*+* Claudia Pietschmann: „GoodDreams – Wir kaufen deine Träume“ *+*

Stell dir vor, du könntest bestimmen, was du träumst – alles ist möglich! -, diese Träume aufzeichnen, sie in den Social Media hochladen, massig Likes abstauben und diese dann gegen Geld einlösen. Klingt fast zu schön, um wahr zu sein? Das stimmt, denn so perfekt, wie die Welt in „GoodDreams“ scheint, ist sie absolut nicht.

Die Geschichte ist dystopisch angehaucht, denn die Menschheit muss um das nackte Überleben kämpfen, der Großteil der Bevölkerung lebt von der Hand in den Mund. Die Waren sind knapp geworden und das, was verfügbar ist und häufig auf dem Schwarzmarkt gehandelt wird, ist astronomisch teuer. Der kleine Mann hat häufig keine Arbeit mehr und so muss alles herhalten, was zu Geld gemacht werden kann. Wie gut, dass es offenbar noch betuchte Weltenbürger gibt, die den Handel mit Träumen möglich machen. Aber Vorsicht! Ob das wirklich so ungefährlich ist, wie es scheint?

Zunächst stellt die Autorin die Hauptpersonen des Buches – die Jugendlichen, die später eine Einladung zum Profiträumer-Wettbewerb erhalten – vor. So kann man sich ein gutes Bild davon machen, wie sie gestrickt sind. Aber auch von ihren aktuellen Lebensumständen, ihren Hoffnungen, Wünschen und Sehnsüchten. Die Charaktere sind gut greifbar und lebendig beschrieben, ich konnte sie mir alle gut vorstellen, was eine gefühlte Nähe zu ihnen mit sich brachte.

Als diese Profiträumer Einladungen zu einem Wettbewerb erhalten, nehmen sie diese nach einigem Hin und Her an. Sie wissen natürlich nicht, was sie erwartet, aber die Gewinnprämie ist einfach zu verlockend, als dass sie diese Möglichkeit ausschlagen könnten. Jeder muss sein Päckchen tragen, Krankheiten, Süchte und andere Lebensbremsen begleiten sie alle, und jeder kann diesen Batzen Geld gut gebrauchen.

So treffen sich die Teilnehmer zu vorgegebener Stunde im Traum des Game-Masters – Profiträumer können auch gezielt in fremde Träume eindringen – und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Im Traum ist alles möglich, das bekommen die Teilnehmer eindrucksvoll am eigenen Leib zu spüren. Claudia Pietschmann hat tief in die Trickkiste gegriffen, macht Unmögliches möglich. Die Welt, die die sie kreiert, ist faszinierend und beängstigend zugleich. Einige Male gilt es, Gefahren zu besiegen und über sich hinauszuwachsen. Dass das nur als Team möglich ist, begreifen die Profiträumer recht bald. Denn als sich eine Teilnehmerin eine Schwäche erlaubt und sie deshalb aus dem Team gemobbt wird, kommen die anderen Spieler nicht mehr voran. So begreifen sie, dass nur gemeinsam das Ziel erreicht werden kann. Diese Aussage des Buches gefällt mir sehr gut. Vor allem, weil man in der heutigen Zeit oftmals das Gefühl hat, dass die Gesellschaft zunehmend aus Einzelkämpfern zu bestehen scheint. Das Motto der drei Musketiere „Einer für alle und alle für einen“ setzt sich bei den Träumern schließlich immer mehr durch und schließlich gelangen sie zum Ziel – das ein ganz anderes ist als sie je vermutet hätten.

Die Geschichte des Buches ist ganz klar auf den Wettbewerb der Profiträumer und dessen Ausgang ausgelegt. Wer große Hintergrundinformationen erwartet, die erklären, warum die Welt in „GoodDream“ so ist, wie sie ist, mag enttäuscht sein. Aber die Vergangenheit spielt eigentlich keine Rolle für den Inhalt und auch nicht für die Botschaften des Buches. Die Autorin arbeitet in beiden sich abwechselnden Erzählsträngen – die Traumwelt des Wettbewerbs und die Realität – überzeugend heraus, wie wichtig Gemeinschaft und Zusammenhalt ist. Großes kann man alleine oft nur schwer bewältigen, aber wenn sich die Kräfte bündeln, sieht es meist ganz anders aus. Zudem greift sie ein Thema auf, das vor allem für die jugendliche Zielgruppe immens wichtig ist: Die Social Media. Bei allen Vorteilen darf man sich von diesen nicht blenden lassen, sollte hinterfragen und gerne auch mal skeptisch sein und sich vor allem bewusst sein, dass öffentliche Daten ihren Privatstatus mit einem einzigen Klick eingebüßt haben und von anderen nicht immer für positive Zwecke genutzt werden.

Das Ende der Geschichte ist ein wenig offen gehalten. Obwohl der Traumwettbewerb unter Aufdeckung eines Skandals erfolgreich beendet wird, ist dieses Kapitel für die Teilnehmer noch längst nicht abgeschlossen – ein wenig liest sich das letzte Kapitel, als ob es eine Fortsetzung geben könnte, worüber ich mich sehr freuen würde.

Inhalt
Leah will nicht mehr träumen. Zu sehr treibt sie die Angst um, nicht in die Realität zurückkehren zu können. Ihr Zwillingsbruder Mika versteht Leah nicht. Er ist Profiträumer und verdiente lange mit seinen Träumen Geld. Geld, das die Geschwister dringend für ihren kranken Vater brauchen. Eines Tages erhält Mika eine anonyme E-Mail und damit die Chance auf 250.000 Dollar: Er soll bei einem geheimen Spiel mitmachen und gegen drei andere Jugendliche antreten.
Das Ziel des Spiels? Ungewiss.
Der Startpunkt? Im Traum.
Das Problem: Seit Mika an Schlafstörungen leidet, ist für ihn ans Träumen nicht mehr zu denken. Ihre einzige Chance ist Leah. Sie muss ihre Angst überwinden und in den Traum eines Unbekannten aufbrechen. In einen Traum, der zum Albtraum wird – und der etwas enthüllt, das Leah und die gesamte Menschheit erschüttern wird …

Autorin
Claudia Pietschmann, 1969 in der Mark Brandenburg geboren, verbrachte ihre Kindheit und Jugend inmitten zahlloser Bücher. Sie studierte in Berlin Betriebswirtschaftslehre und arbeitete anschließend als Marketingberaterin und Werbetexterin. Mit dem Träumen beschäftigt sich die Autorin schon lange. Es ist ihr sogar gelungen, das Luzide Träumen zu erlernen, genau wie die Figuren in ihrem Debutroman „GoodDreams“.
Quelle: Arena Verlag

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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