*+* Irve fragt… Gisa Pauly *+*

Liebe Frau Pauly,

ich bin eine der begeisterten Leserinnen ihrer Mamma Carlotta Reihe. Als sich mit dem Erscheinen des neuesten Teils „Wellenbrecher“ seitens des Verlags die Möglichkeit zu einem Interview mit Ihnen bot, habe ich gerne zugesagt, denn natürlich haben sich bei mir im Lauf der Zeit einige Fragen angesammelt.
.

Vielleicht möchten Sie sich zunächst mit eigenen Worten vorstellen?
.

Ich lebe in Münster, bin verheiratet, habe zwei erwachsene Kinder, zwei Schwieger- und vier Enkelkinder. Meine Familie ist mir sehr wichtig, aus ihr schöpfe ich Kraft.

Sie waren zwanzig Jahre lang als Lehrerin tätig. Dann kam der Schnitt und nun schreiben Sie Bücher, Drehbücher und sind als freie Journalistin tätig. Oder war es gar kein echter Schnitt und Sie sind einige Zeit lang ihrer Berufung – parallel als zweites Standbein – gefolgt, ehe Sie den Lehrerberuf an den Nagel gehängt haben?
Gehört dazu nicht eine Menge Mut?

Früher war das Schreiben mein Hobby, schon als junges Mädchen habe ich Geschichten und Gedichte geschrieben. Erst als ich mich im Lehrerberuf nicht mehr wohlfühlte, bildete sich die Idee, vom Schreiben leben zu können. Das habe ich natürlich gründlich vorbereitet, also neben dem Lehrerberuf. Erst als ich das Gefühl hatte, dass es klappen könnte, habe ich gekündigt.

Wie kamen Sie zum Schreiben? War es schon immer ein Kindheitstraum, den Sie sich schließlich erfüllt haben?

Ja, mein Kindheitstraum hat sich erfüllt. Ich kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen.

Wann ist der Wunsch in Ihnen aufgekommen, sich ganz und ausschließlich auf das Autorendasein (Buch und Drehbuch) sowie den Journalismus zu konzentrieren?
Haben Sie es je bereut?

Bereut habe ich es nie, mich für den durchaus riskanten Beruf der Schriftstellerin entschieden zu haben. Das liegt natürlich daran, dass ich von Anfang an viel Erfolg hatte. Dafür bin ich sehr dankbar.

Ihr Name ist eng mit Mamma Carlotta verknüpft, diese Sylt-Krimis sind sehr vielen Lesern ein Begriff. Aber Sie schreiben auch anderes. Es gibt Stand-alones – gerade ist „Jeder lügt, so gut er kann“ erschienen -, historische Romane von Ihnen und wie ich gesehen habe, auch den ersten Band einer Kinderbuchreihe. Woher nehmen Sie Ihre Inspirationen?

Vielleicht aus meinem erfüllten Privatleben. Ich erwähnte schon meine harmonische Familie, ich freue mich sehr an meinen Enkelkindern, ich habe gute Freunde, bin Teil eines engen Freundeskreises, in dem ich mich aufgehoben fühle.

Wie viel Zeit investieren Sie in Ihre Bücher? Wie viel Raum nimmt die Recherche ein und wie recherchieren Sie? Reisen Sie für jedes Buch an die Handlungsorte, um sich ein aktuelles Bild von Land und Leuten zu machen, zehren Sie von früheren Erlebnissen, oder nutzen Sie auch das Internet?

Das Schreiben ist Beruf und Hobby zugleich. Ich schreibe jeden Tag, auch am Wochenende, ich beginne jeden Tag mit der Arbeit am Manuskript. Im Urlaub fällt es mir richtig schwer, davon zu lassen. Das tu ich nur meinem Mann zuliebe. Ich könnte eigentlich auch Urlaub mit meiner Arbeit zusammen machen.
Obwohl ich Sylt sehr gut kenne, fahre ich doch für jedes Buch auf die Insel, um zu kontrollieren, ob ich alles richtig beschrieben habe, und um zu überprüfen, was mir nicht ganz klar ist. Für die Italien-Romane recherchiere ich selbstverständlich vor Ort. Ich lege großen Wert darauf, dass alles, was ich beschreibe, hundertprozentig mit der Realität übereinstimmt.
.


