*+* Marie Brunntaler: „Das einfache Leben“ *+*

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Adele und Elisabeth werden im Südschwarzwald groß – in einem kleinen Dorf, das ihnen zu klein, zu eng und zu verstaubt wird, als sie heranwachsen. In den Sechzigerjahren folgen sie dem Ruf des Wirtschaftswunders, verlassen ihre Heimat und lernen ein ganz anderes Leben kennen. Aber ob sie wirklich ein besseres Leben gefunden haben?

Als sich die Schwestern in etwas gesetzterem Alter wieder in der Heimat treffen, erfährt der Leser nach und nach, wie Adele und Elisabeth getroffen haben. Sie erzählen aus ihren Jahren nach dem Verlassen des Dachsbergs, arbeiten aber auch einige Dinge aus ihrer Kindheit auf. Man hat fast den Eindruck, als lernten sie sich erst jetzt nach einer gewissen Zeit des Abstands richtig kennen.

„Manchmal tut man in seiner Ratlosigkeit und Unsicherheit seltsame Dinge, auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und seinem Platz darin.“

Elisabeth kehrt auf das elterliche Gehöft zurück, nachdem ihr langjähriger Geliebter verstorben ist. Sie braucht eine Auszeit, muss sich über einiges klar werden und ist auf der Suche nach einer Aufgabe, einer Herausforderung. Diese findet sich in Form der zurückgelassenen Industriebrache ihres Bruders, der völlig unverantwortlich gehandelt hat, denn er ließ Grund und Boden kontaminiert zurück. Unter dieser Nestbeschmutzung leiden seine Schwestern, als sie zurückkehren. Nach einem Traum kommt Elisabeth die Idee, wie sie ihre Zeit, Kraft und auch ihre Ersparnisse einsetzen möchte:
Auf diesem verseuchten Gelände soll ein wunderschöner Rosengarten entstehen. Adele ist zunächst skeptisch und widerspenstig, unterstützt aber schließlich ihre Schwester bei ihrem Plan und die beiden lassen sich auch durch Widrigkeiten und Rückschläge nicht davon abhalten, diesen Traum lebendig werden zu lassen.

Soweit der rote Faden des Romans, der mir sehr gut gefiel. „Back to the roots“, Schlichtheit, Gemeinsamkeit, Wiedergutmachung, Frieden, Natur, das sind alles Schlagworte, die mir zusagen. Die Schlichtheit wurde leider kontraproduktiv durch häufig mir zu extreme, exzentrische Ausschmückungen der Charaktere und teilweise auch der Handlung gestört. Die Harmonie während des Lesens geriet immer wieder ins Ungleichgewicht. Damit meine ich nicht die Meinungsverschiedenheiten, die die sehr unterschiedlichen Schwestern hin und wieder austragen.

Die Charaktere sind zwar – vor allem bei den beiden Hauptfiguren – recht intensiv ausgearbeitet. Dennoch blieben sie für mich blass und unnahbar. Durch den extremen Touch, der einigen anhaftete, stiegt das Gefühl der Fremdheit noch und ich konnte mich nicht wirklich mit auch nur einem von ihnen identifizieren.

Diese Art der Charakterzeichung ist sicher genauso Geschmackssache wie der Schreibstil. Dieser gefiel mir wiederum sehr. Die Autorin hat einen ganz individuellen Stil der Erzählens. An einigen Stellen wird sie fast poetisch und ich mag es, wie sie ihre Weisheiten formuliert und sie im Roman unterbringt.

Fazit:
Trotz meiner Kritikpunkte halte ich „Das einfache Leben“ für ein gutes Debut. Denn Stil und Ausarbeitung hängen oft vom persönlichen Gusto ab. Der Roman ist rund und schlüssig, thematisch interessant, hat aber in seiner Umsetzung nicht immer meinen Geschmack getroffen.

Inhalt
Die Schwestern Adele und Elisabeth Kohlbrenner verlassen ihre Heimat jung, um an der Aufbruch­stimmung des Wirtschaftswunders teilzuhaben. In der Mitte ihres Lebens bereuen sie jedoch, ihre Wurzeln abgeschnitten und das Glück an Orten gesucht zu haben, wo es für sie nicht zu finden war. Sie kehren nach Dachsberg im Südschwarzwald zurück und beschließen, einen alten Traum Wirklichkeit werden zu lassen, ihren Traum vom Rosengarten. Gemeinsam bewirtschaften sie ein Brachland in den Hügeln, ausgerechnet dort, wo zuletzt die Verpackungsfirma ihres Bruders stand, der nach einem Umwelt­skandal schließen musste. Adele und Elisabeth wollen dieses Land der Natur zurückgeben und den schönsten Rosengarten des Schwarzwalds anlegen. Jeder, der etwas davon versteht, rät ihnen ab: Die Höhenlage sei nichts für Rosen, der Boden zu steinig. Doch die beiden lassen sich nicht beirren.
Quelle: Eisele Verlag 

Autorin
Eine Lebensgeschichte in Romanform: Die gebürtige Schwarzwälderin Marie Brunntaler studierte Biologie und setzte sich in den Siebziger Jahren stark für die Umwelt und ein respektvolleres Umgehen mit der Natur ein. In Heidelberg und Bonn war sie als Sachbearbeiterin in der Landschaftsplanung tätig. Heute lebt Brunntaler mit ihrem Sohn in der Nähe der Schweizer Grenze. 2018 debütiert sie als Schriftstellerin mit ihrem ersten Roman „Das einfache Leben“. Darin spiegelt sich der Lebenslauf der Autorin stark wider. Die Schwestern Adele und Elisabeth wachsen im Schwarzwald auf, verlassen ihre Heimat jedoch zugunsten eines vermeintlich glücklicheren Lebens in der großen Welt. In mittleren Jahren kehren sie schließlich zurück und wollen der Natur etwas wiedergeben: Dort wo zuvor noch die Verpackungsfirma ihres Bruders stand, die wegen eines Umweltskandals schließen musste, planen die beiden entgegen aller Stimmen, die ihnen abraten wollen, einen prächtigen Rosengarten anzulegen und – entsprechend dem Titel – ein einfaches Leben zu führen.
Quelle: Lovelybooks 

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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