*+* Chris Karlden: „Das Medikament“ *+*

Jan leidet an Narkolepsie. Durch diese Krankheit findet er nachts kaum Ruhe, tagsüber hingegen plagen ihn spontane Einschlafattacken und Halluzinationen. Daher ist es verständlich, dass er nach reiflichem Überlegen das Angebot annimmt, das ihm durch eine Email zukommt. Jan könne sich als Testpatient für ein Medikament gegen Narkolepsie zur Verfügung stellen. Mögliche Nebenwirkungen seien eine vorübergehende Verschlechterung des Krankheitsbildes. Jan wagt den Versuch, denn so kann und will er nicht mehr weiterleben. Er ist glücklich mit seinem Leben, hat eine liebevolle Ehefrau, mit der er gerne eine Familie gründen will. Doch zunächst möchte er gesund und wieder arbeitsfähig werden. Seinen Job als Anwalt in einer renommierten Kanzlei musste er durch die Erkrankung nämlich an den Nagel hängen.

Jan beginnt mit der Einnahme des Medikaments und schon bald geschehen merkwürdige Dinge. Der Mann tat mir so leid, denn er schien ein echt netter Kerl zu sein. Und solchen wünsche ich immer nur das Beste. Hier wurde der Wunsch scheinbar nicht erhört. Jan gerät unverschuldet von einer Stresssituation in die nächste und das, obwohl der den Versuch leitende Arzt ihm dringend von jeglicher Aufregung abgeraten hat. Aber was soll man tun, man hat schließlich nicht alles selbst in der Hand… Oder war etwa gar nichts geschehen und Jan lediglich Opfer der Nebenwirkungen geworden? Sollten seine Beobachtungen und Erinnerungen gar Sinnestäuschungen sein, eine Ausgeburt der Phantasien seines behandelten Gehirns, das auf den Wirkstoff überreagiert?
Ganz nahe an Jan und sein dramatisches Schicksal hat mich neben der intensiven, mitreißenden Erzählweise auch die Form des Ich-Erzählers gebracht – ein kluger Schachzug des Autors, denn so fieberte und bangte ich noch mehr mit und um seine Hauptfigur.

Chris Karlden hat bei seinem Thriller einen großartigen Job gemacht. Ich war so verwirrt wie sein Patient, wusste nicht, was ich glauben konnte und was nicht. Wusste nicht, wem ich trauen konnte und wem nicht. Einen kleinen Verdacht hatte ich schon bald, aber in diesem Gewirr aus Lug, Betrug und Täuschung revidierte ich meine Gedanken immer wieder aufs Neue.
Die Charaktere sind brillant ausgearbeitet. Sowohl die Hauptfigur selbst mitsamt seiner Gedanken, Gefühle und seiner einfach nur liebenswerten Art als auch seine Frau Barb, Freunde, Nachbarn, der betreuende Arzt und die weiteren Protagonisten – ich konnte mir von allen ein umfassendes und intensives Bild machen. Dachte ich, bis ich Irrung über Wirrung, Wende über Überraschung immer wieder meine Eindrücke neu überdenken musste und das schockierende Beziehungsgeflecht begriff.

Trotz der Flut an Wenden verliert der Autor weder den Überblick noch den roten Faden. Jedes kleinste Detail wird sinnvoll zum Ende gebracht, schließlich ist alles logisch und sehr sympathisch aufgeklärt. Keine Frage bleibt offen und das Ende ist einfach nur perfekt – für meinen Geschmack.

Sehr gut gefallen hat mir ebenfalls der chronologische, einsträngige Erzählstil. Durch die vielen Überraschungen wohnt dem Thriller schon ausreichend Bewegung inne, eine Mehrsträngigkeit wäre mir vermutlich zu viel des Guten gewesen.

Inhalt
Aufgrund einer seltenen Erkrankung verschwimmen für den jungen Anwalt Jan Flemming zunehmend die Grenzen zwischen Realität und falscher Wahrnehmung. Seinen Job in einer renommierten Hamburger Kanzlei musste er deshalb bereits aufgeben. Zudem droht seine Ehe unter der Last der immer schlimmer werdenden Symptome zu zerbrechen. Da er seine Frau nicht verlieren will, stellt er sich als Testpatient für ein Heilung versprechendes Medikament zur Verfügung. Kurz darauf passieren schreckliche Dinge, in die Jan verstrickt zu sein scheint. Um seine Unschuld zu beweisen, ermittelt er auf eigene Faust. Dabei stößt er auf Erkenntnisse, die ihn zutiefst schockieren und eine Wahrheit, die alles verändert.

Autor
Chris Karlden, geb. 1971, studierte Rechtswissenschaften und arbeitet als Jurist in der Gesundheitsbranche. Er lebt mit seiner Familie grenznah zu Frankreich und Luxemburg im Südwesten Deutschlands.
Quelle: ChrisKarlden.de

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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2 Antworten zu *+* Chris Karlden: „Das Medikament“ *+*

  1. Auch das wird besorgt 😊 danke dir

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