*+* Karl Olsberg: „MIRROR“ *+*

Die neueste technische Errungenschaft hat eine treffende Bezeichnung: MIRROR. Das bedeutet Spiegel – und genau das sind die Geräte auch. So wie ein Spiegel das Äußere des Betrachters wiedergibt, so spiegelt ein Mirror das Innere seines Besitzers.

Je häufiger man seine Gefühle, Gedanken und Handlungen per Ohrclip, Armbandmanschette und visueller Brille an das Herzstück, den kleinen Kasten namens Mirror, übermittelt, umso schneller und besser könne dieser seinen Träger analysieren und ihm dienen. Dienen, indem das Gerät vorausschauend ermittelt, was sein Besitzer wünscht und braucht. Der Hersteller verspricht, der Mirror mache das Leben seines Trägers besser. Das klingt gut und sehr verlockend, nicht wahr?

Wie so oft bei fortschrittlichen Errungenschaften, hat auch diese Medaille zwei Seiten. Denn die Mirror sind wirklich wahnsinnig nützlich und für so machen Träger in diesem Thriller ein wahrer Segen. Der Plan des Unternehmens geht auf, die Mirror werden schnell sehr beliebt. Allerdings hat man eine – sehr entscheidende – Komponente nicht bedacht…. Und was in den Augen der Verantwortlichen nicht sein kann, darf auch nicht sein! So wird jegliche Kritik gnadenlos abgeschmettert. Dabei stellen immer mehr Nutzer Ungereimtheiten fest und erleben Dinge, die ihnen ganz im Gegenteil zu den vollmundigen Versprechungen ihr Leben nicht vereinfachen sondern die Lebensqualität von bunt auf grau herabstufen. Als sich die Wege der Protagonisten einiger der Erzählstränge kreuzen, schließen sich die Betroffenen zusammen, lassen sich nicht entmutigen und kämpfen für ihre Überzeugungen und Rechte.

Karl Olsberg zeichnet in der Ausgangslage seines Thrillers eine durchaus denkbare Zukunftsvision. Maschinen analysieren uns, und helfen uns, unsere negativen Parameter durch entgegengesteuerte Handlungen zu kompensieren. Welch Möglichkeiten für diejenigen von uns, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Gefühlt könnten wir alle ein wenig gleicher werden, was die Chancen in vielen Bereichen betrifft. Wenn es so funktioniert, wie es soll, ist das eine gute Sache. Wenn jedoch das System nicht ausgereift oder mit den falschen Parametern versehen ist, oder von außen hineingepfuscht wird, laufen auch die besten Gedanken und Pläne Gefahr, einem anderen, einem falschen Ziel zu dienen. Wer es bemerkt und sich zur Wehr setzt, hat gute Chancen, mit heiler Haut hinauszukommen. Wer seinem in diesem Fall: Mirror blind folgt, hat dann oft das Nachsehen und merkt es vielleicht nicht einmal.

Der Autor skizziert ein Szenario, das durch die Art der Schilderungen, den realistisch anmutenden Grundbedingungen der verschiedenen Handlungsstränge sowie den mehr als gut und glaubwürdigen Protagonisten sehr nachvollziehbar wirkt. Natürlich sind wir noch weit weg von dem beschriebenen technischen Stand, aber wir sind auf dem besten Weg dorthin. Vertrauen in unser Wissen und die Technik, die daraus entsteht, ist gut. Aber Kontrolle ist noch wichtiger. Je weiter sich die Dinge von dem ursprünglich Menschlichen entfernen, je technischer und automatisierter unsere zugegebenermaßen dadurch auch sehr komfortable Welt wird, umso wichtiger ist es, all dies zu hinterfragen, skeptisch und aufmerksam zu bleiben. All das vermittelt Karl Olsberg auch in diesem Buch sehr gut und überzeugend.

Wer Wissenschaftsthriller, die einen Blick über den Tellerrand auf Zukunftsvisionen werfen, mag, könnte von MIRROR ebenso begeistert sein wie ich!

Inhalt
Dein Mirror kennt dich besser als du selbst.
Er tut alles, um dich glücklich zu machen.
Ob du willst oder nicht.

Wie digitale Spiegelbilder wissen Mirrors stets, was ihre Besitzer wollen, fühlen, brauchen. Sie steuern subtil das Verhalten der Menschen und sorgen dafür, dass jeder sich wohlfühlt. Als die Journalistin Freya bemerkt, dass sich ihr Mirror merkwürdig verhält, beginnt sie sich zu fragen, welche Macht diese Geräte haben. Dann lernt sie den autistischen Andy kennen und entdeckt, dass sich die Mirrors immer mehr in das Leben ihrer Besitzer einmischen – auch gegen deren Willen.

Als sie mit ihrem Wissen an die Öffentlichkeit geht, hat das unabsehbare Folgen …

Autor
Karl Olsberg promovierte über Anwendungen Künstlicher Intelligenz. Er war Unternehmensberater, Marketingdirektor eines TV-Senders, Geschäftsführer und erfolgreicher Gründer mehrerer Start-ups. Heute arbeitet er als Schriftsteller und Unternehmer und lebt mit seiner Familie in Hamburg. Bislang erschienen im Aufbau Taschenbuch seine Thriller „Das System“, „Der Duft“, „Schwarzer Regen“, „Glanz“ sowie „Die achte Offenbarung“. Mehr vom und zum Autor unter: http://www.karlolsberg.de
Quelle: Aufbau Verlag

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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4 Antworten zu *+* Karl Olsberg: „MIRROR“ *+*

  1. Klingt nach einem Buch für mich 😊

  2. Janna | KeJas-BlogBuch schreibt:

    Ich hab den Thriller auch sehr gern gelesen und absolut, unrealistisch ist das alles ganz und gar nicht! Ein paar Kritikpunkte mehr hatte ich schon, aber im Ganzen eine einnehmende Story, eben aufgrund der erschreckenden Nähe unserer Zeit!

    • irveliest schreibt:

      Die Umsetzung ist halt immer Geschmackssache. Ich persönlich finde es ja immer wieder befremdlich, wie nah Fluch und Segen bei ein und derselben Sache beieinander liegen können…

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