.
Gehören die Schauplätze Ihrer Bücher zu Ihren Lieblingsorten? Sylt spielt ja immer wieder eine große Rolle, aber auch Italien fließt mit ein. Im aktuellen Roman nehmen Sie Ihre Leser mit nach Siena.

Ja, ich bin tatsächlich gern auf Sylt und sehr gern in Italien. Ich habe mir genau die Landschaften ausgesucht, die mir besonders gut gefallen.

Sie leben in Münster, einer Stadt, die historisch und auch so einiges zu bieten hat. Wäre es vorstellbar, auch mal eine Geschichte dort anzusiedeln?

Es hat mal eine Krimiserie gegeben, die in Münster spielte. Da ging es um eine Privatdetektivin. Romy Schell diskret und schnell! Diese Serie musste ich aber nach drei Bänden zugunsten der Syltkrimireihe aufgeben.

Sie tun sich gelegentlich mit Sina Beerwald und Gabriella Engelmann, deren Romane respektive Krimis auch gerne mal auf Sylt spielen, für gemeinsame Lesungen zusammen. Wie kam es zu diesem Kleeblatt?

Das war ein Zufall. Wir stellten über Facebook fest, dass wir uns alle drei gleichzeitig auf Sylt aufhielten. Sina sowieso, sie lebt ja dort, und Gabriella und ich zufällig ebenfalls. Spontan beschlossen wir, dieses Zusammentreffen zu nutzen. Unsere erste Trio-Lesung war erfolgreich, sie hat uns großen Spaß gemacht. Mittlerweile sind wir gut befreundet, ich freue mich immer sehr auf die Trio-Lesungen und auf das Treffen mit meinen „Mädels“. Im 2. Dezember ist es wieder soweit. Wir machen eine Weihnachtslesung im Kursaal von Wenningstedt.

Wer oder was inspiriert Sie zu Ihren Büchern? Gibt es reale Menschen, an denen Sie Ihre Figuren anlehnen, oder Erlebtes, die Sie in die Handlung einfließen lassen? Vor allem Mamma Carlotta wirkt so typisch italienisch, ein emotionales, temperamentvolles Familientier, das liebend gerne in der Küche zaubert. Aber auch die anderen Familienmitglieder wirken lebendig, authentisch, sympathisch. – so real, dass man sich gut vorstellen kann, es gäbe sie genau so oder zumindest in sehr ähnlicher Form.

Nein, meine Figuren sind allesamt erfunden, ich habe keine realen Vorbilder. Aber natürlich kommen sie oft vor wie aus Fleisch und Blut. Das ist kein Wunder, ich lebe ja mit ihnen.

Sind die Charaktere nach dem Beenden Ihrer Werke immer so geraten, wie Sie sie ursprünglich geplant hatten? Oder entwickeln sie gelegentlich ein Eigenleben während des Schreibens?

Eigentlich sollte man meinen, dass ich die Herrin der Figuren bin, die machen müssen, was ich will – aber manchmal funktioniert das nicht. Gelegentlich entwickelt sich eine Figur anders, als ich es geplant habe. Und nach meiner Erfahrung belässt man es dann besser dabei. Dann wirkt die Figur authentischer.

Schreiben Sie Ihren Plot eher sehr engmaschig und füllen ihn anschließend lediglich aus, oder haben Sie einen eher gröberen Plan, der Ihnen während des Schreibens viel Raum für spontane Entwicklungen gibt?

Ich plane den Plot grobmaschig. Die Figuren werden vorher sehr ausführlich ausgearbeitet, ihre Lebensläufe, ihre besonderen Eigenheiten, ihr Aussehen, ihr familiärer Hintergrund. Für die Handlung schreibe ich ein Exposé von etwa 3 – 5 Seiten, das lasse ich vom Verlag absegnen, ehe ich beginne. Vieles, was sich später ereignet, weiß ich während dieser Planungsphase noch nicht.

