle stand. Denn wichtiger als die lang ersehnte Festanstellung bei der Zeitung war es ihr, zur positiven Aufklärung des Verbrechens beizutragen. So unterstützt sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten das Team der Polizei, Garcia und Ana, bei ihren Ermittlungen.

Über Garcia erfährt man weniger, über Ana schon mehr. Sie kommt aus armen Verhältnissen, hat sich zielstrebig nach oben gekämpft, wodurch sie gelegentlich einen zweiseitigen Blick auf so manches Verbrechen bekommt. Dass ihr Cousin Luca auf der schiefen Bahn gelandet ist, konnte sie leider nicht verhindern. Um sein Wohlergehen bangt sie ebenso wie um das ihrer Schwester, die durch lang vergangene Geschehnisse ebenfalls Grund zur Sorge gibt. Da „Mädchenschuld“ der Auftakt einer mallorquinischen Thriller-Reihe ist, freute es mich sehr, das Ermittlerduo – die Journalistin Svenja und die Chefkommissarin Ana -, intensiv kennenzulernen.

Ebenso umfassend – wenn auch zunächst oftmals eher kryptisch für den Leser – widmen sich die Autoren den weiteren Protagonisten. So werden oft Szenen eines Sohnes und seines Vaters eingeflochten, die ganz klar im Zusammenhang mit dem Prolog stehen müssen….aber wie hängt das alles mit den anderen Handlungsebenen und deren Charakteren zusammen?

Alles wird letztendlich schlüssig und logisch aufgeklärt, ein doppelter Showdown ließ mir dabei den Atem stocken…. Auch sonst verstehen es die Schillers, den Spannungsbogen der Geschichte(n) raffiniert aufzuziehen. Kleine Cliffhanger innerhalb und am Ende der Kapitel, Andeutungen, Holzwege, Rückblicke, das alles verwirrte mich und klärte zugleich die Sicht auf die Dinge.

„Mädchenschuld“ war ein 24-Stunden-Thriller, denn ich habe ich das Buch innerhalb eines Tages verschlungen. Ich wollte Jenny finden und alles Unrecht, was sonst noch geschehen ist, aufgeklärt wissen…
Sehr gut hat mir gefallen, dass für diese grandiose Spannung, dieses Atemlos-Lesen, kaum Gewalt und Blutvergießen nötig sind. Hier spielt sich das wahre Drama im Kopf des Lesers ab – und zwar gewaltig!

Mit „Mädchenschuld“ ist BC Schiller ein klasse Auftakt zu einer vielversprechenden neuen Serie gelungen und allen Thrillerfans, die es unblutig, aber dennoch spannend, verworren und dramatisch mögen, möchte ich diesen neuen Streich der Autoren ans Leseherz legen!

Inhalt
„Möchte dein Teddybär noch einen Zaubertrick sehen?“, fragte der Clown.
Das kleine Mädchen nickte und starrte gebannt auf den blutroten Mund.
Dann nahm der Clown das Kind an der Hand und verschwand mit ihm in der Dunkelheit.“
Für einen kurzen Augenblick lässt Lena Mayer ihre kleine Tochter Jenny auf einem Rummelplatz in Palma de Mallorca aus den Augen und das Kind verschwindet spurlos. Die Mutter erinnert sich an einen Clown, doch niemand sonst hat ihn gesehen. Als die spanische Kommissarin Ana Ortega den Fall übernimmt, stößt sie bald auf merkwürdige Ereignisse. Gemeinsam mit der deutschen Journalistin Svenja Haverkamp verfolgt Ana eine Spur, die tief bis in ihre eigene Familie führt.
Und welch schwere Schuld hat der alte Bankier Justus von Grunwald auf sich geladen, der in der Nacht oft ein Grab in Hamburg besucht?
Ana und Svenja kommen dem Entführer der kleinen Jenny näher, doch ahnen beide noch nichts von der menschlichen Tragödie, die dahintersteckt …

„Mädchenschuld“ ist der erste Teil einer neuen Serie mit dem ungleichen Frauen-Duo Ana Ortega und Svenja Haverkamp.

Autoren
Barbara und Christian Schiller schreiben als B.C. Schiller packende Thriller, die fesseln und mitreißen. Sie gehören zu den erfolgreichsten Spannungs-Autoren im deutschsprachigen Raum und mehr als 1.400.000 Leser waren bereits von den spannenden Romanen begeistert.
Quelle: Thalia.de

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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2 Antworten zu *+* BC Schiller: „Mädchenschuld“ *+*

  1. monerls schreibt:

    Liebste Heike,
    so toll, dass man hier wieder kommentieren kann! Seit wann das so ist, ist an mir irgendwie vorbei gegangen.

    Das hört sich total klasse an! Und in 24 Std auslesen ist absolut genial! Werde mir den Thriller gleich mal laden. Danke! Ist das auch wieder im Selfpublishing vertrieben?

    GlG umd einen schönen Feiertag,
    monerl

    PS.: Werde einiges an Kommentaren hier jetzt nachholen! 😄

    • irveliest schreibt:

      Liebes Monerl,
      die Reihe erscheint wohl im Auftrag von Thalia, wo es den Thriller zunächst exclusiv gibt, wird aber nach drei Monaten überall erhältlich sein, wenn ich das richtig verstanden habe.
      Auja, komm gern vorbei! Ich muss auch wieder regelmäßiger auf Stöbertour gehen….irgendwie hatte ich mehr Zeit dazu, als die Kids kleiner waren. *g*

      Liebste Feiertagsgrüße zurück!!
      Heike

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