*+* Tomi Adeyemi: „Children of Blood and Bone“ (Hörbuch) *+*

Zélies Welt war einst voller Magie. Flammentänzer spielten mit dem Feuer, Geistwandler schufen schillernde Träume, und Seelenfänger wie Zélies Mutter wachten über Leben und Tod. Bis zu der Nacht, als ihre Kräfte versiegten und der machthungrige König von Orïsha jeden einzelnen Magier töten ließ. Die Blutnacht beraubte Zélie ihrer Mutter und nahm einem ganzen Volk die Hoffnung. Jetzt hat Zélie eine einzige Chance, die Magie nach Orïsha zurückzuholen. Ihre Mission führt sie über dunkle Pfade, wo rachedurstige Geister lauern, und durch glühende Wüsten, die ihr und ihrer treuen Löwenesse alles abverlangen. Dabei muss sie ihren Feinden immer einen Schritt voraus sein. Besonders dem Kronprinzen, der mit allen Mitteln verhindern will, dass die Magie je wieder zurückkehrt … (Quelle: Argon Verlag)

Geschildert wird die Geschichte aus mehreren Perspektiven: Zélie, Prinzessin Amari und Kronprinz Inan erzählen abwechselnd vom Fortgang der Geschehnisse. Das hat mich zunächst etwas verwirrt, denn alle drei Personen werden von einer einzigen Sprecherin vertont. So verhedderte ich mich immer wieder in der Geschichte bis ich so weit im Geschehen angekommen war, dass ich auch den jeweiligen Kontext den drei Protagonisten zuordnen konnte. Sie sind alle sehr starke Persönlichkeiten. Amari, die Prinzessin von Orishas führt ein Leben wie im goldenen Käfig. Als ihre Dienerin und beste Freundin getötet wird, flieht Amari, erfüllt von kopflosen Rachegedanken.
Zélie hat in der Blutnacht vor elf Jahren, die dem Volk die Magie nahm, ihre Mutter – eine Seelenfängerin – verloren und sehnt nichts mehr herbei als dass die Magie zurückkehrt. Dafür setzt die junge Frau gar ihr Leben aufs Spiel. Der Kronprinz Inan hingegen möchte, dass das Land weiterhin ohne die Kraft der Flammentänzer, Geistwandler, Seelenfänger und anderen magischen Wesen bleibt…

Tolle Grundzutaten für einen Fantasyroman, wie ich finde. Jedoch fehlte mir noch eine wichtige Zutat, um die perfekte Lesetorte daraus zu machen. So intensiv die Charaktere auch geschildert sind, so temporeich die Handlung erzählt wird, so eindringlich die Erinnerungen und auch Stammesrituale in mein Ohr drangen, so farblos blieb letzten Endes das Kopfkino, das sich vor meinem inneren Auge abspielte. Denn mir fehlte ganz klar die prächtige Kulisse, in die dieses kampflastige Spektakel eingebettet respektive in diesem Fall nicht eingebettet wurde. Von Orisha, dem Magie beraubten Land konnte ich mir beim besten Willen keine Vorstellung machen. Wie sieht es dort aus? Wie ist die Landschaft beschaffen? Welche Flora und Fauna – mal abgesehen von einigen erwähnten afrikanisch inspirierten Kreaturen tauchte so gut wie nichts aus der Tierwelt auf – gibt es dort? Fans der fast schon überdetaillierten Beschreibungen beispielsweise Kai Meyers werden hier vergeblich auf ähnliche Eindrücke warten. Aufgewogen wird das durch die bereits erwähnten temporeichen, lebhaften Schilderungen der engmaschig beschriebenen Handlungsfäden und die intensiven Charaktere, aber mir persönlich ist auch das Drumherum sehr wichtig, weil es mein Lesen und Lauschen im Idealfall brilliant abrundet. Zudem habe ich die ständigen Kampfhandlungen irgendwann nicht mehr begeistern können. Verschiedenartige Magie, unterschiedlichste Kreaturen und magische Wesen hin oder her, es fühlte sich irgendwann an, als bewege ich mich mit der Geschichte im Hamsterrad, wir kamen trotz vieler Wenden gefühlt kaum voran. So spielte sich die Handlung in meinem Kopfkino vor einer weißen Leinwand ab, schade. Denn diese Idee hat so viel Potenzial, das leider meiner Meinung nach bei weitem nicht ausgeschöpft wurde.

Wirklich begeistern konnte mich die Autorin jedoch mit ihrer Sprachgewalt, der starken Ausdrucksweise, ihrem Wortzauber. Diese Magie der Sprache hat Vanida Karun wirklich sehr gut in die Hörbuch-Variante umgesetzt. Die eindringliche Stimmung, die Panik, Verzweiflung, aber auch Mut, Angst und die stellenweise Unbeugsamkeit der Protagonisten hat sie sicher eingefangen und an den Hörer herangetragen. Mir hätte es jedoch wie bereits erwähnt besser gefallen – um die einzelnen Handlungsstränge der drei Hauptfiguren besser unterscheiden zu können -, wenn der Fantasyroman von mehreren Sprechern eingelesen worden wäre. Geschmackssache halt – wie so vieles!

Autorin
Tomi Adeyemi ist eine amerikanische Autorin nigerianischer Herkunft. Nachdem sie ihr Literaturstudium in Harvard erfolgreich abgeschlossen hatte, widmete sie sich der westafrikanischen Mythologie und Kultur, die sie zum stärksten Fantasy-Debüt der letzten Jahre inspirierte.

Sprecherin
Vanida Karun studierte an der Schule für Schauspiel Hamburg. Sie stand u. a. für Tatort und Die Rettungsflieger vor der Kamera und überzeugt als Hörbuchsprecherin der Romane von u. a. Camilla Läckberg und Nora Roberts.
Quelle: Argon Verlag

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Über irveliest

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