Welches Verhältnis haben Sie zu den Protagonisten in Ihren Büchern?
Welches ist Ihre liebste Figur?

Sie sind mir alle ans Herz gewachsen, besonders natürlich die Protagonisten der Syltkrimi-Reihe, weil ich sie am längsten kenne. Und da natürlich ganz besonders Mamma Carlotta. Die ist genau mein Fall.

Macht es für Sie beim Schreiben einen Unterschied, ob Sie ein Stand-Alone schreiben, bei dem man nicht sicher sein kann, wie er bei den Lesern ankommen wird, oder einen weiteren Fall für Mamma Carlotta?

Ich gebe für jedes Buch mein Bestes, gleichgültig ob es um Mamma Carlotta oder um einen Stand-Alone geht.
.


.
Eine „buchige Schwangerschaft“ – von der Idee bis zur Auslage in den Buchhandlungen – kostet vermutlich ganz schön viel Kraft. Wie können Sie anschließend am besten entspannen und Ihre Akkus auffüllen?

Ich habe nie das Gefühl, meine Akkus aufladen zu müssen. Nach dem Buch ist vor dem Buch! Meist mache ich sofort mit dem nächsten Projekt weiter.

Wie wichtig ist Ihnen die Nähe zum Publikum? Etwa bei Lesungen, Buchmessen?

Sehr wichtig! Ich genieß es, auf Lesungen mit meinen Lesern zu sprechen, mir anzuhören, wie sie bestimmte Entwicklungen beurteilen, und lasse mir auch gerne raten, wie es mit einzelnen Figuren weitergehen soll. Zum Beispiel ist es immer sehr vergnüglich, über Eriks Liebesleben zu diskutieren.

Wie wichtig ist Ihnen Feedback überhaupt? Rezensionen, Statements in den Social Media, Reaktionen per Email, etc. Es ist sicher schön, viele Leserstimmen kennenzulernen, aber vermutlich auch zeitintensiv, sich darum zu kümmern, oder?

Feedback ist einerseits wichtig, man darf sich aber andererseits nicht davon verunsichern lassen. Damit meine ich natürlich negatives Feedback. Die Geschmäcker sind nun mal verschieden, wenn es Leser gibt, die meine Bücher nicht mögen, muss ich mir sagen, dass das nicht schlimm ist, wenn es doch so viele andere gibt, die sie lieben.

Welchen Teil Ihres kreativen Schaffens nimmt die Schriftstellerei ein?
Sie sind ja auch als freie Journalistin tätig, schreiben ebenfalls Drehbücher, beispielsweise für die Telenovela „Sturm der Liebe“. Welche Verfilmungen tragen sonst noch Ihre Handschrift? Und in welchen Presseerzeugnissen kann man Beiträge von Ihnen finden?

Mein kreatives Schaffen besteht ausschließlich aus der Schriftstellerei, den Journalismus und auch das Drehbuchschreiben habe ich mittlerweile an den Nagel gehängt. Ich schreibe nur noch meine Bücher.

Woran arbeiten Sie derzeit? Worauf können sich Ihre Leser demnächst freuen?

Soeben habe ich Mamma Carlotta Nr. 13 fertiggestellt. „Sturmflut“ wird Anfang Mai 2019 erscheinen. Jetzt plane ich die Fortsetzung des Siena-Romans. Möglich, dass sich daraus eine neue Reihe entwickelt, dass also „Jeder lügt, so gut er kann“, kein Stand-Alone bleibt. Die Figurenkonstellation dieses Buches gibt einiges her. Einen Fortsetzungsband wird es also auf jeden Fall geben.

Liebe Gisa Pauly, ich danke Ihnen sehr, dass Sie sich Zeit für die Beantwortung meiner Fragen genommen haben, und wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute….und viele gute Ideen für zahlreiche Fortsetzungen der Mamma Carlotta Reihe. :-)
Vielen Dank auch an Angéloca Vicedomini für die Erlaubnis, die Fotos, die ihrem Copyright unterliegen, für dieses Interview nutzen zu dürfen.

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
Dieser Beitrag wurde unter Interviews abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.